Welthandballer Gidsel offenbart Zusammenbruch: „Saß allein in meiner Wohnung und habe geweint“
Von Jordan Raza
Berlin – Mathias Gidsel (27), der Welthandballer, spricht zum ersten Mal offen über besonders schwere Phasen in seinem Leben und die inneren Stimmen, die ihn begleiteten. Doch was verbirgt sich wirklich dahinter?
In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schilderte der Starspieler der Füchse Berlin eindrücklich, wie sehr ihn der plötzliche Ruhm nach seinem WM-Debüt 2021 belastete.
„Die halbe Nation verfolgte das Geschehen vor dem Fernseher, jeder kannte meinen Werdegang, jeder erwartete etwas von mir, und ich sagte überall zu. Eigentlich hätte es die schönste Zeit meines Lebens sein müssen. Doch irgendwann erlitt ich einen Zusammenbruch. Ich begann bereits um sieben Uhr abends schlafen zu gehen, saß allein in meiner Wohnung und habe geweint“, offenbarte der Olympiasieger, der damals als eine der großen WM-Entdeckungen galt.
Mittlerweile, fünf Jahre später, nimmt das Thema mentale Gesundheit einen hohen Stellenwert im Leben des Dänen ein.
„Viele rieten mir, mir Hilfe zu suchen, aber in den ersten ein bis zwei Monaten dachte ich immer noch: Lasst mich, das schaffe ich alleine. Doch schließlich habe ich doch Unterstützung angenommen – zum Glück“, erzählte Gidsel und fügte hinzu: „Ich habe einen Mentaltrainer, den ich jederzeit kontaktieren kann.“
Heute sei ihm bewusst, dass seine Denkweise sich von der der meisten anderen Spieler unterscheide.
„Für mich bedeutet Handball, rauszugehen und Spaß zu haben. Ich weiß, wenn ich guten Handball zeige, wird es schwer, mich und mein Team zu besiegen. Das Ergebnis selbst nehme ich dafür aber aus der Betrachtung heraus“, erklärte der Däne, der heute Abend um 19:30 Uhr mit der Nationalmannschaft ein Testspiel gegen Deutschland bestreitet.
Eine seiner mentalen Strategien auf dem Spielfeld ist der innere Dialog. „Da gibt es Stimme A, den Typen, der alles instinktiv macht und dem vieles leichtfällt. Und dann gibt es Stimme B, denjenigen, der alles hinterfragt, kommentiert und zweifelt und auch äußere Einflüsse wahrnimmt“, beschrieb Gidsel seine innere Zerrissenheit.
Dennoch habe er gelernt, Stimme B in den Hintergrund zu drängen.
„Ich muss Spaß haben, aggressiv sein und Energie zeigen. Diese Punkte überprüfe ich manchmal während des Spiels. Wenn ich merke, dass bei einem davon etwas nicht stimmt, muss ich etwas ändern“, erklärte Gidsel.