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Union Berlin Blog: Wir akzeptieren die Verzerrung im Wettbewerb

Berlin – Eisern: TAG24 präsentiert den Union Berlin Blog, betrieben in Personalunion von drei echten Berliner Fußballfans mit Herzblut.

Die Verfasser:

Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 70er Jahre Union-Mitglied und seit über drei Jahrzehnten als Betriebswirt im Vertrieb aktiv. Er ist verheiratet, Vater eines erwachsenen Kindes und lebt heute in Grünheide. Als Initiator dieses Blogs schreibt er hier regelmäßig.

Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit über 40 Jahren Unioner. Er arbeitet freiberuflich in den Bereichen Bühne, Rundfunk und Fernsehen und beteiligt sich auch dort schriftstellerisch.

Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesliga-Profi (Hansa Rostock, Energie Cottbus), früherer Manager bei Union, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus der Union-Jugend. Beecke ist Vater von zwei Kindern und berät den Union-Blog.

Icke: Die bereits stark aufgeblähte Weltmeisterschaft im Sommer 2026 hat negative Auswirkungen auf den Spielplan des 1. FC Union Berlin. Auch die Verantwortlichen beim DFB haben hier keine zufriedenstellende Lösung gefunden – nun haben wir das Ergebnis.

Am Samstag bestritten wir wie gewohnt unser Ligaspiel gegen Mainz. Bereits am Donnerstagabend müssen wir in Augsburg antreten, um dann nur 48 Stunden später am Sonntagnachmittag gegen den VfB Stuttgart zu spielen.

Drei Spiele binnen acht Tagen und kaum Erholungszeit – insbesondere zwischen Augsburg und Stuttgart. Dass wir darauf keinen Einspruch eingelegt haben, überrascht mich. Wahrscheinlich schätzen Dirk Zingler und Oskar Kosche die Chancen auf Erfolg als gering ein. Ich selbst hätte trotzdem protestiert, denn das ist eindeutig eine Wettbewerbsverzerrung, die nicht allen Teams gleichermaßen schadet. Doch nun ist es entschieden.

Wegen der Auswärtsspiele und der kurzen Erholungsphase erwarten viele nichts von uns. Zwei Niederlagen gelten als wahrscheinlich, aber gerade hier hoffen wir, für eine Überraschung zu sorgen – zumal Augsburg zuletzt eine deutliche Niederlage gegen Gladbach erlitt. Allerdings zählt Augsburg nicht zu unseren Lieblingsgegnern: Von 16 Begegnungen gewannen wir nur zwei – höchste Zeit, diese Statistik zu verbessern. Komplexe Situationen waren schon immer unsere Stärke.

Augsburg rangiert derzeit auf Platz 15, nur zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt und braucht dringend einen Sieg. Manuel Baum ist Interimscoach bis Juni 2026. Es rumort noch etwas beim FCA, und Baum wagt teils ungewöhnliche Entscheidungen, etwa Anton Kade, den Bruder eines ehemaligen Union-Spielers, als Mittelstürmer einzusetzen, oder Kevin Schlotterbeck in der Innenverteidigung zu testen. Das zeigt, dass Augsburg noch viel experimentiert. Das müssen wir ausnutzen.

Unsere Abwehr steht. Rechts sollte wieder Trimmel spielen, vorne darf Baumgart die Startelf stabilisieren. Ansah draußen zu lassen wäre fast schiefgegangen. Auch Schäfer ist aktuell formstärker als Kemlein. Deshalb könnte die Aufstellung gegen Augsburg so aussehen: Rönnow – Doekhi, Querfeld, Leite – Trimmel, Khedira, Schäfer, Köhn – Burke, Ilic, Ansah.

In Stuttgart wird es dann voraussichtlich einige Änderungen geben, da das Spiel in Augsburg nicht spurlos bleiben wird und die Zeit zur Erholung sehr knapp ist. Ich habe dennoch kein mulmiges Gefühl für die Partie gegen die Spitzenteams. Immer wenn wir gegen starke Gegner antreten, ziehen wir unser bestes Niveau ab. Wenn die Abwehr steht, braucht nur Ansah, Burke oder vielleicht sogar Ilic einen herausragenden Tag – dann nehmen wir auch in Stuttgart etwas mit.

Apropos Ilic: Zwischen Unionfux und mir entstand eine intensive Diskussion darüber, ob Ilic seinen Ball vor dem leeren Mainzer Tor hätte verwandeln müssen oder nicht. Ich bleibe dabei: ja. Unionfux meint, es sei komplizierter als gedacht. Eines steht jedoch fest: Kaum jemand ist so engagiert und aktiv auf dem Platz wie er, arbeitet auch defensiv stark mit und spielt intelligente Pässe, was acht Torvorlagen in Pflichtspielen eindrucksvoll belegen. Jetzt ist es an der Zeit, dass er auch selbst Tore erzielt.

Lieber Herr Baum und falls der Verein Ljubicic nicht verleihen kann … Sie verfügen aktuell über keinen effizienteren Stürmer als ihn. Zweimal wurde er eingewechselt und traf jedes Mal. Ein kleiner Hinweis, falls Sie mal wieder ein Tor brauchen! Eisern.

Unionfux: Union gegen die Tabellenschlusslichter ist ein eigenes Kapitel, vor allem Zuhause – und leider keines, das viele positive Beispiele bietet, die jeder kennt.

Das prognostizierte Schneesturmchaos blieb zum Glück aus, sodass die Bedingungen für das Januar-Spiel erträglich waren. Nicht zuletzt, weil wir es hier mit dem Tabellenletzten Mainz 05 zu tun hatten, die seit Dezember einen neuen Trainer, Urs Fischer, haben – für viele eine Rückkehr eines „Fußballgottes“.

Die Begegnung begann durchaus ordentlich. Khedira setzte sich auf Rechts stark durch, passte zu Debütant Burcu, der aber eine klare Chance vergab. Wir versuchten weiterhin das Spiel zu bestimmen, konnten aber wenig Gefährliches kreieren. Mainz kam nach einer guten Viertelstunde häufiger zu Chancen, die aber Rönnow sicher entschärfte.

In der 30. Minute nutzte Lee eine Lücke, Amiri traf technisch sicher. Kurz danach fast die Antwort durch Burcu, der knapp am Tor vorbeischoss. Bis zur Pause passierte wenig, wir hatten Probleme im Spielaufbau, schossen zu viele lange Bälle und hatten zu wenig Präzision und Ideen. Nach einer Ecke erhielt Burke eine Möglichkeit, die er nicht nutzte.

Die zweite Halbzeit verlief zäh, Chancen blieben Mangelware. Mainz erzielte das 2:0 durch Hollerbach, der am langen Pfosten ungehindert einschoss. Kurz danach verpasste Hollerbach sogar das 3:0 am Pfosten. Die Stimmung auf den Rängen war gedämpft. Wo sollen denn jetzt noch zwei Tore herkommen?

Doch dann bediente Ansah Köhn, der sauber auf den eingewechselten Jeong flankte. Dieser köpfte ein. Kurz darauf vergab Schäfer einen direkten Treffer, als er den Ball aus 25 Metern nur an die Latte setzte. Den Abpraller konnte Ilic nicht verwerten. Es ist erstaunlich, wie viel Pech der fleißige Serbe hat und er steht immer noch ohne eigenes Tor da.

Wir erhöhten den Druck und Köhn brachte einen exzellenten Freistoß vor das Tor, Doekhi köpfte an die Unterkante der Latte. Ljubicic sorgte mit einem Kopfball für das verdiente 3:3 – eine wichtige Geste. Wir versuchten weiter auf Sieg zu spielen, doch Ansahs Schuss wurde geblockt. In der kurzen Nachspielzeit blieb es beim Unentschieden.

Ein Punkt ist eigentlich zu wenig, doch angesichts des Spielverlaufs können wir mit der Schadensbegrenzung zufrieden sein. In der Schlussviertelstunde zeigten wir den nötigen Druck. Mainz ist besser, als ihr Tabellenplatz aussagt, und der Ball lief besser als bei uns. Spielerisch bleiben bei uns noch viele Fragezeichen, aber solange die Punkte stimmen, interessiert das kaum jemanden und das ist glücklicherweise der Fall.

Am Donnerstag geht es schon nach Augsburg, am Sonntag dann starten wir die Rückrunde in Stuttgart. Dort freut man sich über die Entwicklung von Leweling, den wir erst vor Kurzem für fünf Millionen abgaben. Wenn man bedenkt, dass Stuttgart ein 40-Millionen-Angebot aus der Premier League abgelehnt hat, ist das hart. Wir hoffen auf ein paar Millionen für Leite und Doekhi. Da läuft offenbar nicht alles optimal.

Eine weitere Neuigkeit: Wir stehen kurz vor einer Einigung mit dem 22-jährigen belgischen Innenverteidiger Zeno van den Bosch, der auch bei Gladbach im Gespräch war. Mit 1,91 Metern Körpergröße, als U21-Nationalspieler und Stammspieler bei Royal Antwerpen ist er eine interessante Option. Ob das auf Abgänge hindeutet oder eine Vorbereitung für den Sommer ist, bleibt abzuwarten.

Icke: Das Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz 05 am Samstag, den 10. Januar 2026, um 15:30 Uhr, wird aller Voraussicht nach stattfinden. Auch Christian Arbeit bestätigte uns dies auf Nachfrage.

Der Deutsche Wetterdienst hat die Schneewarnung zurückgezogen, und die prognostizierten Temperaturen von etwa minus 4 Grad rechtfertigen keine Spielverlegung. Die Schneemassen müssen jedoch noch geräumt werden – das übernehmen Union und einige Fans.

Mainz wird ein interessanter Gegner sein. Zum einen treffen wir auf Urs Fischer, unseren ehemaligen Trainer, zum anderen kommt Mainz als Tabellenletzter zu uns. Ein reines „Hinten-rein“-Spiel wird man von Mainz nicht erwarten können, sie müssen unbedingt gewinnen. Der Abstand zu den rettenden Plätzen 15 und 16 beträgt immerhin sechs beziehungsweise vier Punkte.

Fischer hat in Mainz bisher wenig verändert. Das Aufbauspiel mit Nebel, Amiri und Lee hat weiterhin Qualität und übertrifft unseres deutlich. Für den Sturm holte Fischer den robusten Tietz aus Augsburg, ob er oder U21-Nationalspieler Weiper startet, bleibt abzuwarten. Vorsicht ist vor beiden geboten.

Das Spiel wird auch von der traurigen Nachricht um den verstorbenen Andre Rolle geprägt sein. Viele werden ihm gedenken. Es wird eine Choreographie und eine Gedenkminute geben – ganz im Sinne des Vereins. Andre Rolle war ein Vorzeige-Unioner und verdient diese Ehrung in höchstem Maße. Sicher wird er das erste Spiel ohne ihn verfolgen.

Der 1. FC Union könnte mit einem Heimsieg seinen überraschend guten achten Tabellenplatz mit 21 Punkten festigen. Vorausgesetzt, Frankfurt verliert gegen Dortmund, könnten wir bis auf einen Punkt an sie heranrücken. Allerdings wollen wir nicht zu hoch fliegen, zumal Andre Rolle genau das immer abgelehnt hätte. Freuen wir uns auf ein schönes Spiel gegen unseren Ex-Trainer. Eisern!

Icke: Diese Nachricht hat mich heute umgehauen. Zuerst tief durchatmen, dann einen kleinen Black Label genießen. Andre Rolle, mein Freund, ist am Abend des 5. Januar 2026 friedlich im Krankenhaus Köpenick verstorben. Zum Glück konnte er sich zuvor von seinen Liebsten verabschieden.

Andre Rolle war eine großartige Persönlichkeit – ein vorbildlicher Mensch, Vater, Sohn, Unioner, Freund. Christian Beeck brachte es auf den Punkt, als er sagte: „So ein feiner Mensch“. 68 Jahre sind viel zu früh für einen Abschied. Im Sommer hatte er mir versprochen, mich endlich in meinem neuen Zuhause zu besuchen. Mehrfach hatten wir das vor, es kam immer etwas dazwischen.

Obwohl Andre krank war, schien sich seine Gesundheit zuletzt zu bessern. Die regelmäßigen Klinikbesuche sollten seltener werden. Umso schlimmer trifft uns dieser Verlust. Andre Rolle war ein echtes Union-Urgestein, immer offen und ehrlich in seinen Äußerungen, auch wenn nicht jeder damit einverstanden war – vielleicht gerade deshalb verband uns eine besondere Freundschaft. Besonders viel Spaß hatten wir bei der Organisation des FC User 04, einem Fan-Fußball-Spiel An der Alten Försterei mit allem Drum und Dran. Lieber Andre, wir werden Dich vermissen. Solche Menschen werden heute kaum noch geboren. Ich vermisse Dich sehr. EISERN.

Unionfux: André Rolle kannte ich, bevor ich ihn persönlich traf – zumindest durch seine sonore und angenehme Stimme, denn er war über viele Jahre der Stadionsprecher beim 1. FC Union in schwierigen Zeiten der 90er Jahre. Später fielen mir seine klugen und manchmal streitbaren Beiträge im Union-Forum auf. Umso mehr freute ich mich, als André mich kontaktierte und ein Treffen vorschlug.

Wir verstanden uns sofort, haben viele Treffen gehabt, die immer Highlights waren. Oft waren wir einer Meinung, wenn nicht, diskutierten wir leidenschaftlich – ich lernte viel von ihm. André war ein kluger und lebenskluger Mensch mit großem Herz, der sich auch gegen eigene Überzeugungen nicht verschloss. Er konnte legendär stur sein.

Zum Beispiel verweigerte er konsequent den Besuch im Jahn-Tierpark während der Aufstiegssaison in die Zweite Liga, weil er das Stadion dort für unwürdig hielt. Man konnte das verstehen oder nicht, aber man respektierte seinen starken Charakter und klare Prinzipien.

In den letzten Jahren ging es ihm gesundheitlich schlechter, doch er ertrug es tapfer. Seine Besuche in der Alten Försterei wurden seltener. Zuletzt telefonierten wir vor etwa zwei Monaten, er klang wie immer, war sich seiner Lage aber bewusst. Er wünschte sich, seine Enkel aufwachsen zu sehen. Das wird leider nicht mehr möglich sein. André Rolle war und bleibt ein großer Unioner und ein feiner Mensch. Er wird nicht nur mir fehlen, sondern allen, die ihn kannten und liebten. Gute Reise, André. Ich denke an Dich – traurig und dankbar zugleich, dass wir Freunde waren und sind.

Unionfux: Die Winterpause ist vorbei, auch wenn sie eher eine Weihnachtsunterbrechung war. Gestern begann das Training wieder, und in einer Woche geht es schon wieder um Punkte in der Alten Försterei gegen Mainz 05 – derzeit Tabellenletzter. Mainz hat mittlerweile Urs Fischer als neuen Trainer – ein „Fußballgott“, wie er lautstark begrüßt wurde.

Was bringt das neue Jahr für Union? Das kann man aktuell kaum absehen, aber eines ist sicher: Die Herausforderungen bleiben groß. Schon der Januar ist anspruchsvoll mit fünf Punktspielen in drei Wochen, davon zwei aus der Hinrunde (gegen Mainz und auswärts in Augsburg), dann das Rückspiel in Stuttgart, gefolgt von Borussia Dortmund und dem Gastspiel in Hoffenheim.

Das offene Transferfenster wird sicherlich Unruhe bringen, besonders in der Abwehr. Ein Abgang von Leite ist womöglich leichter zu kompensieren als der von Doekhi. Außerdem steht Ilic im Fokus, vielleicht kommt sogar noch ein weiterer Neuzugang. Verleihungen wie die von Ljubicic oder Ogbemudia (der gerade zum Drittligisten Waldhof Mannheim ausgeliehen wurde) sind eher von geringerer Bedeutung.

Die Frage bleibt: Können wir uns verstärken oder zumindest Abgänge kompensieren? Und wie schnell integrieren sich die Neuen? Der Wintertransfermarkt ist schwieriger als der im Sommer, zudem haben sich die Anforderungen durch Verschiebungen verschärft. Vielleicht sollte das Transferfenster auf Mitte Dezember bis Mitte Januar angepasst werden. Ein Transfer, der erst am 22. Spieltag wirksam wird, hilft kaum.

Unruhe kann zur Wettbewerbsverzerrung führen. Daher sollte das Fenster flexibel sein. Aber so wie es jetzt ist, müssen wir hoffen, dass die Transfers reibungslos verlaufen, uns überraschen lassen und auf Horst Heldt sowie Glück vertrauen.

Am Montag stehen Tests gegen Wismut Aue an, trainiert von Jens „Nischel“ Härtel, der in den turbulenten 90er Jahren auch eine wichtige Union-Figur war. Hoffentlich sind die Platzverhältnisse geeignet.

Die Rückkehr ins Training weckt schon ein leichtes Kribbeln, das mit dem Ziel des frühzeitigen Klassenerhalts noch steigen wird. Das Jahresende machte Lust auf mehr – Ende Januar wissen wir mehr.

Ich möchte unseren Lesern ein gutes Jahr 2026 wünschen, bleibt uns treu und hofft mit uns auf das Beste für Union. Es wäre schön, wenn wieder mehr Beständigkeit auf dem Platz herrscht und die Alte Försterei zur uneinnehmbaren Festung wird. Also tief Luft holen – es gibt viel zu tun, packen wir's an!

Icke: Wenn Leeds tatsächlich um Doekhi bemüht ist, stehen unsere Chancen schlecht. Der Trainer Farke plant in der Winterpause eine Umstellung auf eine Dreierkette. Nach dem 19. Spieltag steht Leeds auf Platz 16 und ist akut abstiegsgefährdet.

Eine Umstellung macht Sinn und stärkt die Defensive. Und was bietet sich besser an als der torgefährlichste Innenverteidiger Europas? Unser Vorteil: Wir wissen, dass sie ihn unbedingt wollen, können also eine höhere Ablöse erzielen. Wenn wir sechs Millionen für ihn erhalten, wäre das ein großer Erfolg – etwa eine Million pro verbleibendem Vertragsmonat.

Ähnliches gilt für Leite, für den bereits Angebote um sechs Millionen kursieren sollen. Sein Nachfolger steht mit Uduokhai bereits fest. Vielleicht gelingt uns sogar ein kleines Transferplus.

Die Wintertransferphase endet am 3. Februar. Da Punktspiele bereits laufen, ist die Lage in der Abwehr angespannt. Ein kaum zu vermeidendes Chaos droht, das auch das zentrale Mittelfeld blockiert. Ein weiterer Abgang dort ist unwahrscheinlich, da Kral eventuell als Innenverteidiger gebraucht wird, sofern Leite und Doekhi gehen. Ich persönlich kann mir das aber kaum vorstellen.

Im Sturm hält sich hartnäckig das Gerücht um Maina, das ich für völlig unsinnig halte. Wir brauchen kein Trio aus schnellen, aber fußballerisch limitierten Sprintern. Auch die Gerüchte um einen Wechsel von Ilic nach Glasgow oder Burnley sind unrealistisch, es sei denn, wir haben einen neuen Stürmerplan. Ebenso macht ein angeblicher Transfer von Dennis aus der Türkei für das defensive Mittelfeld keinen Sinn, es sei denn, Baumgart plant, Doekhi durch Khedira zu ersetzen – eine gewagte These.

Warum die Gerüchte sich immer wieder um Traore und Lazaro drehen, bleibt mir schleierhaft. Mit Trimmel, Juranovic und Skov haben wir drei Nationalspieler für die rechte Außenbahn – das wäre Wahnsinn. Jeremiah St. Juste, bei Sporting Lissabon weitgehend unsichtbar, könnte als günstige Ergänzung für die Innenverteidigung dienen. Der Plan von Sporting, mit ihm nochmal Geld zu verdienen, ist bisher gescheitert.

Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Die guten Leistungen von Leite und vor allem Doekhi erschweren momentan vieles.

Allen Unionern und Sympathisanten wünsche ich ein gesundes neues Jahr! Eisern.

Icke: Heinz Werner, die erste Trainerlegende von Union, wird am 27. Dezember 90 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Er prägte 1977 im Trainingslager am Rennsteig (Thüringen) den Satz: „Wenn ihr nicht so gut Fußball spielen könnt wie die anderen, müsst ihr wenigstens besser laufen.“

Werner trainierte Union nach diesem Motto – mit Erfolg: Beide Spiele gegen den damals übermächtigen Stasi-Klub gewannen wir 1:0 und hielten die Klasse.

Eine Legende erzählt, dass der Stasi-Stürmer Riediger nach dem Derby stundenlang seinen Schuh suchte – denn Potti Matthies hatte ihn bei einem Volley weggekickt und die Gelbe Karte dafür mit einem Lächeln akzeptiert. Werner beobachtete das mit einem süffisanten Grinsen.

Wer das erlebt hat, wird kaum kein Unioner mehr werden. Noch immer gilt Werners Spruch für die heutige Saison 2025: Auch wenn wir Bundesliga spielen und nicht Oberliga, muss man laufen können. Zum Glück gibt es den Stasi-Klub nur noch in Mini-Version.

In jenem Trainingslager ließ Werner den Kader in Magath-Manier rotieren, was die Empathie der Spieler ihm gegenüber auf ein Minimum sinken ließ. Doch Werner wusste sich zu helfen und lud die Spielerfrauen ein – plötzlich war der Teamgeist wieder da.

Werner war nicht nur ein harter Hund, sondern auch einfühlsam und blieb Union verbunden. Er nimmt heute noch an Mitgliederversammlungen als Ehrenmitglied teil. Und er legte sich auch gerne mal mit den Genossen an – passt perfekt zu Union.

Werner war ein echtes Multitalent, spielte selbst bei Lok Stendal, Traktor und Motor Schwerin, und trainierte unter anderem Schwerin, Greifswald, Hansa Rostock, Union, Stahl Brandenburg, Karl-Marx-Stadt, MSV Duisburg, FC Matsunichi und Elektronic Guangzhou (China) sowie Zwickau.

Er überstand den Zweiten Weltkrieg, Hunger und politische Systeme. Seine Lebensgeschichte ist beeindruckend. Ein echter Charakterkopf, stets „kerzengerade, erfolgreich und eisern“!

Unionfux: Das wichtigste Tor des Jahres schoss Schäfer in Köln, als er mit einem satten Direktabschluss in der 91. Minute den 1:0-Sieg für Union erzielte. Die Sportsbar „Paris Rom Erkner“, wo wir das Spiel verfolgten, explodierte vor Freude – so ein Moment war dort neu.

Die erste Halbzeit war eher zum Vergessen. Wie so oft, war unser Fußball geprägt von harter, aber nicht schöner Defensive. Erst in der zweiten Halbzeit wurde das Spiel etwas spannender, wenn auch nicht spielerisch besser.

Abgesehen von Schäfers Tor hatten wir nur wenige Chancen, etwa Querfelds Kopfball an den Pfosten in der 66. Minute. Köln agierte offensiv kaum gefährlich.

Der Sieg gelang vor allem durch die Steigerung in den letzten 20 Minuten, als wir mehr Druck machten. Köln brachte zwar El Mala, konnte den neuen Star aber nicht in Szene setzen.

In der 82. Minute hielt Van den Berg bei einem Konter den Ball mit der Hand. Das war klar Rot, aber Schiedsrichter Dingert und der VAR pfiffen nicht. Dieser grobe Fehler war ärgerlich.

In der 85. Minute wurde ein klares Handspiel von Kaminski nicht geahndet, und drei Minuten später entschied Dingert, ein weiteres Handspiel von Martel am Oberarm zur Schulter umzudeuten – eine absurde Fehlentscheidung.

Deshalb war Schäfers Tor in der Nachspielzeit so wichtig. Wir stehen nun bei 21 Punkten und führen das Mittelfeld der Bundesliga an. Das Team hat mehr erreicht, als viele erwartet hatten. Nein, wir träumen nicht von Europa, sondern wollen einen ruhigen Klassenerhalt. Das wäre Saison Nummer sieben in der Bundesliga. Frohe Weihnachten und ein kräftiges Eisern Union!