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Union Berlin: VAR als ausgleichendes Unrecht?

Berlin – Nach der deutlichen 1:4-Heimniederlage von Union Berlin gegen Werder Bremen kochten die Emotionen hoch. Grund dafür war erneut eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung.

In der 19. Minute zog der Unparteiische Timo Gerach (39) für viele unerwartet die Rote Karte und schickte Andras Schäfer (26) wegen eines groben Foulspiels vom Feld – eine Einschätzung, die bei den Eisernen für große Verärgerung sorgte.

„Liegt der Tritt über dem Knöchel oder nicht? Wenn nicht, dann ist das keine Rote Karte“, kommentierte Rani Khedira (32) die spielentscheidende Szene im Interview mit DAZN. „Wenn dem so ist, handelt es sich um eine Fehlentscheidung. Warum diese nicht korrigiert wurde, sollten wir besser jemand anderen fragen“, äußerte er sich deutlich.

In der Zeitlupe war gut zu erkennen, dass Schäfer dem Gegenspieler Jens Stage (29) auf den Spann trat. Dennoch griff der VAR nicht ein. Auch Khedira zeigte sich darüber verwundert: „Im Spiel sagte er, es sei klar oberhalb des Knöchels – das wurde wohl überprüft. Aber was die dann im Kölner Keller gesehen haben, verstehe ich nicht.“

Horst Heldt (56) bezeichnete die Rote Karte als „Schlüssel“ zur Niederlage und empfand sie ebenfalls als „zu hart“. „Für mich ist das eine Gelbe Karte, weil der Tritt nicht oberhalb des Knöchels erfolgt, sondern eine Bewegung in Richtung Fuß ist“, war sich auch Trainer Steffen Baumgart (54) sicher.

Stage wollte die Situation nach der Partie nicht bewerten: „Ich bin Fußballer, kein Schiedsrichter, das kann ich nicht beurteilen. Ich wurde getroffen, es tut weh, aber die Entscheidung liegt nicht bei mir“, erklärte der Däne.

Man könnte in diesem Fall vielleicht von einer Art ausgleichendem Unrecht sprechen, denn nur wenige Minuten zuvor wurde auf der anderen Seite eine ebenso kontroverse Entscheidung getroffen, die im Nachgang jedoch kaum Beachtung fand – vermutlich, weil Bremen am Ende als Sieger vom Platz ging.

Beim Foul von Niklas Stark (30) an Ilyas Ansah (21) war in Zeitlupe zu sehen, dass der Bremer Verteidiger den Haltegriff am Union-Stürmer vor dem Strafraum lockerte und Ansah sich erst danach im Strafraum zu Boden fallen ließ.

Schiedsrichter Gerach zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt, und erneut griff der VAR nicht ein, um diese Entscheidung zu revidieren. In solchen Fällen stellt sich die Frage, ob der Videobeweis nicht besser abgeschafft oder schlichtweg deaktiviert werden sollte – so wie es angeblich einige Fans von Preußen Münster im Spiel gegen Hertha BSC getan haben sollen.

Von ausgleichender Ungerechtigkeit zu sprechen, wäre dennoch nicht angebracht, denn in Unterzahl über rund 80 Minuten spielen zu müssen, wiegt deutlich schwerer als ein Gegentor nach einem zumindest fragwürdigen Elfmeter. Dennoch hat der SC Freiburg vor wenigen Wochen gezeigt, dass auch mit einem Spieler weniger ein 1:0-Vorsprung über die Zeit gebracht werden kann – im Gegensatz zu Union gegen Werder.

Besonders bitter für die Köpenicker war zudem, dass die Gäste kurz vor der Pause mit zwei Toren nach Eckbällen das Spiel drehten. „Das ist natürlich sehr enttäuschend“, kritisierte Heldt die Gegentore nach Standards, „die man auch in Unterzahl hätte verteidigen können.“

Tabelle der 1. Bundesliga

Die Tabelle der Bundesliga hat folgende Bedeutung: Derjenige, der am Saisonende den ersten Platz belegt, wird Deutscher Meister. Die Plätze 17 und 18 bedeuten den Abstieg in die 2. Bundesliga. Der Drittletzte (Rang 16) darf in den Relegationsspielen um den Klassenerhalt kämpfen, wobei der Gegner der Drittplatzierte der 2. Bundesliga ist.