Er wählt deutliche Worte: Deutscher Ski-Profi kritisiert die Olympischen Spiele scharf
Bormio (Italien) – Linus Straßer (33), der vor einem Jahr noch WM-Bronze im Slalom gewonnen hatte, war bei den Olympischen Spielen in Italien bei keinem Rennen in der Medaillenvergabe beteiligt. Unabhängig von seinen sportlichen Ergebnissen hätte der 33-Jährige auf die Teilnahme an den Spielen sogar verzichten können.
Als er auf die Atmosphäre beim Slalom angesprochen wurde, bei dem er den neunten Platz belegte, entlud der einzige deutsche Podestplatzierte des Winters eine regelrechte Kritik.
„Ich sag dir, meine gesamte Familie ist mit Freunden angereist und sitzt irgendwo mittendrin. Schau dich mal um, die Tribünen, die Zuschauer sitzen da nur fünf Meter über dem Boden. Es gibt keinerlei Interaktion, keinen Kontakt zu den Zuschauern, das ist einfach ...“, klagte Straßer vor dem ZDF-Mikrofon.
Der Münchner ging sogar noch weiter: „Wenn das der Spaß am Leistungssport sein soll, bin ich froh, dass es für mich das letzte Mal war.“
Schon zuvor hatte Straßer sich sehr darüber geärgert, dass es ihm nicht erlaubt wurde, seinem Freund AJ Ginnis (31) – ganz in Ski-Tradition – nach dessen letztem Lauf im Zielbereich zu gratulieren.
„Ja, streng verboten, da muss man natürlich den strikten Vorschriften folgen“, kommentierte der 33-Jährige ironisch, als er nochmals auf diesen Vorfall angesprochen wurde.
Eigentlich wollte er gar nicht so viel kritisieren, schließlich sei Olympia etwas ganz Besonderes, jeder träume davon, Olympiasieger zu werden und eine Medaille zu gewinnen.
„Darum geht es aber nicht, sondern um das gesamte Event an sich“, erklärte Straßer weiter. „Wenn ich das mit meinen sonstigen Erfahrungen vergleiche, gibt es hier einfach zu wenig Emotionen, zu wenig Austausch mit den Zuschauern und Fans.“
Dabei sei genau das doch das Wesentliche, unterstrich der fünfmalige Weltcup-Gewinner: „Hier wirkt alles völlig steril. Ehrlich gesagt, darauf kann ich gut verzichten.“