zurück

Champions-League-Skandal: Ehemaliger Bundesliga-Spieler provoziert, dann greift Torwarttrainer ihn an

Lyon (Frankreich) – Fenerbahce Istanbul hat sich nach 18 Jahren Pause wieder für die Champions League qualifiziert. Nach dem 1:1-Unentschieden im Hinspiel sicherte sich der türkische Spitzenklub mit einem 2:1-Erfolg bei Olympique Lyon den Einzug in die Königsklasse. Am Mittwochabend geriet jedoch das sportliche Geschehen durch eine umstrittene Aktion von Mattéo Guendouzi (27) in den Hintergrund, wobei seine Vergangenheit eine bedeutende Rolle spielte.

Der 27-Jährige war früher für Olympique Marseille aktiv, den großen Rivalen der Gastgeber aus Lyon. Dementsprechend sah sich der Mittelfeldspieler bereits beim Aufwärmen heftigen Beschimpfungen der Heimfans ausgesetzt.

Doch Guendouzi ließ sich nicht einfach provozieren. Auf dem Weg zurück in die Kabine zeigte er den Fans im Stadion demonstrativ den Mittelfinger, was bereits vor Spielbeginn für den ersten Eklat sorgte.

Beim Jubel zum 2:0-Treffer kochten die Gemüter erneut hoch. Guendouzi und seine Mitspieler feierten den Erfolg direkt vor der Fankurve von Lyon. Einige Anhänger versuchten sogar, in den Innenraum vorzudringen, doch Absperrungen verhinderten eine Eskalation.

Die heftigste Auseinandersetzung ereignete sich jedoch erst nach dem Schlusspfiff. Der frühere Bundesliga-Profi von Hertha BSC lief ausgelassen über den Rasen und imitierte dabei die Handgeste des Marseiller Rappers Jul (36). In die Fernsehkameras rief er anschließend: „Allez l’OM!“ („Auf geht’s, OM!“). Kurz darauf entluden sich die Emotionen endgültig in einer Rudelbildung.

Seine Teamkollegen stellten sich schützend vor Guendouzi und begleiteten ihn gemeinsam mit dem Betreuerstab in Richtung Kabine.

Am Ausgang zum Tunnel eskalierte die Situation allerdings erneut: Lyons Torwarttrainer António Ferreira (47) griff den 27-Jährigen unvermittelt an.

Die Spieler von Fenerbahçe griffen sofort ein, und auch immer mehr Lyon-Spieler kamen hinzu, um Guendouzi zur Rede zu stellen. Im Tunnel spitzte sich die Lage kurzzeitig zu, bevor sie sich schließlich beruhigte.

Guendouzi erklärte nach dem Spiel sein Verhalten: „Wenn 60.000 Menschen deine Familie, deine Mutter und deine Kinder beleidigen – und das bereits vor dem Anpfiff –, und niemand aus dem Schiedsrichterteam die Fans auffordert, Ruhe zu bewahren, dann versteht man, wie es dazu kommt.“

Er fügte hinzu: „Während der gesamten 90 Minuten, sogar länger, wenn man das Aufwärmen dazuzählt, wurden meine Angehörigen angegriffen. Das trifft einen tief. Deshalb bin ich umso glücklicher über unseren Sieg.“ Gleichzeitig stellte er klar: „Wenn man sich gegenseitig provozieren will, dann sollte das in beide Richtungen geschehen.“