Deutscher Skisprung-Chef zeigt sich nach dramatischem Wettkampf wütend: „Uns wurde etwas genommen“
Predazzo (Italien) – Dieses Ende sorgt noch immer für Gesprächsstoff! Kurz vor dem Abschluss wurden im Super-Team-Wettbewerb der Olympischen Spiele die letzten drei Springer nicht mehr ins Rennen geschickt, da eine Schneefront über die Schanze zog. Deutschland verpasste dadurch das Podium um winzige 0,3 Punkte, obwohl deutlich mehr möglich gewesen wäre. Horst Hüttel (57), Sportdirektor des DSV, zeigte sich wenig verständnisvoll gegenüber der Entscheidung der Jury.
Nach dem Skisprung-Drama überwog für ihn die Frustration, erklärte der 57-Jährige im Eurosport-Interview: „Enttäuscht wäre ich, wenn die Athleten schlechte Leistungen gezeigt hätten. Aber jetzt bin ich wütend, weil man uns gefühlt etwas weggenommen hat.“
Im letzten Durchgang hatten Wind und Schneefall die Bedingungen immer weiter verschlechtert, doch Philipp Raimund (25) landete trotzdem einen herausragenden Sprung, der Deutschland auf Medaillenkurs brachte. Aufgrund des Abbruchs wurde der letzte Durchgang jedoch gestrichen und das Resultat nach dem zweiten Abschnitt gewertet – für den DSV ein bitteres Ergebnis.
Besonders die Umstände, unter denen der Wettkampf abgebrochen wurde, sind für Hüttel kaum nachvollziehbar.
„Wenn man nur um 0,3 Punkte an einer Medaille vorbeischrammt, gehört das zum Sport. Aber die Art und Weise, wie das ablief, ist einfach unfair. Das ist keine gute Wettkampforganisation“, kritisierte der Sportdirektor. Kurz nach der Unterbrechung zog die Schneefront nämlich bereits ab, und das Wetter wurde merklich besser.
„Es war sicher keine leichte Entscheidung, aber im Vorfeld hatten die Teams drei Apps erhalten, die alle eindeutig anzeigten, dass der Schneefall in zehn bis 15 Minuten aufhören würde“, schilderte Hüttel seine Sicht der Dinge. „Das wurde ignoriert, und das verstehe ich nicht. Dafür muss man uns erst einmal eine Erklärung geben. Wir betreiben eine Freiluftsportart, da sind solche Wetterkapriolen möglich.“
Darüber hinaus bemängelte der 57-Jährige, dass offenbar nicht alles unternommen wurde, um den Wettbewerb fortzusetzen. Während die Jury beriet, wurde kein Vorspringer eingesetzt, wodurch die Spur „natürlich“ an Qualität verlor.
Renndirektor Sandro Pertile (57) wies diese Anschuldigungen zurück: „Wir haben versucht, die Spur zu präparieren, aber sofort gemerkt, dass das Tempo auf der Bahn nachlässt. Der Unterschied war deutlich spürbar.“
Hüttel ließ diese Argumentation jedoch nicht gelten. Er wolle sich nicht im Nachhinein klüger darstellen, könne aber nicht nachvollziehen, warum die Jury nicht einfach zehn Minuten gewartet habe.
Der Funktionär äußerte sich kämpferisch: „Als Verantwortlicher für den Wettkampf muss ich sicherstellen, dass alle Beteiligten fair behandelt werden und man alle Möglichkeiten ausschöpft, gerade wenn man weiß, dass man nur alle vier Jahre an diesem Event teilnimmt.“
Mit lediglich einer Medaille bei den Skispringern reisen die Deutschen von den Olympischen Spielen ab – immerhin handelt es sich dabei um Gold, trotz des enttäuschenden vierten Platzes.