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100 Jahre nach den Nazi-Spielen? Söder bleibt zu Olympia 2036 in Deutschland optimistisch

Von Martin Moravec

München – Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender (59), zeigt sich trotz anderslautender Einschätzungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70) offen für Olympische Spiele 2036 in Deutschland.

„Ich habe großen Respekt vor dem Bundespräsidenten, verfolge jedoch eine andere Sichtweise. Für mich stellen die Olympischen Spiele 2036 in München eine historische Chance dar. Als Fest der Lebensfreude und des Zusammenhalts könnten sie einen bewussten Kontrapunkt zu Berlin 1936 bilden“, erklärte Söder im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung.

Sport verbinde Menschen und Nationen und sende gerade in der heutigen Zeit eine wichtige Botschaft aus. Deutschland solle sich in der Bewerbungsphase nicht voreilig selbst beschränken. Zudem sei bisher unklar, wie die Vergabepakete für die Spiele von 2036 bis 2044 genau strukturiert sein werden, ergänzte Söder.

Bundespräsident Steinmeier hingegen lehnt Olympia in Deutschland 2036 aus historischen Gründen ab: Genau 100 Jahre zuvor fanden die Sommerspiele im nationalsozialistischen Deutschland statt, das die Veranstaltung für Propagandazwecke missbrauchte.

Ein Sprecher aus dem Berliner Präsidialamt erklärte jüngst, Steinmeier halte das Jahr 2036 für „historisch problematisch“ hinsichtlich einer deutschen Bewerbung. Er hoffe jedoch, dass Deutschland die Spiele 2040 oder 2044 ausrichten könne.

Die Vergabe der Sommerspiele 2028 steht mit Los Angeles fest, 2032 wird Brisbane als Gastgeber fungieren. Für 2036 gelten asiatische Länder als vielversprechende Kandidaten; Indien und Katar haben bereits Interesse bekundet.

Söder äußerte sich auch kritisch zu Diskussionen über einen möglichen Boykott der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft: „Die Nationalmannschaft benötigt Rückhalt. Debatten über äußere Umstände wie bei der WM in Katar oder die Farbe der Kapitänsbinde spalten das Team und schwächen die Mannschaft. Das hilft niemandem“, so Söder. Die WM wird vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen.

Deshalb halte er es für wenig sinnvoll, jetzt eine Boykott-Debatte anzustoßen. Vielmehr sei es besser, durch Erfolge und eigene Stärke positive Impulse zu setzen, anstatt ständig als Moralapostel am Spielfeldrand zu stehen“, betonte Söder.