„Der Arzt der Champions“: Müller-Wohlfahrt fühlt sich bis heute vom Bayern-Aus unter Guardiola enttäuscht
Von Martin Moravec
München – Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (84) trägt es den ehemaligen Verantwortlichen des FC Bayern München noch immer nach, dass er unter Trainer Pep Guardiola (55) seinen Posten verlor.
„Nach über 40 Jahren, in denen ich dem Verein stets treu und erfolgreich zur Seite stand, hätte ich mir seitens des Klubs mehr Rückhalt gewünscht. Doch das blieb aus“, äußerte der weltweit renommierte Sportmediziner Müller-Wohlfahrt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Premiere der Dokumentation „Müller-Wohlfahrt – Der Arzt der Champions“.
Das Filmporträt über den 84-jährigen Orthopäden, dem zahlreiche Top-Athleten seit Jahrzehnten ihr Vertrauen schenken, wird ab Freitag bei Sky ausgestrahlt.
„Meine Enttäuschung ist persönlich, ich fühlte mich allein gelassen. Dennoch liegt mir der Verein am Herzen. Ein Bayern-Fan bleibe ich mein Leben lang“, betonte Müller-Wohlfahrt, der sich insbesondere von Uli Hoeneß (74) und Karl-Heinz Rummenigge (71) mehr Unterstützung erhofft hatte.
Der gebürtige Ostfriese war fast vier Jahrzehnte lang Mannschaftsarzt des Rekordmeisters. Nach Konflikten mit dem damaligen Trainer Jürgen Klinsmann (62) legte Müller-Wohlfahrt 2008, auch wegen der Umgestaltung seiner Praxis, eine Pause ein. Nach Klinsmanns Abgang kehrte der Mediziner, der liebevoll „Mull“ genannt wird, zurück.
Im April 2015 führte ein Streit mit dem damaligen Chefcoach Guardiola dann zum vermeintlich endgültigen Bruch mit dem FC Bayern. Müller-Wohlfahrt und seinem Team wurde nach einer Serie von Verletzungen das 1:3 im Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel in Porto vorgeworfen.
Trotzdem suchten damalige Bayern-Stars wie Arjen Robben (42) bei Verletzungen weiterhin seine Praxis im Münchner Stadtzentrum auf. Nachdem Guardiola 2017 den Verein verließ, kehrte „Mull“ erneut als Mannschaftsarzt an die Säbener Straße zurück.
Müller-Wohlfahrt würde dem Spanier Guardiola, ungeachtet der belasteten Vergangenheit, auch heute noch zur Seite stehen. „Ich würde nicht ablehnen. Gleichzeitig wäre es eine Chance, um über meine medizinischen Ansätze, meine Weiterentwicklung und Erfolge zu sprechen und ihn letztlich zu überzeugen“, erklärte der langjährige Arzt der deutschen Fußballnationalmannschaft.
„Viele spanische Sportler kommen zu mir. Wenn die spanische Sportmedizin tatsächlich so überlegen wäre, wie Guardiola behauptet, würde kein Athlet aus Spanien meine Praxis aufsuchen.“