Union-Anhänger richten sich gegen Emre Can: „Ob das immer alles ladylike ist?“
Berlin – Emre Can (32) sorgte an der Alten Försterei nicht gerade für Sympathiepunkte. Ganz entspannt verwandelte der BVB-Kapitän den Elfmeter zum frühen 1:0. Auch im weiteren Verlauf des 3:0-Siegs gegen Union Berlin nahm der Dortmunder Führungsspieler eine Vorreiterrolle ein und steckte in jedem Zweikampf voller Einsatz. Doch in der 59. Minute eskalierte die Situation.
Andreij Ilic (25) foulte zunächst und provozierte anschließend eine Rudelbildung, indem er Janik Haberer (31) von hinten anstieß, wobei er auch nach dem Pfiff weiter lautstark protestierte und sich mit dem Schiedsrichter auseinandersetzte. Ab diesem Zeitpunkt wurde Can bei den Union-Fans zur Zielscheibe.
Der Dortmund-Kapitän wurde beleidigt, unter anderem als „Hurensohn“ beschimpft. Um eine mögliche Gelb-Rot-Rote Karte zu vermeiden, nahm Niko Kovac (54) den Spieler wenig später vom Feld – doch auch bei der Auswechslung hörte das Grölen und Pöbeln nicht auf.
„Ich finde es nicht so gut, dass unsere Fans, obwohl sie eine super Stimmung machen, dann doch ein, zwei Sprüche loslassen, die für mich einfach zu weit gehen“, äußerte sich Ilyas Ansah (21), der sich viele Duelle mit dem deutschen Nationalspieler lieferte.
Auf Nachfrage zum Nebenkriegsschauplatz wollte Steffen Baumgart (54) während der Pressekonferenz das Thema nicht überbewerten: „Wenn ich auf alles reagieren würde, was von den Tribünen kommt, dann… Das ist Fußball, das sind Emotionen. Ob das immer richtig ist oder ob das immer ladylike abläuft, keine Ahnung. Aber damit habe ich nichts zu tun.“
Für den Cheftrainer war die Sache mit der Verwarnung erledigt. Dennoch ging der Konflikt auch nach dem Schlusspfiff weiter.
Der BVB veröffentlichte nach dem Spiel ein Sieger-Selfie mit dem Kommentar: „POV: Deine Gäste zum 60. Geburtstag stehen vor der Tür.“ Damit spielten die Dortmunder auf Unions 60-jähriges Jubiläum an. Zu sehen sind darauf die Torschützen Maximilian Beier (23), Nico Schlotterbeck (26) und Emre Can.
Union reagierte gelassen und setzte Can mit einem kleinen Seitenhieb zu. „Nur für geladene Gäste“, schrieb die Mannschaft der Eisernen mit einem Smiley und schnitt kurzerhand Can aus dem Bild heraus.
Can selbst dürfte darüber hinwegsehen können. Viel wichtiger waren für ihn die drei Punkte an der Alten Försterei.
„Das sind Emotionen. So etwas sollte eigentlich nicht passieren, aber es kommt einfach hoch“, erklärte der BVB-Star bei Sky zu der von ihm ausgelösten Rudelbildung. „Mit allem Respekt vor dem Schiedsrichter fand ich die Entscheidungen etwas einseitig. Ich weiß nicht mal, ob Union überhaupt eine Gelbe Karte bekommen hat. Die Gelbe Karte für mich war verdient, aber ich hätte mir gewünscht, dass auch andere Verwarnungen ausgesprochen worden wären.“