Wie bereits 2015: Hamburger lehnen Olympia erneut ab – „Schmerzhafte Enttäuschung“
Von Claas Hennig, Markus Klemm, Martin Fischer, Felix Schröder und Madita Eggers
Hamburg – Noch bevor die Bewerbung richtig ins Rollen kam, ist Hamburg laut dem Bürgerentscheid aus dem Rennen um die deutsche Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Spiele ausgeschieden. Die Initiatoren einer Bewerbung scheiterten erneut, so wie schon 2015, an der Abstimmung.
Bereits vor Abschluss der Stimmenauszählung zeichnete sich ab, dass die Mehrheit gegen die Pläne war, die weltweiten Sportspiele 2036, 2040 oder 2044 an Alster und Elbe auszurichten.
Nach Angaben des Landeswahlleiters Oliver Rudolf wurden insgesamt 652.193 Stimmen abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent entspricht. Stimmberechtigt waren rund 1,3 Millionen Menschen ab 16 Jahren.
Der rot-grüne Senat unter der Führung von Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (60, SPD) erlebte somit ein ähnliches Fiasko wie bereits vor elf Jahren.
Damals hatten die Hamburger Bürgerinnen und Bürger ebenfalls gegen eine Bewerbung für die Spiele 2024 votiert, mit 51,6 Prozent Nein-Stimmen gegenüber 48,4 Prozent Zustimmung. Auch die Wahlbeteiligung lag mit 50,2 Prozent sogar etwas höher als jetzt.
Nach der Niederlage äußerte Bürgermeister Tschentscher unmittelbar, er bedauere die Entscheidung sehr, betonte jedoch: „Das Votum ist für den Senat verbindlich.“ Die Bewerbung Hamburgs für Olympia habe er bereits zurückgezogen. Auch Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (49, SPD) bezeichnete das Ergebnis als „eine herbe Enttäuschung“ und eine „verpasste Chance für unsere Stadt“.
Beide kündigten an, wichtige Vorhaben in den Bereichen Stadtentwicklung, Infrastruktur, Sport, Mobilität und Klimaschutz künftig auch ohne die Olympischen und Paralympischen Spiele mit Nachdruck umzusetzen.
Durch das Ergebnis ist Hamburg ausgeschlossen, im nationalen Wettbewerb gegen München, die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum sowie Berlin anzutreten.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird am 26. September entscheiden, welche Stadt als deutsche Kandidatin in die internationale Bewerbungsrunde geht.
Mit dem Ausscheiden Hamburgs bleiben dem DOSB noch drei Bewerber: München und die Rhein-Ruhr-Region, wo jeweils etwa zwei Drittel der Bevölkerung die Bewerbung unterstützen, sowie Berlin.
Berlin verzichtet aufgrund verfassungsrechtlicher Vorgaben auf ein Bürgerreferendum und entschied stattdessen am 21. Mai mehrheitlich im Abgeordnetenhaus, sich für Olympia zu bewerben.
Im Bürgerentscheid von Hamburgs vorgesehenem Partner Kiel am 19. April hatten sich 63,5 Prozent für eine Bewerbung der Stadt als Segelstandort für zukünftige deutsche Olympische Spiele ausgesprochen. Kiel hofft nun, auch bei den übrigen Bewerbern berücksichtigt zu werden.