Er nahm einfach eine Abkürzung! Diskussion um Olympia-Silbermedaillengewinner
Tesero (Italien) – Für Aufsehen sorgt eine umstrittene Aktion: Der 23-jährige Franzose Mathis Desloges sicherte sich im Skiathlon bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille – doch während des Wettkampfs überschritt er deutlich die Regeln, indem er eine Abkürzung nahm. Eine Disqualifikation schien lange möglich.
Beim Skiathlon absolvieren die Athleten zuerst zehn Kilometer im klassischen Stil, anschließend weitere zehn Kilometer im Skating-Verfahren.
Im Skating-Abschnitt, als Desloges Teil der fünfköpfigen Führungsgruppe war, bog er jedoch an der falschen Stelle ab und bemerkte seinen Irrtum erst, als seine Mitstreiter erst an der nächsten Passage abbogen.
Statt zurückzukehren und sich wieder ins Feld einzureihen, entschied er sich kurzerhand für die verbotene Abkürzung durch die Streckenbegrenzungen, die sogenannten V-Boards!
Mit diesem unerlaubten Manöver sparte der 23-Jährige einige Meter und blieb trotz des Fehlers weiterhin an der Spitze. Im Ziel musste er sich lediglich dem mehrfachen Gewinner Johannes Høsflot Klæbo (29) geschlagen geben.
Bis zur Preisverleihung herrschte Spannung, denn die Jury beriet aufgrund des Regelverstoßes – eine Disqualifikation von Desloges stand im Raum.
Nach den Richtlinien des Weltverbandes FIS wird ein Langläufer nur dann disqualifiziert, wenn sein Vergehen das finale Ergebnis entscheidend beeinflusst.
Da Desloges die Abkürzung jedoch mehr als sechs Kilometer vor dem Ziel nahm, galt dies in dem direkten Duell als unwahrscheinlich – somit erhielt der Franzose lediglich eine Gelbe Karte und durfte seine Silbermedaille auf dem Podest entgegennehmen.
"Ich war vorne auf der Geraden und habe die Kurve zu eng genommen. Ich habe nicht nachgedacht", erklärte der U23-Weltmeister von 2024 im französischen Fernsehen und fügte hinzu: "Es hat mir keinen Vorteil gebracht. Das war ein Fehler, keine Absicht. Die Gelbe Karte ist gerechtfertigt."
Die Aktion bleibt jedoch nicht ohne Konsequenzen: Sollte Desloges eine weitere Gelbe Karte erhalten, droht ihm eine Disqualifikation für das betreffende Rennen sowie ein Startverbot im nachfolgenden Wettbewerb.
Angesichts seines ersten Podestplatzes auf Weltcup-Ebene, der zudem mit olympischem Silber gekrönt wurde, dürfte dies dem 23-Jährigen jedoch wenig ausmachen.