Fiasko für Francesco Friedrich! Fünfter Olympiasieg steht kurz vor dem Aus
Cortina d'Ampezzo (Italien) – Ist der Traum von Francesco Friedrich (35) auf sein drittes Olympiagold im Zweierbob schon nach dem Auftakt in Cortina geplatzt? Nach zwei von insgesamt vier Läufen liegt der Pirnaer bereits 80 Hundertstelsekunden hinter Johannes Lochner (35) zurück. Normalerweise gilt der führende Berchtesgadener als sicherer Goldfavorit.
„Jetzt heißt es, schnell etwas essen, die Energiespeicher auffüllen und dann wieder volle Konzentration auf den Schlitten“, versuchte der Zweitplatzierte, die Situation sportlich zu betrachten. Mit einem angestrengten Lächeln versprach der 35-Jährige, „noch einmal alles zu geben“. Doch wie realistisch ist das noch?
„Der zweite Lauf von Adam Ammour machte deutlich, wie schnell man auf dieser Bahn 50 Hundertstelsekunden verlieren kann“, erläuterte Gerd Leopold (67).
Der Trainer von Friedrich zeigte zugleich die Schwachstelle bei Lochner auf: „Hansi war in der ersten Kurve nur wenige Zentimeter von der Bande entfernt. Wenn er dort zu eng fährt und anstößt, kann ihm das im Lauf eine Sekunde kosten.“
Die Strecke verzeiht im oberen Teil keine Fehler. Ein Missgeschick führt zu starkem Geschwindigkeitsverlust, und obwohl die Linie im weiteren Verlauf optimal gewählt wird, wächst der Rückstand unaufhaltsam, da das Profil des Eiskanals eher flach ist.
Das zeigte sich schon im ersten Durchgang. „Der Lauf ist mir richtig gut gelungen“, lachte Lochner im Ziel. Fast perfekt meisterte er die Kurven mit seinem Schlitten.
Leopold räumte ein: „Das war ein super Lauf. Allerdings kann ich mir nicht erklären, wie Franz diesen großen Rückstand einfahren konnte. Größere Fehler habe ich nicht bemerkt.“ Dennoch lag Friedrich da schon 48 Hundertstel zurück. Lochner kam mit 135,32 km/h ins Ziel, Friedrich hingegen erreichte nur 133,32 km/h.
Am Dienstag geht es weiter: Um 19 Uhr startet der dritte Lauf, und ab 21 Uhr folgt der vierte und entscheidende Durchgang. Dann steht fest, wer Olympiasieger wird.
Nur ein Wunder könnte noch dafür sorgen, dass nicht Lochner, sondern Friedrich ganz oben auf dem Podest steht. Der Rekordweltmeister wirkt etwas verkrampft und zeigte am ersten Tag deutlich, dass ihm die gewohnte Gelassenheit fehlt.
Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, dass der Druck jetzt etwas nachlässt ...