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Warum es dieses Jahr kein zentrales Olympisches Dorf geben wird

Mailand/Cortina (Italien) – In der kommenden Woche beginnen endlich die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina. Doch in einem Punkt unterscheidet sich diese Ausgabe deutlich von früheren Spielen: Ein klassisches Olympisches Dorf wird es nicht geben.

Statt an einem einzigen Standort finden die Wettbewerbe in diesem Jahr verteilt in mehreren Regionen Norditaliens statt: Während die Eishockey- und Eisschnelllauf-Wettbewerbe in Mailand ausgetragen werden, treten die Skispringer im über 200 Kilometer entfernten Predazzo an.

Noch weiter entfernt liegt Antholz, wo die Biathleten ihre Rennen bestreiten – und das immerhin gemeinsam für Männer und Frauen, im Gegensatz zu den alpinen Skifahrern. Dort finden die Herrenwettkämpfe in Bormio statt, die Damen gehen hingegen in Cortina d’Ampezzo an den Start.

Obwohl die Orte nur etwa 135 Kilometer Luftlinie trennen, dauert die Fahrt aufgrund der Gebirgsstraßen zwischen den Austragungsorten mehr als fünf Stunden.

Aus diesem Grund gibt es keinen zentralen Treffpunkt, von dem aus alle Athletinnen und Athleten zu den insgesamt sieben Wettkampfstätten gelangen können. Stattdessen verfügt jeder Austragungsort über ein eigenes kleines Olympisches Dorf – weshalb der typische Geist der Spiele nicht überall gleichermaßen spürbar sein wird.

Die deutsche Biathletin Janina Hettich-Walz (29) äußerte gegenüber Eurosport gemischte Gefühle hinsichtlich der Spiele in Italien: „Ich denke, es wird eher wie eine Weltmeisterschaft sein, weil wir ja quasi an einem einzigen Ort sind, an dem nur die Biathleten versammelt sind.“

Sie freut sich zwar darüber, dass die Spiele wieder in Europa stattfinden, doch „das klassische Olympische Dorf, in dem alle Sportler miteinander leben, wird es diesmal nicht geben.“

Auch bei den alpinen Skifahrern stößt das Konzept auf wenig Begeisterung.

Federica Brignone (35), Italiens Lokalmatadorin, fand es bereits vor rund einem Jahr laut BR „seltsam“, nicht mit den Männern gemeinsam an einem Ort zu sein – schließlich sei dies bei Olympischen Spielen sonst immer üblich. Die DSV-Athletin Kira Weidle-Winkelmann (29) ergänzte: „Da beneide ich die Sommersportler, die ihr gemeinsames Olympisches Dorf haben.“

Der DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier äußerte sich ebenfalls kritisch zu dem dezentralen Austragungskonzept: „Ich glaube, das bricht dem olympischen Gedanken das Genick. Der Sport soll Menschen verbinden, nicht auseinanderreißen – deshalb unterstütze ich diese Idee nicht“, erklärte der 65-Jährige.

Janina Hettich-Walz ist jedoch zuversichtlich, dass trotz der Verteilung der Wettkämpfe das Thema Olympia allgegenwärtig sein wird und so ein Olympisches Gefühl entstehen kann – notfalls könne man die Wettbewerbe ja einfach im Fernsehen verfolgen.