Union-Berlin-Blog: Wie positioniert sich Union künftig?
Berlin – Bei TAG24 betreiben drei echte Berliner Fußballenthusiasten gemeinsam den Union-Berlin-Blog.
Das Team besteht aus:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 70er Jahre Union-Fan und arbeitet als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb. Er ist verheiratet, hat ein erwachsenes Kind und lebt aktuell in Grünheide. Als Gründer des Blogs berichtet er hier.
Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit mehr als 40 Jahren Union-Anhänger. Er ist freiberuflich in Theater, Radio und Fernsehen tätig und verfasst auch dort Texte.
Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesliga-Profi (Hansa Rostock, Cottbus), früherer Union-Manager und mit 21 Länderspielen für DDR-Junioren ausgestattet, entstammt dem eigenen Union-Nachwuchs. Beecke hat zwei Kinder und berät unseren Union-Blog.
Icke: Im Gegensatz zu anderen Bundesligisten herrscht beim 1. FC Union bislang auf dem Transfermarkt Ruhe. Was steht aktuell fest? Stein, Doekhi, Leite und Kral verlassen den Verein. Die Nachwuchsspieler Prosche, Gray und Blaszczak erhielten Profiverträge und steigen auf. Die ausgeliehenen Ljubicic, Ogbemudia, Bedia und Benes kehren zurück, wobei für Ljubicic, Bedia und Benes wohl neue Vereine gesucht werden. Ogbemudia wird voraussichtlich bleiben und vermutlich eine Führungsrolle in unserer neuen U21 übernehmen. Das sind die Fakten.
Es kursieren konkrete Gerüchte zu den Neuzugängen Friedrich, Nsoki und van den Bosch. Offiziell bestätigt wurden sie jedoch noch nicht, weshalb die Verträge wohl noch nicht unterschrieben sind oder vertragliche Bedingungen (wie Vorverträge) noch nicht erfüllt wurden.
Oder ... der neue Trainer hat erkannt, dass wir mehr Qualität und erfahrene Führungsspieler brauchen, um nicht erneut eine nervenaufreibende Saison zu erleben. Das Experiment, Rothe als linken Innenverteidiger einzusetzen, scheint zum Glück vorbei zu sein. Nicht zuletzt, da er zuletzt wieder auf der linken Außenbahn spielte und dort gute Leistungen zeigte. Ich denke, dass wir Nsoki als Backup verpflichten, versuchen aber noch die Ablöse zu drücken.
Als Stammkraft in der linken Innenverteidigung stünde Kevin Schlotterbeck zur Verfügung, ein Spieler, der schon einmal erfolgreich bei uns war. Sollte kein Transfer erfolgen, müsste es hierfür gute Erklärungen geben. Querfeld, Schlotterbeck, Friedrich, van den Bosch und Nsoki würden dann um zwei Positionen im Innenverteidigerzentrum konkurrieren. Ogbemudia würde in die U21 wechseln. Notfalls könnten wir mit fünf Innenverteidigern auch wieder auf eine Dreierkette umstellen, falls es nötig wird.
Im Angriff? Bedia wird nach seiner erfolgreichen Leihe wohl leicht einen neuen Verein finden. Die Young Boys haben die Kaufoption über 2,5 Millionen Euro noch nicht gezogen. Auch Ljubicic und Benes werden wegen ihrer Historie bei uns voraussichtlich nicht zum Kader gehören, es sei denn, Lustrinelli sieht Potenzial, das er fördern kann – was wir nicht ausschließen wollen und sehr begrüßen würden.
Außerdem ist Ducksch nach seinem Aufenthalt auf den Inseln wieder verfügbar. Angeblich kostet der gerade 32-Jährige nur eine Ablöse von einer Million Euro. Wer bei diesem deutschen Nationalspieler nicht zugreift, verpasst eine Chance. Seine Stärken - Technik, Standardsituationen, Einsatz auf mehreren Positionen, Torgefahr und Vorlagen - sind nach wie vor vorhanden. Der Rest hängt von der Fitness ab, die der Verein mit beeinflussen kann.
Einige Bundesligisten denken offenbar auch an den Magdeburger Zukowski. Mit 20 Torbeteiligungen in 21 Spielen, davon 17 Treffer, sind das deutliche Zahlen. Sollte Zukowski nicht zünden, könnte er auch als rechter Verteidiger eingesetzt werden, seiner ursprünglichen Position. Die Magdeburger erwarten jedoch eine Ablöse von rund 8 Millionen Euro, ähnlich der Summe, die Frankfurt vor einem Jahr für Ebnoutalib zahlte. Das wäre für uns zu viel. Bei der Hälfte des Betrags würden wir intensiv über eine Verpflichtung nachdenken.
Parallel bereiten wir die neue U21 vor. Bogdanov, Markgraf und Preu bilden das Gerüst aus dem Profikader. Die neuen Profis aus der A-Jugend – Prosche, Blaszczak und Gray – kommen dazu, ebenso das Talent Güther. Rückkehrer Ogbemudia wird eine wichtige Rolle übernehmen.
Es wäre sinnvoll, wenn sich Klaus, die Nummer drei im Profikader, mit Welsand, mutmaßlich Nummer zwei der A-Jugend (der bereits bei DFB-Lehrgängen teilnahm), abwechselt. Der U17-Nationaltorwart Gagzow wird vermutlich die Nummer eins bei der A-Jugend sein.
Das ist ein vielversprechendes, vielleicht sogar sehr talentiertes Fundament für unsere U21. Bis zu vier (auch ältere) Profis dürfen zudem in der U21 Spielpraxis sammeln. Der restliche Kader wird mit Jugendspielern ergänzt.
Unionfux: Die Bundesliga-Saison 2025/26 ist nun tatsächlich Geschichte. Die abschließende Relegation liegt hinter uns. Überraschend musste der VfL Wolfsburg, vollständig im Besitz der Volkswagen AG, gemeinsam mit Heidenheim und St. Pauli in die zweite Liga absteigen – nach 29 Jahren Erstklassigkeit.
Der SC Paderborn ist erst der vierte Zweitligist in den 18 Jahren der Relegation, der es geschafft hat, einen Bundesligisten zu verdrängen – der erste seit 2019, als wir den VfB Stuttgart in zwei Spielen besiegten. Betrachtet man den Wolfsburger Kader mit Spielern wie Grabara, Amoura, Majer, Koulierakis, Wimmer, Arnold und Christian Eriksen, ist das überraschend – zumal im Sommer kein großer Umbruch stattfand und über 60 Millionen Euro in Neuzugänge investiert wurden.
Trotz der sechs Punkte, die Wolfsburg gegen uns holte, reichten diese nur für die Relegationsqualifikation, nicht aber zum Klassenerhalt. Mit Paderborn steigt nun nach Elversberg die zweite „kleine“ Mannschaft auf, die von der Schwäche anderer Profis profitiert – ähnlich wie wir damals vom HSV. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Underdogs in der ersten Liga schlagen werden – auch wenn sie dort erstmal Außenseiter bleiben.
Im Rückspiel in Wolfsburg begann der Favorit stark und ging nach nur zwei Minuten durch Pejcinovic in Führung. Doch Däne Maehle erhielt innerhalb von zwei Minuten zwei Gelbe Karten und musste vorzeitig vom Platz. Wolfsburg konnte trotz Führung den Schock nicht verarbeiten, zog sich weit zurück und zeigte kaum noch Offensivaktionen. Paderborn gelang der Ausgleich noch vor der Pause.
In der zweiten Hälfte drückte Paderborn weiter. Kurz vor Schluss traf Michel – den viele von Union noch gut kennen – mit einem Kopfball den Pfosten. In der Verlängerung erzielte Paderborn nach 100 Minuten das Siegtor durch eine Flanke von Michel. Am Ende standen 19:2 Ecken und 39:8 Torschüsse für Paderborn. Wolfsburg versuchte in den letzten 20 Minuten mit frischen Stürmern noch Chancen zu kreieren, konnte den Abstieg aber nicht verhindern, der hochverdient war.
Gratulation an Paderborn und an Sven Michel, der im Herbst seiner Karriere nochmal Bundesliga spielen wird – eine unerwartete Chance. Wolfsburg schaffte es nicht, sich nach einer insgesamt mäßigen Saison aufzurappeln und ihre individuelle Klasse auf den Platz zu bringen. Trotz erfahrener Profis fehlte Mut und Durchsetzungsvermögen.
Einige Zweitligisten, darunter auch Hertha, werden sich ärgern, dass ein etablierter Bundesligist um die Aufstiegsplätze mitspielt. Die glanzvollen Jahre in Wolfsburg sind vermutlich vorbei, auch weil Volkswagen möglicherweise nicht mehr so viel Geld wie früher zur Verfügung stellt.
Umso wertvoller ist unser erneuter Klassenerhalt – trotz einer über weite Strecken mäßigen Saison. Wir waren nie ernsthaft abstiegsgefährdet und führen den Relegationsplatz mit einem Vorsprung von 10 Punkten deutlich an. Außerdem macht es Spaß, ein Spiel mit einer gewissen Bedeutung für uns zu sehen, das wir entspannt angehen können.
Jetzt bleibt genug Zeit, um auf die kommende Saison zu blicken und sich auf Mauro Lustrinelli und seine neuen Ideen zu freuen. Hoffentlich hat er auch einen Plan B, falls seine Konzepte nicht sofort funktionieren, denn die Bundesliga ist eine andere Herausforderung als die Schweizer Super League.
Dass es bislang keine bestätigten Neuzugänge gibt, sondern nur Gerüchte – etwa um Marvin Friedrich, Zeno van den Bosch und Stanley Nsoki – sollte nicht beunruhigen. Die nächsten drei Monate sind traditionell eine ruhige Zeit, zumindest für diejenigen, die mit der WM eher wenig anfangen können. Es bleibt spannend, wie es mit unseren Leihspielern weitergeht. Viele Fragen sind offen, auf Antworten müssen wir noch warten – Geduld ist gefragt.
Icke: Wer ist eigentlich dieser Cömert, von dem man hört, dass er ablösefrei zu Union wechseln soll? Er ist in Basel aufgewachsen und dort ausgebildet worden. Seine Profikarriere führte ihn hauptsächlich zum FC Basel und FC Valencia, mit einigen Leihen dazwischen.
Der 28-Jährige ist zwar mit 1,83 Meter für einen Innenverteidiger eher klein, hat aber 20 Länderspiele für die Schweiz absolviert und ist weiterhin im Nationalteam. Genaue Daten zur Schnelligkeit gibt es nicht, doch er soll flink sein.
Van den Bosch, Friedrich und Nsoki würden mit Cömert ein neues Innenverteidiger-Quartett bilden. Die ersten drei sollen angeblich schon feststehen, offizielle Bestätigungen fehlen aber noch. Das könnte auch mit Lustrinellis Zustimmung zusammenhängen, der noch sein Okay geben soll. Querfeld ist weiterhin im Kader, und Ogbemudia verabschiedete sich öffentlich in Mannheim. Damit hätten wir sechs Innenverteidiger für zwei Plätze – relativ viel. Wahrscheinlich wird Ogbemudia erneut verliehen, kann aber auch eine wichtige Figur in der neuen U21 werden.
Für den Angriff gibt es deutlich weniger konkrete Verhandlungen. Jonas Wind von Wolfsburg wäre eine passende Option. Ein Vorteil für Union ist unsere dänische Fraktion. Auch Norweger Lauritsen, der in Holland jährlich 10 bis 12 Tore erzielt, könnte gut passen. Beide wären ablösefrei verfügbar. Vielleicht darf Lustrinelli auch seinen Torjäger Rastoder mitbringen, der bei der Bundesliga begehrt ist. Er erzielte 15 Tore und 6 Assists, womit wir beim Trainer wohl gute Karten hätten.
Ein kurzer Rückblick zur Nationalmannschaft: Nagelsmann setzt weiter auf erfahrene Spieler, wie die (umstrittenen) Nominierungen von Neuer und Rüdiger zeigen. Beide gehören noch immer zu den besten Spielern.
Ich persönlich hätte lieber Groß statt Andrich nominiert, weil Groß ein Mentalitätsmonster ist, das man auch in nicht perfekter Form mitnehmen sollte. Auch einen Wechsel von Sane zu El Mala hätte ich vollzogen. Sane kann Weltklasse sein, aber wann zeigte er das zuletzt? Der schnelle Dribbler El Mala macht mehr Spaß. Unser Spiel hängt von Wirtz und Musiala ab. Sind diese in Form, ist viel möglich.
Zur finanziellen Lage: Die Mitgliederversammlung brachte keine Klarheit. Der Schuldenstand liegt bei etwa 62 Millionen Euro, wird aber noch steigen, denn der Bau des neuen Trainingszentrums für die Profis kostet viel Geld. Gut ist, dass das Nachwuchszentrum bereits fertiggestellt ist. Der Umbau des Hauptstadions mit Nebengebäuden soll etwa 160 Millionen kosten. Insgesamt werden wir danach etwa 240 Millionen Euro Schulden haben. Trotz Vermögenswerten und starken Umsätzen bleibt das ein beunruhigender Betrag.
Investoren könnten daher früher oder später einsteigen. Entscheidend ist, wer dies tut und welche Ziele verfolgt werden. Wenn es wie bei Bayern (Audi, Allianz) oder Stuttgart (Mercedes) läuft, wäre das positiv und eine gute Absicherung. Ein Investoreneinstieg wie bei Hertha ist mit unserer Führung nicht zu erwarten.
Wir haben bereits angekündigt, an der neuen U21-Liga teilzunehmen, doch eine offizielle Bekanntgabe des Vereins fehlt noch. Für viele auslaufende A-Jugendspieler ist diese Entscheidung existenziell. Ein klares Statement des Klubs wäre sehr wünschenswert. Eisern.
Icke: Mitgliederversammlung, neuer Trainer und viele Spielergerüchte – beim neuen Coach Lustrinelli wurde am meisten Druck gemacht. Er muss die geplanten Neuzugänge absegnen, die in sein offensiveres System passen sollen. Fast gleichzeitig fand die jährliche Mitgliederversammlung statt. Die Zahlen sind solide: Trotz Mindereinnahmen aus europäischen Wettbewerben erzielte Union mit 191,66 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord. Der Gewinn des Gesamtkonzerns „Union“ betrug 450.000 Euro. Das Eigenkapital stieg auf über 8 Millionen Euro, muss aber weiter ausgebaut werden. Im Bundesliga-Vergleich ist die Quote noch relativ gering.
Der Stadionumbau soll 2027 starten. In der Saison 2027/28 zieht die erste Mannschaft komplett ins Olympiastadion. Die Frauen-Profis werden verstärkt, kürzlich verpflichtete Eintracht Frankfurt die erste deutsche Nationalspielerin. Ziel ist es, dort mehr Zuschauer zu gewinnen. Die Auslastung der Alten Försterei bleibt ein wichtiger Faktor.
Der Ausbau des Stadions wird nochmals thematisiert: Mit einer neuen Kapazität von 40.000 Plätzen ist die maximale Größe erreicht. Gründe sind auch die Infrastruktur in Köpenick. Genehmigungen für 60.000 oder 70.000 Plätze wären nicht zu erwarten.
Ende 2026 wird das neue Trainingszentrum für die Profis fertig sein, damit verfügen beide Mannschaften über moderne Trainingsbedingungen – eine Entwicklung, die auch besseren Fußball ermöglichen könnte.
Präsident Dirk Zingler betonte die Wichtigkeit finanzieller Stabilität und die strategische Weiterentwicklung beider Profi-Mannschaften als tragfähige Säulen des Vereins. Trotz begrenzter Stadionkapazitäten gleicht Union das durch andere Einnahmequellen, etwa die Frauenmannschaft, aus.
Unionfux hat bereits alles über den neuen Trainer Lustrinelli geschrieben. Die Vorfreude ist groß, dass er die Erwartungen erfüllen kann.
Was Spielertransfers angeht, sind die bisherigen Entwicklungen weder auf der Abgangs- noch auf der Zugangsseite zufriedenstellend. Wahrscheinlich erhält der neue Trainer die Möglichkeit, wirklich „seine“ Spieler zu verpflichten. Die Vielzahl an Gerüchten ist kaum noch überschaubar, viele davon sind wohl nicht zutreffend. Jetzt kommt sein „OK“, das das bisher Bekannte durcheinanderbringen kann. Geduld ist gefragt. Eisern!
Unionfux: Ein echter Coup! Mauro Lustrinelli, Trainer des Überraschungsaufsteigers FC Thun aus der Schweiz und ehemaliger Co-Trainer von Urs Fischer (2012/13), wird neuer Cheftrainer des 1. FC Union Berlin. Damit bekommen wir unseren Wunschkandidaten.
Dass wir nicht die einzigen Interessenten waren, macht die Verpflichtung besonders bemerkenswert. Mehrere Bundesligisten und einige Serie-A-Klubs hatten angefragt. Schon im Winter hatte Lustrinelli mehrere Angebote, die er ablehnte, um mit Thun das Meistermärchen zu vollenden – eine gute Entscheidung. Er ließ sich damals sogar eine Meisterprämie in den Vertrag schreiben, die sich bezahlt machte.
Lustrinelli hat sich einen Ruf als Trainer erarbeitet, der mit begrenztem Budget große Erfolge erzielen kann, Spieler verbessert und besonders junge Talente entwickelt – er war auch einige Jahre U21-Nationaltrainer der Schweiz. Warum wir den Zuschlag bekamen? Der frühe Zeitpunkt der Verpflichtung, kurz nach Saisonende, deutet auf länger andauernde Kontakte hin, spätestens seit der Entlassung von Steffen Baumgart.
Zingler und Heldt sollen sehr überzeugend gewesen sein. Lustrinelli, der Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch fließend spricht, hat weitgehend freie Hand bekommen. Ein Trainer mag es, wenn ihm wenig in die Arbeit reingeredet wird. Sicherlich hat er auch Rücksprache mit Urs Fischer gehalten, der ihm die Loyalität der Union-Fans, die überschaubare Medienpräsenz und die reizvolle Aufgabe schmackhaft gemacht hat.
Für den Umbau des Spiels und den Abschied vom bisherigen Unionstil wird Zeit benötigt. Der Klassenerhalt in der Bundesliga ist ein Muss. Lustrinelli darf drei neue Mitarbeiter mitbringen: Michel Renggli (U21 FC Luzern), Sascha Stauch (ehemaliger Schweizer U21-Nationaltrainer) und Enrico Schirinzi (Trainer der U17 Young Boys Bern) – frischer Wind im Trainerstab.
Auch Präsident Dirk Zingler verwies auf die Kombination aus Bauchgefühl und datenbasierten Entscheidungen bei der Verpflichtung.
Mauro Lustrinelli gilt als großer Motivator und Verfechter eines unbedingten Teamgeists, bringt Humor und Unkonventionalität mit. Er bevorzugt einen offensiven 4-4-2-Stil mit viel Ballbesitz. Zingler kündigte an, dass die erste Phase bei Union vorbei sei, künftig wolle man jüngere Spieler fördern und besseren, aktiveren Fußball spielen. Seine frühere Aussage, dass jeder bei Union rausfliegt, der Fußball entwickeln wolle, wurde inzwischen relativiert und war wohl unglücklich formuliert. Lustrinelli wäre so kaum zu überzeugen gewesen.
Auf der Shortlist standen noch Christian Eichner vom KSC und Horst Steffen (zuletzt bei SV Elversberg). Eichner und Steffen sind vertragslos, Lustrinelli kostet eine Ablösesumme, da er bis 2028 bei Thun unter Vertrag steht – es wird von rund einer Million Euro gesprochen. Er verzichtet auf eine mögliche Champions-League-Teilnahme mit seinem Herzensverein, um die Chance Bundesliga zu ergreifen.
Eins steht fest: Er hat nicht lange gezögert, trotz anderer Optionen entschied er sich für Union. Das spricht für Geradlinigkeit und große Motivation. Wir haben bereits gute Erfahrungen mit Schweizer Meistertrainern gemacht.
Die frühe Planungssicherheit ist ein großer Vorteil, ebenso die Einbindung in Transfers und Personalentscheidungen. Die neue Saison beginnt für Union somit rund 100 Tage vor dem ersten Pflichtspiel – sehr gut! Herzlich willkommen, Mauro Lustrinelli, auf eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft!
Unionfux: Das Wichtigste kommt zum Schluss: Auch wenn der Abend nicht gut begann, kann der Eindruck am Ende die Gesamtbewertung prägen. Die Arbeit von Marie-Louise Eta war eindrucksvoll – kein Wunder, dass Forderungen nach ihrer Weiterbeschäftigung bei den Männern laut werden. Gleiches gilt für Carl Klaus, der nach starken Auftritten als Nummer drei der Profis plötzlich als künftige Nummer eins gehandelt wird.
Das ist nachvollziehbar, dennoch sollte man nicht überstürzt handeln. Ohne die Leistungen von Eta und Klaus zu schmälern: Die letzten beiden Spiele waren besonders im Vergleich zu den vorangegangenen mutiger, spielerisch anspruchsvoller und vor allem erfolgreich – aber ohne echten Druck. Leichtfüßigkeit und spielerische Freiheit setzen oft Kräfte frei, die vorher blockiert waren.
Es ist unbestritten, dass Eta es gelang, der Mannschaft frische Ideen und Motivation einzuhauchen. Eine Weiterbeschäftigung ist nicht zwingend, zumal sie eine attraktive Option als Trainerin der Bundesliga-Frauen hat.
Der Männerfußball bleibt ein hartes Geschäft, neue Trainer sind schnell wieder weg, wenn der Saisonstart misslingt. Eta ist zwar mutig, aber noch relativ unerfahren. Ihre Zeit wird kommen, vielleicht noch nicht jetzt, aber sie wird.
Carl Klaus bleibt vorerst die klare Nummer zwei hinter Frederik Rönnow, der seine starke Position über Jahre verteidigte. Klaus muss den Kampf um Platz zwei erst noch gewinnen, die Konkurrenz durch Matheo Raab ist groß.
Wichtig ist ein erfahrener Trainer für die Männer, unabhängig vom Namen. Erfahrung und Geschlecht spielen weiterhin eine Rolle in der Bundesliga – so ist die Realität trotz aller Romantik und Gleichberechtigung.
Am Ende geht es nicht nur um Klaus und Eta, sondern um den 1. FC Union Berlin. Der letzte Eindruck darf nicht zu sehr verführen, egal wie positiv er auch sein mag. Dennoch ist es beruhigend, Eta und Klaus in der Hinterhand zu wissen – für alle Beteiligten ein großer Gewinn.
Unionfux: Die Entscheidung nach Baumgart war nachvollziehbar und mit Mut verbunden – man wollte keine übereilte Lösung, sondern Zeit gewinnen. Doch die Wahl war riskant und im Rückblick auch richtig. Eta brauchte zweieinhalb Spiele, um der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen, und das zeigte sich auch in den letzten beiden Spielen der Saison 2025/26, die mutig und mit echtem Fußball geprägt waren. Die Rückrunde war lange sehr schwach, doch Eta bewies, dass Baumgart sportlich keine Perspektive mehr bot.
Schade, dass Eta bald eine andere Bundesliga-Mannschaft übernehmen wird, aber schön, dass sie weiterhin bei uns bleibt – die Frauenmannschaft kann in der kommenden Saison weiter wachsen.
Eta hat der Männermannschaft gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt. Die vielen Kritiker der Mannschaftsqualität wurden widerlegt. Dennoch bleiben die Baustellen: In den kommenden Monaten gibt es viel zu diskutieren.
Eta hat in dieser kurzen Mission viel riskieren müssen: wenig Zeit, hoher Druck, medialer Gegenwind und das Risiko, sich zu blamieren. Sie hat dem Spektakel widerstanden, stand unter großem Druck und zeigte schnelle Lernfähigkeit – Eigenschaften, die ihre männlichen Vorgänger kaum hatten.
Ihr Erfolg der letzten Spiele ist mehr als verdient. Mit Platz elf belegt die Mannschaft eine Position oberhalb der Erwartungen. Die Katastrophenrückrunde endet versöhnlich. Die lange Sommerpause kann nun etwas entspannter angegangen werden.
Und nicht zuletzt: Union gewann zum siebten Mal in Serie sein letztes Saisonspiel in der Bundesliga – eine Tradition, die man bewahren sollte.
Loui, das war großes Kino – du hast Geschichte geschrieben, und das wird lange nachhallen. Dass wir dich nochmal als Trainerin einer Männer-Bundesligamannschaft erleben werden, ist nicht unwahrscheinlich. Das Experiment war ein Erfolg für alle Beteiligten. Ich freue mich riesig, nach langer Zeit ohne Herzrasen ein souveränes Spiel in der Alten Försterei erlebt zu haben.
Mal sehen, wie es weitergeht. Der nächste Schritt muss sitzen. Obwohl zunächst Christian Eichner als Favorit galt, schien zuletzt Mauro Lustrinelli vom FC Thun klar die Nase vorn zu haben. Seriöse Quellen berichten, dass die Gespräche weit fortgeschritten sind und sogar eine Einigung besteht, wenn auch die Vereine noch nicht final gesprochen haben. Der ehemalige Co-Trainer von Urs Fischer wird eine Ablösesumme kosten, da er noch bis 2028 bei Thun unter Vertrag steht (ca. 1 Mio. Euro). Er verzichtet auf mögliche Champions-League-Teilnahmen, um den Schritt in die Bundesliga zu wagen.
Die Qualitäten Lustrinellis scheinen zu passen: Er gilt als guter Kommunikator – ein Vorteil nach chaotischen Zeiten – und bringt eine offensive Spielweise mit. Vielleicht erfahren wir in den nächsten zwei Wochen mehr. Egal wie, es ist gut, Eta weiterhin in der Hinterhand zu wissen – das kann kaum ein anderer Bundesligist von sich behaupten.
Icke: Wie anders ist zu erklären, dass wir in dieser durchwachsenen Saison plötzlich einen so souveränen Auftritt an der Alten Försterei erleben? Wunderschöne Tore, sicherer Spielaufbau, eine stabile Abwehr trotz Viererkette und alle Spieler engagiert. Augsburg war mit vier Gegentoren noch gut bedient. Union vergab viele Chancen (Burke, Burcu, Bogdanov). Von Januar bis April war davon nichts zu sehen. War Union „gedopt“? Wahrscheinlich ja. Eta war das Dopingmittel. Nachdem der Klassenerhalt sicher war, stellte sie die Abwehr auf Viererkette um und setzte Querfeld auf die Bank. Sie vermittelte der Mannschaft, den Ball nach vorne und sauber zu spielen – und das klappte!
Die Tore erzielten zweimal Ilic, sowie Jeong und Schäfer. Insgesamt hatte Union 17 Torschüsse. Besonders Schäfers Treffer hat Chancen, Tor des Monats zu werden. Hervorzuheben ist auch Torwart Klaus, der Ruhe ausstrahlte und mit schnellen, präzisen langen Bällen viele Angriffe einleitete. Die ersten beiden Tore hatten ihren Ursprung in seinen präzisen Abschlägen. Klaus hat seinen Vertrag verlängert. Wer in der neuen Saison die Nummer eins sein wird, ist offen. Alle drei Torhüter bei Union sind stark. Wenn der neue Trainer auf schnelle, präzise Spieleröffnung setzt, hat Klaus gute Chancen.
Die Abwehrkette (Trimmel, Doekhi, Leite, Rothe) zeigte sich sicher. Für die kommende Saison brauchen wir zwei neue Innenverteidiger. Friedrich und Nsoki sollen kommen. Baume muss aufpassen, dass er die beste Mannschaft auf den Platz bringt. Gerhardt (Wolfsburg), Bebou (Hoffenheim) und Cömert (Valencia) sind weitere Gerüchte. Auch die Weiterverpflichtung von Nsoki ist wahrscheinlich.
Unionfux: Der Spielplan für die Saison 2025/26 ist nun endgültig. Union eröffnet und beendet die Saison traditionell zu Hause. Der Saisonstart gegen Stuttgart verspricht einiges. Die Bayern kommen zweimal, einmal im Pokal. Dazwischen warten schwierige Auswärtsspiele in Dortmund, Wolfsburg und Leipzig. Die kommende Saison birgt Herausforderungen, aber auch Chancen.