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Kurz vor dem Sprung: Deutscher Skisprungstar dreht plötzlich um und verlässt das Gelände

Oslo (Norwegen) – Solche Momente erlebt man nicht oft! Philipp Raimund (25), Deutschlands Olympiasieger im Skispringen, packte am Sonntag beim Weltcup am Holmenkollen in Oslo überraschend seine Sachen und verließ die Schanze, kurz bevor er springen wollte.

Videoaufnahmen zeigen den DSV-Athleten bereits oben in der Wartehütte der Schanze. Er war startbereit, mit Helm und Skibrille ausgerüstet. Plötzlich drehte er jedoch um, zog seine Handschuhe aus und richtete sich an seinen Konkurrenten Domen Prvec (26): „Domen, du bist eher dran. Ich springe nicht. Ich mache diesen Mist hier nicht.“

Anschließend stieg Raimund mit seinen Skiern in den Aufzug und verließ die Schanze. Der Wettkampf am Sonntag wurde maßgeblich vom starken Wind beeinflusst. Immer wieder wurden die Springer bei ihren Versuchen heftig durchgeschüttelt, viele konnten nur knapp einen Sturz vermeiden.

Auf dieses Risiko hatte Philipp Raimund keinerlei Lust. Später erklärte er im Gespräch mit der ARD: „Ich habe den Wettkampf lange am Fernseher verfolgt. Die Bedingungen wurden immer chaotischer und unberechenbarer“, sagte der Goldmedaillengewinner von Mailand und Cortina.

Als er dann beobachtete, wie sein Teamkollege Felix Hoffmann beinahe stürzte, fiel für Raimund die Entscheidung, nicht anzutreten. „Das war eine schnelle Entscheidung“, so der Springer.

„Ich springe aus Freude am Sport und nicht, um mir Sorgen um meine Gesundheit zu machen. Ich dachte mir: ‚Leute, ehrlich gesagt sehe ich keinen Grund, das jetzt unbedingt durchzuziehen‘“, führte Philipp Raimund bei der ARD weiter aus.

Trotz der schwierigen Windverhältnisse wollte die Jury den ersten Durchgang unbedingt abschließen. Erst später erkannten die Verantwortlichen, dass die Bedingungen für alle zu riskant waren, weshalb der zweite Durchgang abgesagt wurde.

Für Raimunds Entscheidung zeigten sich nicht nur Bundestrainer Stefan Horngacher (56) verständnisvoll, sondern auch Experte Sven Hannawald (51).

„Ich halte diese Entscheidung für absolut nachvollziehbar. Es ist wichtig, ein solches Zeichen zu setzen. Heute war es total unberechenbar, man hätte auch Lotto spielen können“, stellte der Sieger der Vierschanzentournee von 2002 klar.

Da der Wettbewerb abgebrochen wurde, zählten die Ergebnisse des ersten Durchgangs, was den Sieg an den Japaner Tomofumi Naitō (33) brachte, gefolgt vom Slowenen Anže Lanišek (29) und dem Finnen Antti Aalto (30).

Der eigentliche Gewinner war jedoch Raimund, der durch seine Entscheidung, auf Sicherheit zu achten, als einziger Starter aus dem Feld nicht absprang.