Steigender Druck auf den FCM nach Krawallen: Verlieren Sponsoren jetzt ihr Vertrauen?
Von Simon Kremer
Magdeburg – Nach den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende nimmt das Innenministerium von Sachsen-Anhalt den 1. FC Magdeburg immer stärker in die Pflicht.
Dem Verein werde dringend empfohlen, den gewaltbereiten Anhängern die Mitgliedschaft zu entziehen und sich eindeutig von diesen Fans zu distanzieren, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.
Die Polizeiinspektion Magdeburg bewertete das heutige Zweitligaspiel gegen Hannover 96 (18.30 Uhr/Sky) aufgrund der vorherigen Vorfälle als Risikospiel.
Inzwischen ziehen auch Sponsoren des Fußballclubs mögliche Konsequenzen aus den Krawallen in Betracht. „Wir lehnen jede Form von Gewalt im Stadion ab“, erklärte etwa Peter Lackner, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg und Mitglied im Aufsichtsrat des Vereins. Man prüfe auch eine Neubewertung des Sponsorings.
Die jüngsten Auseinandersetzungen am vergangenen Wochenende sorgten zudem erneut für Diskussionen darüber, ob Vereine oder die Deutsche Fußball Liga (DFL) an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligt werden sollten.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte dies nach dem Gewaltausbruch, bei dem rund 75 Polizisten verletzt wurden, gefordert.
Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im vergangenen Jahr rechtlich, dass Bundesländer zusätzliche Kosten bei Hochrisikospielen an die Fußballliga weiterreichen dürfen.
Innenministerin Tamara Zieschang (55, CDU) aus Sachsen-Anhalt lehnt diese Praxis jedoch ab. Mittelfristig plant das Bundesland, die Sicherheit bei Fußballspielen durch sogenannte Stadionallianzen zu verbessern.
Dabei handelt es sich um Kooperationen verschiedener Akteure rund um Fußballveranstaltungen, die darauf abzielen, die Sicherheit zu erhöhen und gleichzeitig den Polizeieinsatz zu verringern. Eine Sprecherin des Ministeriums wies jedoch darauf hin, dass die Umsetzung erfolgreicher Stadionallianzen in anderen Bundesländern etwa drei Jahre in Anspruch genommen habe.
Der 1. FC Magdeburg verurteilte die Vorfälle am Donnerstag scharf, erklärte jedoch, keine Maßnahmen zu ergreifen, bevor die Untersuchungen abgeschlossen seien.
Bereits am Mittwoch wurde ein erster Tatverdächtiger festgenommen. Gegen den 29-jährigen Mann wird unter anderem wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt.