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„Jetzt hilft kein Jammern mehr“: Veilchen sind zum Sieg verdammt

Aue – Beim Absturz durchläuft man meist vier emotionale Phasen: Hoffnung, Enttäuschung, Resignation und Selbstmitleid. Erzgebirge Aue befindet sich aktuell in den ersten beiden Stadien. Sowohl Spieler als auch Anhänger schwanken zwischen diesen Extremen hin und her. Um die dritte Stufe zu verhindern, ist ein Sieg am Dienstagabend bei 1860 München unerlässlich. Die Zeiten, in denen schon ein einziger Punkt weitergeholfen hat, sind vorbei.

„Auch wenn es nach einer Floskel klingt, haben wir noch zwölf verbleibende Spiele“, sagte Kapitän Martin Männel (37), der mit gemischten Gefühlen zwischen Frustration und Hoffnung pendelt. Der Rückstand auf den rettenden Platz beträgt „nur“ fünf Zähler, zumal Saarbrücken am Sonntagabend beim 2:2 in Schweinfurt patzte. Doch bei Aue muss endlich jeder nachvollziehen, welche Bedeutung die anstehende Partie hat.

Männel betont: „Bei einem Abstieg täuschen wir uns nichts vor. Viele Arbeitsplätze hängen davon ab. Die Strahlkraft des Vereins für die Region würde unterhalb der deutschlandweit bekannten 3. Liga stark leiden. Deshalb müssen wir alles daran setzen, den Status zu erhalten.“

Wer die Ernsthaftigkeit hinter diesen Worten wirklich spürt, ist der bald 38-Jährige selbst. Er verbringt fast sein halbes Leben im Lößnitztal, hat mit dem Verein Auf- und Abstiege erlebt.

„Solche kritischen Situationen kannten wir schon, egal ob in der 2. oder 3. Liga, und konnten sie meistern. Jetzt hilft kein Klagen, sondern nur harte Arbeit“, fordert Männel.

Im „Schacht“ gilt es nun, offen und ohne Schonung an die eigenen Schwächen heranzugehen, besonders in der Defensive. Auf die Frage nach möglichen personellen Konsequenzen antwortete der Kapitän: „Jetzt ist nicht die Zeit für Einzelkritik. Jeder gibt sein Bestes. Am Ende sind es oft kleine Momente, die jeder für sich besser lösen muss. Es geht nicht darum, jemanden öffentlich schlechtzumachen.“

Dass gerade in der Abwehr Veränderungen notwendig sind, dürfte spätestens nach der Niederlage gegen Osnabrück allen klar sein – unabhängig von Ausfällen wie denen von Erik Majetschak (26) und Anthony Barylla (28). Was am Samstag und schon in vorherigen Partien gezeigt wurde, erfüllt definitiv nicht Drittliganiveau.

Männel bringt es auf den Punkt: „Wir müssen nicht einzelne Spieler hervorheben! Fakt ist, wir brauchen mehr Stabilität in der Defensive. Der Gegner erzielt viel zu leicht Tore.“

Wenn Aue diesen Missstand nicht abstellt, droht der Abstieg in die Regionalliga. Zwar würde dies nicht das Ende des Profifußballs bedeuten, da viele Viertligisten aus dem Nordosten ebenfalls professionell arbeiten, doch wäre es ein herber Rückschlag für den langjährigen Zweitligisten. Nach dem Ende der Leonhardt-Ära vor fast dreieinhalb Jahren hatte man eigentlich geplant, vieles zu verbessern, wie damals aus den Vereinsgremien zu hören war.

Tabelle der 3. Liga

Die Bedeutung der Platzierungen in der 3. Liga ist folgende: Der Meister steigt direkt in die 2. Bundesliga auf. Auch der Zweitplatzierte steigt automatisch auf. Der Drittplatzierte spielt in den Aufstiegsspielen gegen den Drittletzten der 2. Bundesliga um den Verbleib oder Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse.