zurück

Berliner legt 335 Kilometer zu Fuß zurück: „Die außergewöhnlichste Reise meines Lebens“

Von Christoph Lother Berlin/New York – Dominik Stroh beißt genüsslich in eine Brezel. Die Belohnung im German House of Soccer hat sich der 26-Jährige redlich verdient. Er hat gut 335 Kilometer zu Fuß hinter sich gebracht – von Boston bis nach New York – und das in knapp 72 Stunden.

Der in Berlin lebende Schwabe ist Ultramarathonläufer und leidenschaftlicher Fußballfan. „Warum nicht zur WM laufen?“, dachte er sich. „Es war die intensivste Reise, die ich je erlebt habe“, erzählt er der Deutschen Presse-Agentur.

Seine Ankunft auf der berühmten Brooklyn Bridge in New York beschreibt Stroh als „unglaublich bewegend“. „Das war nach meiner Geburt das emotionalste Erlebnis meines Lebens.“

Er lief auch für seinen Vater, erläutert er. Stroh hat bereits zahlreiche Wettkämpfe absolviert – darunter im April den Wien-Marathon in 2:42 Stunden. Seine Motivation schöpft er aus einem schweren persönlichen Schicksalsschlag. Zusätzlich möchte er anderen Mut machen und den Sport populärer machen.

„Mein Vater hatte 2009 einen schweren Unfall und sitzt seitdem im Rollstuhl“, erklärt Stroh. „Ich habe zwei gesunde Beine, die mich überall hintragen. Deshalb laufe ich auch für Menschen, die nicht laufen können. Ich laufe für ihn mit und bin jeden Tag dankbar für meine Gesundheit.“

Der Entschluss, nach New York zu laufen, entstand erst kurzfristig, berichtet Stroh. Die Tour sei von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt gewesen. Bei Kilometer 170 geriet er zeitlich in Bedrängnis und drohte, die geplanten 72 Stunden zu überschreiten. Doch sein Team habe ihn aus diesem Tief herausgezogen, wofür er sehr dankbar ist.

Nur drei Stunden Schlaf pro Nacht gönnte sich Stroh, erzählt er. Übernachtet wurde in einem Wohnmobil. Unterwegs hatte er unter anderem einen Physiotherapeuten und einen Freund dabei, der das Ganze mit der Kamera dokumentierte.

Seine Eindrücke vom Ultramarathon teilte Stroh über soziale Netzwerke – inklusive dem Zielbild im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

Finanziell unterstützt wurde er von Sponsoren. Bereits in der Vergangenheit nahm er an Wettbewerben teil, bei denen er etwa in Jeans oder als Getränkedose verkleidet unterwegs war – je nachdem, welcher Partner ihn begleitete. Was er sich nach dem Genuss der Brezel im Fantreff in New York noch gönnen möchte?

Nach dem Spiel zwischen Frankreich und Senegal plant er, sich noch ein weiteres WM-Match anzusehen – diesmal in Miami. Dorthin zu laufen, wäre allerdings selbst für ihn eine zu große Distanz. Zumindest vorerst.