Kopf ausschalten! Greift Francesco Friedrich im Viererbob jetzt nach Gold?
Cortina (Italien) – Mit einem leicht spöttischen, aber respektvollen Lächeln blickte Francesco Friedrich (35) zu Johannes Lochner (35), seinem Nachfolger als Olympiasieger im Zweierbob, und meinte: „Er hat einen Weg gefunden, uns abzuhängen.“ Doch im Viererbob will der Pirnaer „Hansi“ nun ordentlich Konkurrenz machen …
Am Dienstagabend blieb wenig Zeit, sich über die Silbermedaille zu freuen oder den beträchtlichen Rückstand von 1,34 Sekunden auf den Berchtesgadener genauer zu analysieren.
„Silber sieht wirklich klasse aus, das muss man anerkennen“, sagte Friedrich. „Wir sind zufrieden, denn das Ergebnis spiegelt unsere ganze Saison wider. Hansi hat es einfach verdient, er hat uns die ganze Saison über hinter sich gelassen.“
Für den Viererbob sei es nun „besonders wichtig“, dass seine Anschieber Matthias Sommer (34) und Felix Straub (28) ebenfalls „ein Stück vom Kuchen abbekommen“. „Wir werden richtig Gas geben und mindestens genauso stark fahren wie im Zweier.“
Dass der 35-Jährige am Sonntag mit einer weiteren Medaille – vielleicht sogar seinem fünften Olympia-Gold – zum erfolgreichsten Bobfahrer aller Zeiten aufsteigen könnte, steht für den Rekordweltmeister im Hintergrund.
Wie groß sind seine Chancen, im Viererbob, der Königsklasse, ganz oben zu landen? Zwei Weltcupsiege hat Friedrich mit seinem Team in dieser Saison bereits errungen. Im November belegte er bei der Generalprobe in Cortina hinter Lochner den zweiten Platz.
„Wir sind total motiviert. Ich glaube, wir wissen genau, was wir tun. Wir haben gut trainiert, und alle vier sind fit“, erklärte der Pilot.
Start und Material werden kaum den Unterschied machen – eher die mentale Stärke. Während Lochner in dieser Saison eine entspannte Leichtigkeit ausstrahlt, wirkt der ehemalige Dominator angespannt und nachdenklich.
Hat Friedrich in diesem Winter vielleicht zu viel gewollt? Das bessere Equipment lag diesmal bei seinem Rivalen. Lochner und Laura Nolte (27) setzen auf Kufen, die offenbar den Schlitten deutlich schneller machen. „Franz“ hingegen testete eine Eigenentwicklung und hatte diese Kufen nicht.
Dieser Nachteil scheint sich bei dem Perfektionisten auf seine Läufe im Eiskanal auszuwirken: In keinem Rennen gelang es Friedrich diesen Winter, eine perfekte Linie auf das Eis zu zeichnen. Nun bleiben ihm noch vier Chancen – zwei Läufe im Viererbob am Samstag und zwei weitere am Sonntag.