Nach dem Staffel-Drama verschwand sie still – nun meldet sich Preuß zu Wort
Antholz (Italien) – Nach dem dramatischen Staffellauf, bei dem sie erneut eine Strafrunde wegen Fehlschüssen im Stehendschießen absolvieren musste, verließ Franziska Preuß (31) sichtlich enttäuscht und mit Tränen in den Augen das Biathlon-Stadion in Antholz, ohne ein Wort zu sagen. Erst mehr als einen Tag später sammelt die amtierende Gesamtweltcupsiegerin wieder Kraft, um sich zu äußern – dabei bittet sie ihre Teamkolleginnen um Entschuldigung.
„Gestern war natürlich kein guter Tag, gerade bei einer Staffel tut so etwas besonders weh. Es tut mir unglaublich leid für die drei anderen Mädels und das ganze Team“, ließ Preuß in einem vom DSV verbreiteten Statement ausrichten.
„Die Stimmung war dementsprechend alles andere als gut, und man braucht einfach etwas Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten.“
Obwohl sie aufgrund von Nervenflattern beim finalen Schießen bereits von Platz zwei gestartet war, musste Preuß, die in Führung lag, trotz dreier Nachlader eine zusätzliche Strafrunde drehen. Dies katapultierte das DSV-Quartett, das neben ihr aus Julia Tannheimer (20), Janina Hettich-Walz (29) und Vanessa Voigt (28) bestand, fast aussichtslos nach hinten.
Ähnliches hatte sie bereits im Einzelrennen und in der Verfolgung erlebt: Jeweils zwei Fehlschüsse beim letzten Schießen kosteten ihr eine Medaille.
Auch in der Mixed-Staffel zum Olympia-Auftakt verfehlte sie viermal das Ziel und musste als Schlussläuferin in die Strafrunde. Glücklicherweise blieb dieser Fehler ohne Auswirkungen, denn Deutschland sicherte sich trotz allem Bronze.
„Man versucht immer wieder, etwas Neues, baut sich neu auf, und trotzdem ist es oft wie ein Blackout, wenn ich auf der Schießmatte stehe. Das ist natürlich nicht schön und tut weh“, erklärte die Verfolgungs-Weltmeisterin.
Eine endgültige Lösung für ihr Problem hat sie derzeit noch nicht gefunden. Doch vor dem letzten Olympia-Rennen ihrer Laufbahn gibt die 31-Jährige alles, um ihre Karriere in den Farben Deutschlands mit einem positiven Erlebnis abzuschließen.
„Ich versuche heute und morgen noch einmal, den Kopf frei zu bekommen, was hier nicht leicht ist, da es nur wenige Ablenkungsmöglichkeiten gibt“, sagte Preuß am Donnerstag. „Aber ich tue alles dafür, am Samstag wieder mit einem Lächeln am Start zu stehen und die Freude am Biathlon zurückzugewinnen.“
Der Massenstart ist ihre stärkste Disziplin, in keinem anderen Rennformat stand sie häufiger auf dem Podest. Zudem bietet er ihr die letzte Chance, sich einen großen Karrieretraum zu erfüllen – eine Einzelmedaille bei Olympia. Nach dieser Saison wird Preuß ihre Laufbahn beenden, möglicherweise wird sie aber schon nach dem Massenstart am Samstag ihre Karriere beenden und das Gewehr an den Nagel hängen.