Handball-Profi nach Dopingverstoß erneut gesperrt – der Grund ist ungewöhnlich
Dresden – Es war ein besonderer Abend für Nils Kretschmer (33), der an den Ort seiner langjährigen Karriere zurückkehrte. Doch der Handballstar wird seinen letzten Besuch in Dresden wohl nicht in guter Erinnerung behalten. Nachdem er wegen eines Dopingvergehens bereits für drei Jahre gesperrt wurde, erhielt der Profi nun eine zusätzliche Sperre von einem weiteren Jahr – und das aus einem kuriosen Grund.
Am 14. Februar dieses Jahres nahm der frühere Rückraumspieler am Jubiläumsspiel des HC Elbflorenz teil, mit dem der Verein sein 20-jähriges Bestehen feierte. Dies führte dazu, dass die Handball-Bundesliga seine Sperre bis zum 11. Dezember 2028 verlängerte. Ursprünglich hätte die Sperre wegen Dopings bis zum 12. Dezember 2027 gegolten.
Der Verein erklärte gegenüber TAG24: „Die Veranstaltung war als ein Treffen ehemaliger Spieler verschiedener Generationen mit einem Fokus auf Tradition und Gemeinschaft konzipiert. Das Legendenspiel war Teil der Jubiläumsfeier und aus Sicht des HC Elbflorenz nicht mit einem regulären Wettkampf zu vergleichen. Dennoch respektiert der Verein die Bewertung und Entscheidung der zuständigen Behörden und bedauert die entstandene Situation, insbesondere für Nils Kretschmer persönlich.“
Im Dezember 2024 wurde Kretschmer bei seinem neuen Club TV Großwallstadt – zu dem er nach neun Jahren in Dresden im Sommer 2024 gewechselt war – positiv auf Testosteron getestet. Daraufhin erhielt er im März 2025 rückwirkend ab dem Zeitpunkt seiner Suspendierung eine dreijährige Sperre. Zusätzlich wurde er wegen des unerlaubten Gebrauchs und Erwerbs von Dopingmitteln zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt, außerdem wurde eine hohe Geldstrafe verhängt.
Der 33-Jährige erklärte später, dass er wegen einer Arthrose im vierten Stadium in beiden Knien Testosteron-Injektionen verabreicht habe, da ihm nahegelegt wurde, dass diese Substanz bei der Regeneration helfen könne.
Außerdem gab Kretschmer zu, dass er seine Karriere aufgrund der gesundheitlichen Probleme eigentlich bereits in Dresden hätte beenden müssen, dies aber erst nach der Entdeckung seines Dopings tat.
Zu Dresden hatte Kretschmer eine besondere Bindung, da er einen großen Teil seiner Handball-Laufbahn in der sächsischen Landeshauptstadt verbracht hatte.
Umso größer war die Freude für ihn, am Valentinstag 2026 beim Jubiläumsspiel dabei sein zu dürfen. Obwohl sein Mitwirken vorab öffentlich bekanntgegeben wurde, wurde er offenbar nicht darüber informiert, dass er das Spielfeld in der Ballsportarena Dresden nicht betreten durfte.
In Artikel 10.14.1 der Anti-Doping-Bestimmungen des Deutschen Handballbundes ist klar geregelt, dass eine gesperrte Person nicht an einer „sportlichen Aktivität“ eines Vereins teilnehmen darf, der dem Deutschen Handball-Bund angehört und dessen Richtlinien unterzeichnet hat.
Offenbar war diese Vorschrift weder Kretschmer noch dem Verein bekannt, und niemand hatte sie vorab erläutert.
Zum Zeitpunkt des Spiels hatte Kretschmer seine aktive Karriere bereits offiziell beendet.