Skisprung-Favorit disqualifiziert! Deutscher Olympiasieger feiert ersten Weltcupsieg
Lahti (Finnland) – Am Freitag schien Domen Prevc (26) lange Zeit als klarer Gewinner des Skisprung-Events in Lahti festzustehen, doch eine Materialpanne wurde dem slowenischen Top-Athleten zum Verhängnis. Von der Disqualifikation Prevcs profitierte Philipp Raimund (25), der nach seinem Olympia-Gold in Italien nun auch seinen ersten Weltcup-Erfolg feiern konnte.
Der Großschanzen-Wettbewerb in Finnland, der ausnahmsweise nur in einer Runde ausgetragen wurde und als Ersatz für den im November in Ruka abgesagten Wettkampf diente, brachte Raimund eine Weite von 122 Metern ein – zwar nicht die größte, jedoch hatte er deutlich schlechtere Windverhältnisse als seine direkten Rivalen. Mit 129,3 Punkten führte er das Feld an, bis Prevc an den Start ging.
Doch als das Springen bereits beendet war und das ZDF gerade zur Nordischen Kombination übergehen wollte, kam die überraschende Nachricht: Prevc, der eigentlich seinen siebten Sieg in Folge verbuchen konnte, wurde disqualifiziert!
Bei der Materialkontrolle stellte Chef-Kontrolleur Mathias Hafele fest, dass Prevcs Skier im Verhältnis zu seinem Körpergewicht um einen Zentimeter zu lang waren.
Davon profitierte Raimund, der seinen ersten Weltcup-Triumph vor Daniel Tschofenig (23) aus Österreich und dem Bulgaren Vladimir Zografski (32) feierte. Obwohl Raimund erst vor wenigen Wochen Olympiasieger wurde, hatte er bislang noch keinen Weltcup-Wettkampf für sich entscheiden können.
Nach der Siegerehrung im ZDF zeigte sich Raimund zwar "definitiv" erfreut über den Erfolg, räumte jedoch ein, dass die Situation einen leicht merkwürdigen Beigeschmack hinterlasse.
"Man denkt sich: ‚Eigentlich war der Wettbewerb ja schon vorbei‘", erklärte der 25-Jährige seine Gefühle. "Vor allem passiert das mit dem Überschreiten des Gewichts bei Skiern recht schnell, wenn man nicht genau darauf achtet. Mir persönlich passiert das normalerweise nicht, ich bin eigentlich immer zwei Kilo zu schwer", scherzte Raimund.
Am Ende überwog jedoch der Stolz des deutschen Athleten: "Trotzdem fühlt sich der Sieg großartig an. Mein Sprung war auf einem sehr hohen Niveau und ich bin seit Olympia in bestechender Form. Deshalb bin ich schon stolz auf meine Leistung heute."
Für Domen Prevc stellt die Disqualifikation lediglich einen kleinen Rückschlag dar. Da sein engster Verfolger Ryoyu Kobayashi (29) mit Rang sechs "nur" einen mittelmäßigen Platz belegte, sicherte sich der Slowene dennoch vorzeitig den Gesamtweltcup. Damit gelang ihm als erst zweitem Springer überhaupt der Gewinn der sogenannten „Big Five“ – den fünf wichtigsten Titeln im Skispringen.
Und das in Rekordzeit: Seine Erfolgsserie begann erst im letzten Winter mit dem WM-Einzeltitel in Trondheim. In dieser Saison folgten auf diesen Erfolg die Vierschanzentournee, Gold bei der Skiflug-WM, ein Olympiasieg und schließlich der Gewinn des Gesamtweltcups.