982 Tage nach dem schweren Unfall in Altenberg: Bob-Anschieber erlebt bewegendes Comeback im Eiskanal
Lillehammer (Norwegen) – Vor 982 Tagen, am 14. Februar 2024, ereignete sich ein dramatischer Unfall im Altenberger Eiskanal, der weltweit für Betroffenheit sorgte: Der Schweizer Bob-Anschieber Sandro Michel (30) wurde bei einem Sturz aus dem Zweierbob seines Piloten Michael Voigt (28) herausgeschleudert. Der Bob verlor die Kontrolle, rutschte zurück und erfasste Michel. Die Ärzte der Uniklinik Dresden kämpften um sein Bein, darüber hinaus zog sich der 30-Jährige einen Bruch des Schulterblatts, Muskelverletzungen im Brustbereich sowie eine Lungenblutung zu.
Zu diesem Zeitpunkt schien ein Comeback in der Sportart, die Sandro Michel so sehr liebt, undenkbar. Auf seinem Instagram-Account schrieb er damals: „Vor fast drei Jahren erklärten mir die Ärzte, dass ich mit viel Einsatz vielleicht wieder einigermaßen normal laufen könnte. Aber Bobfahren? Das würde für mich höchstwahrscheinlich nie wieder möglich sein.“
Seinen Willen, zurück ins Leben und auf die Bahn zu finden, verlor Sandro Michel jedoch nie. So gelang ihm am vergangenen Mittwoch im Trainingslager in Lillehammer scheinbar Unmögliches: Er schob seinen Piloten Michael Voigt im Zweierbob an.
„Dieser Moment war extrem emotional und brachte mir nach allem, was ich in den vergangenen Jahren erlebt habe, eine große Erleichterung. Ein Augenblick, den ich nie vergessen werde“, teilte er via Instagram mit.
Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um seiner Freundin Sina Halter sowie seiner Familie und Freunden für die bedingungslose Unterstützung in den letzten Jahren zu danken.
„Außerdem möchte ich allen Ärzten und Physiotherapeuten meinen tiefen Dank aussprechen, die mich während meiner Genesung begleitet haben. Danke für euer Engagement, euer Fachwissen und dafür, dass ihr mir geholfen habt, heute wieder hier zu stehen“, richtete er ebenso bewegte Worte an die Mediziner, die ihn und sein Bein retteten und ihn über die Monate hinweg betreuten.
Bereits einige Tage vor seinem Comeback hatte Sandro Michel angekündigt, erneut in den Bob steigen zu wollen. Dabei verspürte er gemischte Gefühle und auch etwas Respekt. „Entweder ich liebe es, oder ich werde nie wieder in den Bob steigen“, blickte er voraus. Offensichtlich ist seine Leidenschaft noch immer da, und er überwand seine Zweifel und auch eine möglicherweise begleitende Angst.
Gleichwohl betonte der Schweizer schon vor der ersten Fahrt, dass ein Wiedereinstieg im Weltcup in dieser Saison wohl noch nicht realistisch sei, da er noch „ein Stück zu weit von den besten Anschubzeiten entfernt“ sei. Sein langfristiges Ziel bleibt jedoch die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2030 in Frankreich.
Seine Geschichte ist dennoch eine Inspiration für alle, die nach schweren Verletzungen und einschneidenden Lebensereignissen den Weg zurück suchen. Sandro Michels Weg ist noch lange nicht zu Ende.