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Umbau der Skisprung-Schanzen – doch wie wirkungsvoll ist er? Vor Olympia wächst die Sorge

Predazzo (Italien) – Während der Olympia-Generalprobe im Skispringen erlitten mehrere Sportlerinnen auf den neuen Schanzen in Predazzo schwere Verletzungen. Daraufhin wurden die Anlagen umgestaltet, um das Risiko zu minimieren – der frühere Bundestrainer Werner Schuster (56) steht diesen Maßnahmen jedoch sehr skeptisch gegenüber.

„Seit rund zehn bis fünfzehn Jahren verfolgen wir beim Bau der Schanzen den falschen Ansatz. Die neuen Anlagen gleichen eher Fallgruben. In Predazzo wird man buchstäblich wie eine Kanonenkugel vom Schanzentisch katapultiert, und irgendwann landet eben auch die Kanonenkugel auf dem Boden“, bemängelte der Eurosport-Experte.

Insbesondere für Frauen, die ohnehin ein höheres Risiko für Kreuzbandverletzungen haben, stellt das eine ernsthafte Problematik dar. Die schweren Verletzungen von Eva Pinkelnig (37), Alexandria Loutitt (22) und Haruka Kasai (22) beim Sommer Grand Prix im September illustrierten dies deutlich.

Zwar reagierte der internationale Skiverband FIS prompt und ließ die Schanzen nach dem Vorfall umbauen, um die Sicherheit zu erhöhen. „Unsere Erfahrung zeigt jedoch: Alles, was im Nachhinein geglättet wird, ist nur ein Provisorium“, so Schuster.

Am kommenden Donnerstag beginnen in Predazzo die ersten Trainingseinheiten, bereits am Samstag steht der Wettbewerb auf der Normalschanze der Frauen auf dem Programm – spätestens dann wird sich zeigen, ob die Anpassungen an den Schanzen wirklich Wirkung zeigen.

Es blieb kaum Zeit für Tests, da die Anlage erst im Sommer, also deutlich später als ursprünglich geplant, fertiggestellt wurde. Nach den Umbauten fanden zudem keine internationalen Wettkämpfe mehr statt.

Auch bei Frauen-Bundestrainer Heinz Kuttin (55) hinterließen die Bilder vom Grand Prix im September einen bleibenden Eindruck. „Das hat uns sehr getroffen. Ich hoffe, dass diesmal alles einigermaßen reibungslos abläuft“, erklärte Kuttin gegenüber dem SID – seine Athletinnen schickt er daher keineswegs bedenkenlos auf die Schanze.

Der einzige Deutsche mit Erfahrung auf den umgebauten Olympia-Schanzen ist Andreas Wellinger (30), der seine Wettkampfpause vor Weihnachten nutzte, um bei den italienischen Meisterschaften in Predazzo an den Start zu gehen.

Sein Urteil klingt jedoch nicht ganz überzeugend: „Das Feedback war, dass sich das Profil nur minimal verändert hat, aber nicht wesentlich“, berichtete DSV-Sportdirektor Horst Hüttel (57).