Befreiender Olympiasieg in emotionalem Auf und Ab: „Mein Herz ist fast aus der Brust gesprungen“
Cortina (Italien) – Der Druck, der Mikaela Shiffrin (30) am Mittwoch in Cortina lastete, dürfte in ihrer Heimat in den USA noch spürbar gewesen sein. Die Ski-Ikone hat endlich ihren Olympiade-Fluch überwunden und sich die Goldmedaille im Slalom gesichert. Wie sie anschließend verriet, war es ein intensives Gefühlschaos, das sie durchlebte.
„Ich habe gewonnen“, schrieb die 30-Jährige am späten Abend in einem ausführlichen Instagram-Post. „Ich habe es trotz Angst, Adrenalin, möglicher Kritik und Gegenwind von Menschen geschafft, die wenig Ahnung haben und sich nicht bemühen, etwas zu verstehen.“
Nach der großen Enttäuschung ohne Medaille bei den Spielen in Peking 2022 und einem holprigen Start in Italien erlebte die erfolgreichste Weltcup-Skifahrerin aller Zeiten nun ihre wohlverdiente Erlösung. Ihre innere Anspannung vor dem Rennen machte Shiffrin dabei offen.
„Ich stand am Start, blickte auf den Berg und die Strecke, und mir ist fast das Herz aus der Brust gesprungen. Trotzdem habe ich beim Countdown Vollgas gegeben“, schilderte die Skirennläuferin.
In ihrem eindrucksvollen Beitrag berichtete die US-Amerikanerin auch von den Herausforderungen, die sie überwinden musste, um an diesen Punkt zu gelangen. Und die waren zahlreich.
Ihr Verlobter und Kollege Aleksander Aamodt Kilde (33) kämpfte sich nach einem schweren Sturz in den letzten Jahren zurück ins Leben und auf die Rennstrecke. Zudem erlitt ihr Vater im Februar 2020 einen tragischen Unfall zu Hause, an dessen Folgen er verstarb.
Im Moment ihres Triumphs gedachte sie deshalb auch ihres Vaters. „Ein Olympiasieg ist nicht derselbe, wenn man ihn nicht mit allen Menschen feiern kann, die man liebt“, erklärte Shiffrin im Interview mit dem ORF.
„Es fühlte sich an, als hinge mein Leben davon ab“, ergänzte sie. „Ich wollte die Energie, die ich beim Überqueren der Ziellinie spürte, an meine Familie weitergeben. Und natürlich auch einen Moment mit meinem Vater teilen.“
Danach ließ die Ski-Queen offenbar erst einmal die Anspannung hinter sich. Wie angekündigt, wurde im österreichischen Haus kräftig gefeiert und die Korken knallten.
Am Donnerstagmorgen verlangten der anstrengende Tag und die durchfeierte Nacht jedoch ihren Tribut. Zu einem Instagram-Foto, auf dem Shiffrin erschöpft mit der Goldmedaille quer auf ihrem Bett liegt, schrieb sie: „Im Moment passiert nicht viel.“