Union-Berlin-Blog: Seoulfood beim Bundesligadebüt – Matheo Raab sichert den Auswärtssieg
Berlin – Eisern: TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, betrieben von drei leidenschaftlichen Fußballfans aus Berlin.
Über die Autoren:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 1970er aktiv mit Union verbunden. Als Betriebswirt arbeitet er seit über 30 Jahren im Vertrieb. Er lebt in Grünheide, ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Kindes. Icke gründete diesen Blog und verfasst hier regelmäßig Beiträge.
Unionfux (Tobias Saalfeld) gehört seit mehr als 40 Jahren zur Union-Familie. Er ist freiberuflich für Bühne, Radio und Fernsehen tätig, wo er ebenfalls schreibt.
Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesligaspieler (unter anderem für Hansa Rostock und Cottbus) sowie ehemaliger Manager bei Union, absolvierte 21 Länderspiele für DDR-Junioren. Er stammt aus der eigenen Union-Nachwuchsschmiede und ist Vater von zwei Kindern. Im Blog steht Beecke als fachkundiger Berater zur Verfügung.
Unionfux: Halleluja! Union erzielt einen überraschenden und hart erkämpften Auswärtssieg beim SC Freiburg – einem Verein, der seit August 2025 zu Hause ungeschlagen war. Die drei dringend benötigten Punkte bringen uns vorerst aus der Abstiegszone heraus und zurück auf den neunten Tabellenplatz.
Das Team musste jedoch auf einige wichtige Spieler verzichten: Rönnow konnte wegen einer Trainingsverletzung nicht spielen, Querfeld fehlte wegen Gelbsperre und Schäfer wurde nach einer Roten Karte gesperrt.
Ganz ehrlich, das Spiel war nicht überzeugend. Die Defensive, voran Doekhi (dessen Leistung mit der Nominierung in die „Kicker-Elf des Tages“ gewürdigt wurde), zeigte sich stabil und mit wenigen Fehlern gegen die dominanten Freiburger. Torwart Neuling Matheo Raab musste nur selten eingreifen – aber wenn, dann war er zur Stelle. Nach vorne hingegen lief nicht viel zusammen, trotz einer offensiven Aufstellung mit Burcu, Ilic und Ansah. Bemerkenswert blieben lediglich Ilics Schuss ans Außennetz nach 19 Minuten und Krals Chance in der 69. Minute, die jedoch zu schwach abgeschlossen wurde. Ansonsten dominierten Ungenauigkeiten, falsche Entscheidungen und technische Fehler unser Spiel. Freiburg ließ sich das nicht entscheidend besser anmerken, hatte einige Chancen, doch fehlte häufig der letzte Nachdruck oder Unioner verteidigten geschickt dazwischen. So führte eine hohe Ballbesitzquote von 73 Prozent nicht zum Erfolg für Freiburg.
Das Duell schien lange auf ein torloses Remis hinauszulaufen – für Freiburg zu wenig, für uns immerhin ein Teilerfolg. Doch in der nun ungewöhnlich langen Nachspielzeit legte Nsoki den besten Pass des Spiels von der Mittellinie auf den eingewechselten Jeong, der am rechten Flügel entschlossen in den Strafraum zog, seinen Gegenspieler Günter stehen ließ und präzise ins lange Eck einschoss. Ein spektakuläres Tor – echtes Seoulfood – das Jeong hoffentlich noch öfter gelingen wird.
Die verbleibenden acht Minuten waren nervenaufreibend. In der 96. Minute schickte Manzambi den Ball in den Strafraum, Raab stürmte heraus und entschärfte mit einer Faust eine gefährliche Situation gegen Ogbu. Schiedsrichter Jablonski entschied klar auf Eckball, was auch der VAR bestätigte – ein glücklicher Moment für Union nach einigen umstrittenen Entscheidungen in Gladbach und gegen Bremen.
Raab verletzte sich bei dieser Aktion an der rechten Hand, spielte aber trotz Schmerzen weiter. In der knapp hundertminütigen Spielzeit zeigte er eine herausragende Parade, als er einen gefährlichen Schuss von Beste aus dem linken Winkel fischte. Nach insgesamt 15 Minuten Nachspielzeit blieb es beim knappen, aber hochverdienten Auswärtssieg, der lange nicht erwartbar war.
Die Leistung einzelner Spieler, allen voran Nsoki, Jeong und Torhüter Raab, war ausschlaggebend für den Erfolg – vor allem Raabs fehlerfreie Premiere in der Bundesliga. Wir hoffen, dass seine Verletzung nicht schlimmer ist. Nach dem Abpfiff wechselten sich Freude und Sorgen um seine Gesundheit ab.
Trotz aller Kritik am Auftritt – der Gegner war trotz der Belastung durch das europäische Spiel am Donnerstag sehr präsent und lief sogar gut sieben Kilometer mehr als unsere Jungs – zählt am Ende das Ergebnis. Mit den wichtigen drei Punkten haben wir die Marke von 30 Punkten überschritten, was ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt ist. Weiter so, auch wenn an der spielerischen Qualität gelegentlich noch gefeilt werden muss.
Icke: Am Sonntag um 17:30 Uhr geht es weiter mit dem nächsten Auswärtsspiel in Freiburg. Nach den letzten Partien könnte man fast in Panik verfallen, doch wir wissen um die Schwankungen unserer Mannschaft. Nach zwei enttäuschenden Leistungen ist nun wieder ein gutes Spiel angesagt.
Das ist dringend nötig, vor allem, da der übernächste Gegner Bayern München heißt. Wer ernsthaft daran glaubt, dort Punkte zu holen, ist wohl optimistisch. Daher wären drei Punkte in Freiburg schon sehr wichtig – mindestens ein Punkt scheint realistisch.
Die Ausgangslage ist schwierig: Querfeld und Schäfer fehlen weiterhin gesperrt, Leite ist verletzt, Rothe und Skov trainieren noch individuell. Der Einsatz von Rönnow ist fraglich, bei seiner leichten Fußverletzung könnte Raab im Tor starten, während Klaus auf der Bank Platz nehmen würde. Auch in der Abwehr muss Baumgart flexibel reagieren, da gleich zwei wichtige Innenverteidiger ausfallen. Kral könnte in die Innenverteidigung zurückgezogen werden, eine von ihm bereits erfolgreich getestete Variante; Khedira bleibt im defensiven Mittelfeld unersetzlich. Eine Umstellung auf eine Viererkette wie Trimmel, Doekhi, Nsoki und Köhn erscheint eher unwahrscheinlich – trotz möglicher Vorteile.
Freiburg ist Tabellenachter, in guter Form und kämpft mit der Frankfurter Eintracht um Platz sieben, der wahrscheinlich für einen internationalen Wettbewerb reicht. Sie werden uns alles abverlangen. Die Lage in der Tabelle ist eng: wir liegen sechs Punkte hinter Freiburg, aber nur vier Punkte vor dem Relegationsplatz 16. Interessante Konstellationen erwarten uns in den kommenden Spielen, auch gegen den FC St. Pauli, der aktuell auf diesem Platz steht. Da kann sich noch viel bewegen – nicht immer zu unseren Gunsten.
Für Freiburg könnte Union in zwei Systemen auflaufen:
Darüber hinaus sind verschiedene Varianten denkbar. Unser Kader zeigt sich trotz wichtiger Ausfälle stabil genug, um eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Die Behauptung, unser Kader sei für die Bundesliga zu schwach, ist eine Legende; es mangelt eher an der optimalen Zusammensetzung auf einigen Positionen. Die Qualität reicht, auch in Freiburg zu bestehen – alles andere ist nur eine Ausrede.
Freiburg hat sein Team etwas verändert und setzt auf zwei kreative Spielmacher auf den Halbpositionen – Beste und Grifo. Diese Spieler sind gefährlich und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Es wäre interessant zu beobachten, wie Freiburg spielt, wenn beide Spieler eng gedeckt werden. Eine solche klassische Manndeckung ist zwar altmodisch, aber durchaus erfolgversprechend. Wir drücken alle Daumen! Eisern.
Unionfux: Schwer zu glauben: Auf die schwächste Saisonleistung in Gladbach folgt prompt eine noch schlechtere beim Heimspiel gegen Werder Bremen. Dabei war das Spiel gegen Bremen fast schon euphemistisch beschrieben, denn wir sahen eines der schlechtesten Heimspiele in 47 Jahren Union-Geschichte – und das, obwohl wir keinen der Spitzenvereine empfingen, sondern einen ersatzgeschwächten Konkurrenten.
Wir hatten lediglich einen Torschuss: Köhn verwandelte einen etwas glücklichen Elfmeter. Danach wurde ein Platzverweis gegen Schäfer ausgesprochen – viel zu hart – und ab diesem Zeitpunkt übernahmen die Bremer das Spielgeschehen. Unsere Mannschaft wirkte fast schon wie ein hilfloses Kaninchen vor der Schlange. Die Passquote lag bei unter sechzig Prozent, im Vergleich zu Werder mit knapp neunzig Prozent. Das ist zu wenig, um ein Spiel zu gestalten oder offensiv gefährlich zu sein.
Nach dem Rückstand fehlte eine Antwort seitens der Mannschaft: keine Auswechslungen, keine taktischen Veränderungen, keine mentale Aufrichtung. Die zweite Halbzeit war von Hilflosigkeit geprägt, einzig lange Bälle wurden gespielt, die kaum erfolgversprechend waren. Werder spielte locker und verunsicherte unsere Abwehr, die kaum Zugriff fand. Der Gegner bekam so viele Chancen, vergab aber zum Glück einige davon.
Der Spielverlauf und die Körpersprache waren katastrophal. Es war beschämend, wie deutlich wir in fast allen Belangen unterlegen waren, gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. So verlor man ein wichtiges Sechs-Punkte-Spiel verdient und beinahe mühelos. Mit einer derartigen Leistung besiegt man keinen Gegner in dieser Liga – nicht einmal in einer niedrigeren Spielklasse.
Wir hätten zumindest auf den Ausgleich drängen können und dabei das Risiko eingehen müssen, ausgekontert zu werden – aber auch das geschah nicht. Stattdessen agierte man passiv und ohne Plan. Das kann und darf nicht sein.
Was noch viel mehr Sorgen macht als die verlorenen Punkte, ist das Fehlen von Selbstvertrauen, klaren Spielideen und dem Willen, Schwächen zu kompensieren und Stärken auszuspielen. So spielt keine selbstbewusste Mannschaft, sondern ein ratloser Absteiger. Nur Heidenheim und Wolfsburg sind in der Rückrunde noch erfolgloser. Unsere einstige Heimstärke ist längst verloren; seit dem glücklichen Sieg gegen Leverkusen und dem Unentschieden gegen Frankfurt gab es kaum positive Ausnahmen. Der Rest waren verdiente Niederlagen, in denen wir bestenfalls mithalten konnten – dominieren wollten wir ohnehin nie.
In der Winterpause wurde auf die deutlichen Probleme nicht ausreichend reagiert; mittlerweile ist die Lage ernst. Die Hoffnung auf eine Leistungssteigerung schwindet zusehends. Für eine erfolgreiche Saison braucht es Veränderungen – und das sofort. Sonst droht der Abstieg. Das ist an diesem Sonntag unübersehbar geworden.
Icke: Wer sich mit der aktuellen Situation auseinandersetzt, erkennt, wie dramatisch die Lage für Bremen ist. Sie stehen auf Platz 16, der Relegationsplatz würde die Bundesliga bedrohen. Gewinnen sie in Berlin, haben sie gute Chancen, den Abstieg abzuwenden. Die folgenden Gegner Mainz 05 und Wolfsburg sind ebenfalls Abstiegsnationen. Verlieren die Bremer dreimal, wird es schwer, die Klasse zu halten. Die Chance zur Rettung bleibt jedoch.
Und was ist bei uns? Nach einigen hoffnungsvollen Spielen folgt oft ein Rückschlag. Diese Schwankungen kennzeichnen unsere Saison. Vor fünf Spielen verloren wir in Hoffenheim deutlich, danach folgte ein besseres Spiel gegen Frankfurt mit einem 1:1. Dann kamen eine Niederlage in Hamburg und ein schwaches Spiel. Das vorletzte Heimspiel gegen Bayer Leverkusen gewann man knapp, mit einer starken ersten Halbzeit.
Den jüngsten Niederlagen folgte erwartungsgemäß die schlechteste Leistung in Gladbach. Nun sollte ein gutes Spiel gegen Bremen folgen, um den Klassenerhalt weiter zu sichern. Die schwierigen Begegnungen in Freiburg und München stehen dann an – umso wichtiger wäre ein Erfolg gegen Bremen.
Doch die Reihen bei Union lichten sich: Leite, Rothe, Juranovic, Skov und Ersatzkeeper Raab fallen aus. Ilic ist nach seiner Sperre wieder einsatzbereit. Hoffentlich bringt Baume Mut auf, seine Offensivtrio Burcic-Ilic-Ansah von Beginn an einzusetzen. Burke und Skarke sind derzeit zu limitiert, Jeong ist technisch stark, aber körperlich weniger präsent. Auch Jugendliche wie Bogdanov und Engel könnten Einsätze erhalten. Der Kader zeigt auch bei Ausfällen seine Stärke, dennoch liegt der Fokus auf der Stabilität.
Bremen hat ähnlich große Ausfälle, dennoch bringen sie immer noch eine starke Mannschaft aufs Feld. Unterschätzen darf man sie nicht – das haben schon Heidenheim und andere erfahren müssen.
Die Begegnung gegen Bremen sollte der Auftakt zu einer Serie positiver Ergebnisse sein, um dann gegen Freiburg und Bayern bestehen zu können. Optimismus und Konzentration sind gefragt. Eisern.