Friedrich schafft es nicht, das Biest zu bändigen: Lochner sichert sich sein erstes Gold!
Cortina – „Franz hat bereits viermal Olympiagold gewonnen. Alle gönnen es Hansi, und ich denke, auch Franz freut sich für ihn“, erklärte Bundestrainer René Spies noch vor dem letzten von vier Durchgängen im Zweierbob-Rennen um die Olympiagoldmedaille. In Cortina d’Ampezzo hatte Johannes „Hansi“ Lochner zu diesem Zeitpunkt bereits einen Vorsprung von 92 Hundertstelsekunden auf den zweitplatzierten Francesco Friedrich herausgefahren und musste gegen 21:48 Uhr lediglich noch eine saubere Fahrt ins Ziel bringen. Diese meisterte der beste Pilot der Spiele souverän und erfüllte sich damit seinen großen Traum.
Am Ende betrug der Abstand des Berchtesgadener Bobfahrers zum Pirnaer Friedrich beeindruckende 1,34 Sekunden – kaum zu glauben! Auf Rang drei landete der Gießener Adam Ammour (+1,82), womit wie bereits 2022 in Peking das Podest komplett von deutschen Athleten dominiert wurde. „Absolut verdient“, bestätigte Spies.
Bereits nach den ersten beiden Läufen am Vortag lag Lochner mit 80 Hundertsteln in Führung. Friedrich zeigte sich angesichts der Situation anerkennend: „Man trifft hier immer wieder unterschiedliche Passagen mal besser, mal schlechter“, so der 35-Jährige.
„Wir haben an allen Stellschrauben gedreht, doch Hansi hat noch eine extra Schraube gefunden. Irgendetwas macht er anders als wir, er beschleunigt kontinuierlich und wird immer schneller, egal wie er fährt.“
Auch am zweiten Tag ließ sich Lochner das Gold nicht mehr nehmen, obwohl der Bundestrainer vor dem letzten Lauf warnte: „Die Bahn ist ein echtes Biest.“ Das mag stimmen, doch der Bayer hat es geschafft, dieses Biest zu zähmen.
Den angekündigten Angriff Friedrichs konnte er damit frühzeitig unterbinden. Der Rekordweltmeister hatte nach den Niederlagen beim Weltcup-Finale in Altenberg noch gesagt: „Bei Olympia schlagen wir zurück. Das Imperium hat bisher immer reagiert.“
In Cortina blieb dieser Gegenschlag jedoch aus.
Nun richtet der Sachse seinen Fokus auf den Viererbob, wo er am Sonntag noch die Chance hat, olympische Geschichte zu schreiben.
Bislang schaffte es kein Pilot, fünf Goldmedaillen zu gewinnen. Deshalb gab sein Anschieber für den Zweier gleich eine klare Ansage: „Voller Angriff! Der Vierer ist ein komplett anderes Thema, da blicken wir optimistisch nach vorne.“