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Union Berlin Blog: Nur ein Zähler, nur ein Einwurf

Berlin – Eiserne Treue: TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, verfasst von drei waschechten Berlinern mit großer Leidenschaft für ihren Fußballklub.

Die Verfasser:

Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 1970er Jahre treuer Union-Fan, als Betriebswirt arbeitet er seit über 30 Jahren im Vertrieb. Er lebt in Grünheide, ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Kindes. Icke ist Gründer dieses Blogs.

Unionfux (Tobias Saalfeld) trägt seit mehr als vier Jahrzehnten Union im Herzen. Er ist freiberuflich auf Bühne, Funk und Fernsehen tätig und publiziert dort ebenfalls.

Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesliga-Spieler bei Hansa Rostock und Energie Cottbus, frühere Führungskraft bei Union, mit 21 Länderspielen für DDR-Jugendnationalmannschaften, stammt aus dem Union-Nachwuchs. Beecke ist Vater von zwei Kindern und berät im Union-Blog.

Unionfux: Nach dem vorzeitigen Klassenerhalt mehren sich die Stimmen, unter anderem von Vereinslegende Torsten Mattuschka, die meinen, Steffen Baumgart hätte womöglich auch noch den Punkt geholt, den nun Interimstrainerin Eta bei Köln sicherte – was gleichzeitig die Frage aufwirft: Warum habt ihr Baumgart so schnell und unsanft vor die Tür gesetzt?

Ich bin mir bezüglich des Zählers nicht so sicher. Wenn man die immer schlechter werdenden Leistungen unter Baumgart bedenkt, die meist schöngeredet wurden, lag das vor allem an einer punktreichen Hinrunde, die Spielerisch oft mäßig war, aber genügend Zähler einbrachte, um nicht in Abstiegsnöte zu geraten. Außerdem weist Wolfsburg auf Rang 16 nur magere 26 Punkte auf (zum Vergleich: Fürth als 17. der Zweiten Liga hat 34 Punkte). Die schwachen Leistungen der unteren Tabellenhälfte kamen uns zugute – dennoch war das nicht vorhersehbar. In der Rückrunde haben wir klar gezeigt, dass wir taktisch, technisch, spielerisch und konditionell gegen nahezu jeden Gegner überfordert sind. Wir sind auf die Schwäche anderer angewiesen und benötigen viel Glück. Fehlt das – wird es sehr eng bis unmöglich.

Die Freistellung Baumgarts nach gesichertem Verbleib und seinem (etwas voreiligen) Vertragsabschluss im Januar ist schwer vermittelbar, aber eine Fortsetzung der Zusammenarbeit war schlicht unmöglich. Die Mängel einer Mannschaft, die er 16 Monate trainierte, sind klar sichtbar.

Wer sagt, fehlende Qualität liege am Kader und Baumgart könne nichts für die Schwäche, ignoriert, dass kaum ein Spieler unter Baumgart seine Normalform erreichte, geschweige denn mehr. Das Potenzial der Mannschaft wurde nicht ausgeschöpft. Wer die größere Verantwortung trägt – Spieler oder Trainer – ist schwer zu beurteilen, aber der erschreckende Zustand kommt nicht von ungefähr.

Kein Wunder, dass unser Beecke im letzten „Hauptstadtderby“-Podcast kaum ein gutes Wort für die Vorstellung gegen Köln fand, und wir ihm da voll zustimmen mussten – und das bei einem der besseren Spiele 2026. Meiner Meinung nach wurde Baumgart zu spät freigestellt. Man weiß natürlich, dass Fässer erst überlaufen müssen, und nachträglich ist man immer klüger. Unter Baumgart hielten wir zweimal die Klasse, aber eine Phase, in der es rund lief, gab es nie, zuletzt erst recht nicht mehr. Nicht zu reagieren, wäre grob fahrlässig gewesen.

Fest steht: Es braucht einen echten Profi, denn egal, wie der Umbruch aussieht – von den Neuzugängen darf man kaum Wunder erwarten. Zum Beispiel soll Stanley Nsoki wohl fest verpflichtet werden, angeblich mit einem Dreijahresvertrag, obwohl er selten spielte und kaum besondere Akzente setzte. Auch Marvin Friedrich soll bis 2028 verlängert haben, obwohl er zuletzt bei Gladbach kaum noch eine Rolle spielte. Offensichtlich sollen sparsame Lösungen gefunden werden, die aber unbedingt die kluge Hand eines fußballerisch versierten Trainers brauchen, der das Beste aus dem Kader herausholt und auch kommunikativ überzeugen kann. Hoffentlich findet sich so jemand, denn nur so haben wir in der achten Bundesligasaison eine echte Chance, Anschluss für eine neunte zu halten.

Zum Thema des angeblich unsportlichen Verhaltens beim Spiel in Köln, dem gar die „Kicker“ einen Artikel widmeten: Zwar ist es üblich, bei einem verletzungsbedingten Ausball den Einwurf an den Gegner zurückzugeben – Christopher Trimmel verzichtete diesmal bewusst darauf, woraus der späte Ausgleich durch Burcu entstand. Wer nun unsportliches Verhalten anprangert (laut Kicker-Autor Jim Decker kein „nice-to-have“), ignoriert den Kontext. Alleine betrachtet ist Trimmels Verhalten natürlich nicht korrekt und darf keine Schule machen – solche Situationen sind auch sehr selten.

Doch wenn man sieht, wie nach dem Anschlusstreffer Kölner Spieler mehrfach ohne Gegnerkontakt wegen Muskelkrämpfen zu Boden gingen – offenbar Zeit schinden wollten, um unseren Spielfluss zu stören –, ist das nicht nur zum Zuschauen verdammt, sondern erfordert auch eine Reaktion. Sonst wird man Opfer einer durchschaubaren Masche, die nichts mit Fairplay zu tun hat. Trimmel, ein vorbildlicher Sportsmann, erklärte nach dem Spiel, dass man das Spiel eben mitspielen müsse. Sogar der Kölner Torwart ging zum Einwurf, um ihn für seine Mannschaft einzufordern, weil er ahnte, dass unser Kapitän sich nicht mehr hinhalten lässt.

Unsportlichkeiten gibt es im Fußball zuhauf: von lächerlichen Diskussionen bei Schiedsrichterentscheidungen (ich erinnere mich immer wieder gern an den verzweifelten Griff an den Kopf) über Schauspielereien (starke Schmerzen, dann quicklebendig) bis hin zum Zeitspiel (Keeper fängt einen einfachen Ball und lässt sich dann nach vorn fallen, um die Zeit zu verlängern). Ich hoffe kaum, dass sich daran noch etwas ändert. Insofern hat Trimmel in dieser speziellen Situation alles richtig gemacht – auch wenn das nicht von allen Fachmedien sofort verstanden wird.

Unionfux: Halleluja und Gott sei Dank – diese verfluchte Saison ist vorbei! Zumindest für uns fast schon am ersten Sonntagabend im Mai. Die schlechteste Rückrunde seit unserem Aufstieg 2009/10, kaum zu ertragen, bleibt ohne unmittelbare Folgen: Wir starten in unser achtes Bundesliga-Jahr! Das Unentschieden gegen Köln macht das möglich, da Mainz 05 bei St. Pauli gewann und Wolfsburg in Freiburg nur einen Punkt holte. So sind wir mit sieben Punkten Vorsprung durch.

Natürlich hätten wir schon fast den Teufel gebraucht, um noch abzusteigen – aber jeder, der länger Fußball verfolgt, weiß um die Warnzeichen.

Unbestritten ist, dass wir die gesamte Rückrunde wie ein Abstiegskandidat auftraten, mit katastrophalen Vorstellungen, nur je einem Auswärts- und Heimdreier (beides eher glücklich). Auch das riskante Experiment mit Marie-Louise Eta zeigte sich dennoch tragfähig, wenn auch ohne großen Jubel – es sei denn, die letzten zwei Spiele bringen noch volle Punkte, sechs Zähler sind noch zu vergeben. Immerhin ist der Druck weg, sodass sich vielleicht noch das eine oder andere Experiment, etwa mit Güther oder Bogdanov, lohnt.

Die ausführliche Saisonanalyse folgt später, aber eines steht jetzt schon fest: Das war der dritte deutliche Warnschuss. Eine weitere Saison wie die letzten drei wird wohl kaum ohne Probleme verlaufen. Wir alle kennen die angekündigten Abstiege der letzten Jahre und sollten diesen Weg nicht erneut gehen – das wäre doppelt bedauerlich und überflüssig.

Diese katastrophale Rückrunde hat zumindest offenbart, wo unsere Schwächen und Versäumnisse liegen und macht Augenwischerei unmöglich. Zu viele sorglose und falsche Transfers sowie Vertragsverlängerungen dürfen wir uns nicht mehr leisten. Der 1. FC Union darf nicht länger zur Komfortzone für Spieler werden, die nicht einmal ihre Normalform erreichen oder wollen. Wer war eigentlich „Unioner der Saison“? Das fällt kaum jemandem ein – warum wohl?

Was sind unsere Stärken? In der Abwehr längst nicht mehr, im Mittelfeld und Angriff ebenso kaum. Unsere Laufleistung ist rapide gesunken, bei den Zweikämpfen sind wir auf Platz 16, die Passquote sowie der Ballbesitz sind ligaweit die schlechtesten. Einzig bei den Kopfballduellen führen wir – immerhin. Doch das reicht langfristig nicht.

Wir benötigen dringend einen erfahrenen Trainer mit funktionierender Idee, der Spieler verbessern und einen guten Teamspirit schaffen kann. Eine Führungspersönlichkeit, die nicht die Stimmung drückt. Einen weiteren Bjelica, Svensson oder Baumgart können wir uns nicht leisten. Die anstehenden Entscheidungen werden zahlreich sein und müssen größtenteils passen.

Vielleicht muss man dafür auch finanziell investieren, jedoch sollte bewusst sein, dass die erste Mannschaft weiterhin das wichtigste Kapital des Vereins ist – nur über sie fließen größere Mittel. Eine Rückkehr aus Liga zwei ist schwer – unser Stadtnachbar steht kurz vor der vierten Spielzeit in Liga zwei. Wir bauen kaum ein neues Stadion, um im Mittelfeld der zweiten Liga zu versinken. Die Lage ist ernst, das muss endlich jeder verstehen und aus Fehlern lernen, selbst wenn es schmerzhaft ist.

Fürs Erste freuen wir uns trotz allem, wenn auch mit Demut, vielleicht mehr aus Erleichterung, über ein weiteres Jahr in einer der besten Ligen der Welt. Die letzten zwei Spiele können wir ausnahmsweise entspannt angehen. Es wäre schön, wenn wir da noch das Maximum erzielen könnten, etwa wegen der Fernsehgelder. Aber müssen müssen wir nicht. Und zuletzt freuen wir uns, dass TAG24 weiterhin unseren Erstliga-Blog beherbergt. Glückwunsch, „Loui“, Glückwunsch, Mannschaft, Glückwunsch, Unioner!

Unionfux: Heimspiel an der Alten Försterei gegen einen direkten Konkurrenten, und über 70 Minuten sehen wir das altbekannte Bild: Wir liegen erneut zurück, spielerisch uninspiriert, ohne Fokus und mit den üblichen technischen Fehlern. Bülter und El Mala nutzen das eiskalt. Das Führungstor des Ex-Unioners in der 30. Minute ist ein Traumtreffer aus 17 Metern in den linken Winkel. El Mala trifft nach einer Stunde, weil Nsoki ihn nicht genug verteidigt und schiebt nach Zuspiel von Lund ein. Das erste Tor war unglücklich, da der Linienrichter eine Abseitsstellung anzeigte, wodurch unsere Defensive kurz aufhörte, zu verteidigen. Letztlich war es aber kein Abseits, da der Schiedsrichter nicht unterbrach.

Unsere Offensivaktionen sind dürftig, der Kölner Torwart muss kaum eingreifen. Kemlein vergibt die beste Chance nach 23 Minuten, sein Schuss streift nur den Pfosten. Ansah ist weitgehend abgemeldet, Burke arbeitet viel, aber ohne gefährliche Aktionen. Nach 70 Minuten fehlt die Fantasie, wie wir eine Niederlage abwenden sollen, bis dahin gab es nicht einmal eine Ecke oder einen Freistoß in Strafraumnähe. Wir sind ohne Druck und teils regelrecht lethargisch.

Erst die erste Ecke folgt bald die zweite und letzte, Trimmel bringt sie gefährlich auf den Kopf von Rothe, der den Innenpfosten trifft und das Tor erzielt. Plötzlich erwacht die bis dato lethargische Mannschaft, besonders die eingewechselten Spieler sorgen für mehr Schwung. Klaus verhindert zwischendurch das dritte Kölner Tor mit einer starken Parade, dann vergibt Burke nach einem Doppelpass mit Khedira eine gute Chance.

Burcu nimmt kurz darauf einen abgefälschten Ball auf und haut ihn aus Strafraumnähe unhaltbar ins kurze Eck – zumindest der Ausgleich. In den neun Minuten Nachspielzeit haben wir sogar noch die Chance zum Sieg, aber Martel blockt den Schuss mit dem Arm.

Am Ende müssen wir zufrieden sein, dass wir einen 2-Tore-Rückstand noch ausgleichen konnten und so einen wichtigen Punkt erkämpften. Das ist Schadensbegrenzung. Dennoch fragt man sich, warum wir schon wieder so zögerlich in ein Heimspiel gehen, ohne Mut, Kraft und Biss, und warum die unglücklich gewählte Startelf nicht schon zur Pause korrigiert wird. Eta lobt nach dem Spiel, die Mannschaft habe ihr Herz auf dem Platz gelassen – das trifft aber nur auf die letzten 20 bis 25 Minuten zu. Das gesamte Stadion fordert lautstark ein „Aufwachen!“, die Genervtheit und Verzweiflung sind spürbar.

Die taktischen und technischen Probleme trägt nicht Interimstrainerin Eta, sondern liegen in Baumgarts Verantwortung. Er hat eine immer schwächer werdende Mannschaft hinterlassen, der es an einer passenden Taktik mangelt. Die Truppe wirkt zusammengesetzt und inkonstant. Zugleich kann Eta die Spieler nur begrenzt motivieren und mental aufrichten. Einige Entscheidungen sind schwer nachvollziehbar: Auf Ilic und Trimmel kann derzeit nicht verzichtet werden – gerade der Kapitän ist noch sehr präsent und Belastungssteuerung sollte in den letzten drei Spielen keine Rolle mehr spielen. Auch Burcu muss mutiger agieren, was er leider oft nicht tut.

Wir begehen weiterhin zu wenige Fouls (nur sieben im Spiel), die zwei gelben Karten resultierten aus Meckerei und Unsportlichkeit, jedoch wurde nicht konsequent gegen Fehlverhalten vorgegangen. Keine rüde Spielweise, aber auch kein Respekt vom Gegner zu erwarten, wenn man kaum körperlichen Einsatz zeigt. Die Mannschaft und die Trainerin wissen um diese Defizite, es sollte jedem klar sein.

Genug der Klagen – hoffentlich tut dieser Punkt unserer Moral gut, die können wir gut gebrauchen. Wünschenswert wäre, wenn die positiven Aktionen der Schlussminuten in den letzten beiden Spielen von Anfang an zu sehen sind oder zumindest längere Phasen überdauern würden.

Icke: Am Samstag um 15:30 Uhr spielt Union an der Alten Försterei gegen den 1. FC Köln. Mit Verlaub – es sind nur drei Punkte für die Heimmannschaft erlaubt. Alles andere wäre eine Ausrede. Diese drei Zähler brauchen wir, um entspannt die letzten zwei Spiele ohne Sorgen angehen zu können.

Auf unserer Seite fehlen die verletzten Torhüter Rönnow und Raab, doch mit Klaus haben wir noch einen guten dritten Mann, der in Leipzig bereits seine Sicherheit zeigte. Es besteht Hoffnung, dass wir nun die bestmögliche Elf aufbieten können: Köhn auf links, Kral als Achter, wahrscheinlich aber auch Schäfer im Zentrum. Juranovic hat seine Verletzung überwunden und könnte rechts verteidigen. Für den angeschlagenen Jeong wäre Burke die Alternative, der derzeit unser Spiel mehr behindert als fördert. Die stärkste Elf könnte also so aussehen: Klaus – Doekhi, Querfeld, Leite – Juranovic, Khedira, Kral (oder Schäfer), Köhn – Jeong, Ilic, Ansah. Ein Einsatz für Güther für 15 Minuten wäre schön.

Die Kölner kommen mit dem in Topform befindlichen El Mala, der noch die Chance auf die WM nutzen möchte. Das Timing für sie ist gut. Das Hinspiel verloren wir mit 0:2 in Köln. Sechs Siege haben sie, zehn haben wir, dreimal trennten wir uns unentschieden. Tabellenmäßig stehen die Kölner einen Punkt hinter uns, verfügen jedoch über eine deutlich bessere Tordifferenz. Das könnte darauf hindeuten, dass sie mit einem Punkt zufrieden wären.

Die Kölner dürften auch noch mit etwas Wut im Bauch antreten, verloren sie doch vergangene Woche zuhause gegen Leverkusen erst durch einen sehr umstrittenen Elfmeter. Neben El Mala spielen auch Ex-Unioner Bülter und der wieselflinke Maina (so schnell wie Burke) auf den Außenbahnen. Kaminski, derzeit einer der Führungsspieler, agiert links. Auf diese vier gilt es aufzupassen.

Wir müssen unsere eigenen Stärken in den Vordergrund stellen, das konzentrierte Pressing wieder forcieren, die Abwehrlücken schließen, bevor sie entstehen, und mutig in den Strafraum eindringen – durch Dribbling oder Sprint, das ist egal. Wir haben genug Qualität, um die Kölner zu schlagen. Eiserne Konzentration!

Unionfux: Was für ein miserabler April: Weder die Ergebnisse noch die Leistungen stimmen, und selbst der viel beachtete Trainerwechsel bringt zunächst keine Besserung. Glücklicherweise macht die Konkurrenz ebenfalls keine großen Sprünge, doch die Hoffnung, den Klassenerhalt schon im April zu sichern, war rückblickend naiv. Nun bleiben noch drei Spiele im Mai, davon zwei Heimspiele, bei denen die drei Punkte eigentlich Pflicht sind. Allerdings muss die seltsam träge und lustlose Einstellung der Mannschaft besser werden. Gerade hier hatte ich mir nach der Verpflichtung von Marie-Louise Eta mehr erwartet. Man möchte einfach das Gefühl haben, dass die Mannschaft „ihr Herz auf dem Platz lässt“, ohne Wenn und Aber. Dieses Gefühl fehlte viel zu lange, die Spieler reißen sich nicht genug zusammen und wollen den Sieg genauso sehr wie der Gegner, gerade gegen Teams auf Augenhöhe. Die zunehmenden Fehlpässe sind vor allem Konzentrationsmängel, die fehlende Laufbereitschaft wirft auch Fragen zur Fitness auf und die schlechte Antizipation ist eine Mischung aus beidem. Ob einige Spieler mental schon gedanklich woanders sind, bleibt Spekulation.

Es mag sein, dass die Qualität der Mannschaft nicht überragend ist, doch wenn kaum jemand Normalform erreicht – von mehr will ich gar nicht reden – wird es kritisch. Die meisten Spieler sind schon lange zusammen und besitzen Erstligaerfahrung, darunter einige aktuelle und ehemalige Nationalspieler.

Mich wundert etwas, dass Köhn und Kral von der Trainerin offenbar geschont werden, während Rothe, Haberer und Kemlein nicht gut drauf sind. Insgesamt fehlt es an Dynamik und Ideen. Juranovic sollte mehr Spielzeit erhalten, ebenso Burcu. Das löst zwar keine spielerische Revolution aus, doch Köhn bringt mehr Geschwindigkeit, Kral mehr Initiative und technische Fähigkeiten, Juranovic gefährliche Standards und Burcu mehr Unberechenbarkeit. Ich kann mir vorstellen, Ilic als hängende Spitze einzusetzen, da er seine Mitspieler schon oft gut in Szene setzte. Die Trainerin sollte mutiger und vor allem früher wechseln, um Impulse zu setzen.

Der Mai sollte zumindest etwas Wiedergutmachung für die schlechte Saison bringen. Es müssen nicht alle neun Punkte sein, aber die schwache Heimbilanz sollte aufgebessert werden. Mannschaft und Trainerin müssen über sich hinauswachsen und zeigen, dass sie weiterhin Bundesliga würdig sind. Das Niveau der letzten Spiele entspricht nicht den Ansprüchen der Spieler und dürfte ihnen selbst keinen Spaß machen.

Leider kann Frederik Rönnow nicht mehr helfen, unser dänischer Torwart erlitt in Leipzig eine Adduktorenverletzung am rechten Oberschenkel, die wohl das Saisonende bedeutet.

Damit haben wir erstmals seit 2011/12 wieder drei Torhüter im Kader (damals Glinker, Höttecke und Pruschke). Interessanterweise sind zwei absolute Bundesligadebütanten dabei: Matheo Raab, der eventuell am Samstag auf der Bank sitzt (ansonsten wohl der junge Wisbereit aus der U19), und Carl Klaus, der gegen Köln wohl sein zweites Bundesligaspiel bestreiten wird. Egal wie, im Endspurt muss es klappen!

Icke: Schon wieder ein maues Spiel beim Match in Leipzig gegen Union. Es macht kaum noch Freude zuzuschauen. Das ist inzwischen die Meinung vieler Fans. Union zeigt wie immer erst in den letzten 10 Minuten richtig Einsatz und Kampfgeist. Über die Zeit davor schweigen wir lieber, auch wenn einiges angesprochen werden muss.

Leipzig ging mit zwei schnellen Toren in der 22. und 25. Minute in Führung, damit war klar, dass wir schwer zurückkommen würden. Unser Torwart Rönnow verletzte sich in der 31. Minute und wurde durch Klaus ersetzt, der überraschend stark hielt. Zuvor zeigte sich, wo bei uns der Schuh drückt: Rothe hatte keinen Bezug zum Spiel und seine fehlende Schnelligkeit wurde gegen die schnellen Leipziger deutlich. Warum Eta Rothe statt dem schnellen Köhn auf die Außenbahn stellte, bleibt ihr Geheimnis. Spätestens zur Halbzeit hätte man das korrigieren müssen – es geschah nichts.

Burke zeigte einige starke Antritte und beschäftigte die Leipziger, nur brachte er die Bälle selten unter Kontrolle. Fehlpässe und Ballverluste zerstören so unsere Angriffe. Einige Ansätze sahen gut aus, doch immer gab es einen Fehler in der Aufbaukette.

In der 63. Minute machte Baku den Deckel drauf zum 3:0. Wir erzielten in der 78. Minute durch Doekhi immerhin den 3:1-Anschluss. Doch niemand glaubte mehr an einen Punkt, auch wenn Ansah in der 91. Minute das 3:2 erzielte – leider stand er knapp im Abseits. Warum Eta erst in der 68. Minute wechselte, bleibt rätselhaft. Kemlein kam für Haberer, Ansah für Trimmel. Die taktische Umstellung verpuffte. Burcu brachte sie erst in der 83. Minute, ebenfalls viel zu spät.

Christian Beeck sieht das ähnlich: „Es wird nicht besser. Einige Spieler haben nicht die Qualität für die Bundesliga. Die Mannschaft wirkte physisch und mental nicht fit. Hauptsache wir holen einen Dreier, egal wie.“

Fraglich bleibt, warum Haberer (der zuletzt in keiner guten Form war) wieder in die Startelf kam, während Kral oft gute Spiele macht, aber selten von Beginn an spielt.

Zusammengefasst: Es ändert sich kaum etwas. Unsere Fehlerquote bleibt katastrophal. Spieler in guter Form (Köhn, Kral) sitzen auf der Bank. Schnelligkeitsdefizite in der Mannschaft (Rothe, Querfeld) sind offensichtlich. Und uns fehlt ein torgefährlicher Stürmer.

Wenn’s dumm läuft, ziehen heute Köln, Gladbach, HSV und Bremen an uns vorbei, wenn sie gewinnen. Das ist nicht wahrscheinlich, aber möglich. Wir können nur froh sein, dass Heidenheim, Wolfsburg und St. Pauli noch schlechter sind. Der Abstand zu St. Pauli ist auf fünf Punkte geschrumpft. Gewinnen die Norddeutschen heute, sind sie nur noch zwei Punkte hinter uns. Das heißt: Wir MÜSSEN nächste Woche Köln schlagen. Eta, bitte justiere die Stellschrauben, die jeder sieht! Diese drei Punkte gegen Köln sind essenziell. Eisern.

Unionfux: Irgendwie stehen wir auf der Stelle, auch wenn Baumgart nicht mehr Trainer ist. Unser Offensivspiel bleibt schwach, hinten sind wir nicht sattelfest. Trotzdem haben wir noch vier Spiele und alles in eigener Hand. Wahrscheinlich reicht noch ein Sieg zum Klassenerhalt – das muss doch machbar sein.

Zugegeben, als Heimmacht sind wir kaum noch zu bezeichnen. Erinnern wir uns an Zeiten, in denen wir 24 Heimspiele unbesiegt blieben – kaum vorstellbar heute, obwohl das erst in der Saison 2022/23 so war. Damals waren wir das einzige Team der großen fünf Ligen ohne Heimniederlage – legendär.

Das Heimspiel gegen Wolfsburg war ein kleiner Schritt nach vorn. Offensiv waren wir präsenter als in vielen Spielen zuvor, leider ohne Ertrag. Momentan müssen wir jede Chance nutzen. Das Gute: Am Freitag geht es auswärts gegen einen Gegner, der uns eigentlich liegt – die „Brausetruppe“. Zwischenzeitlich haben wir fünfmal in Folge gegen sie gewonnen, jeweils 2:1. Das letzte Spiel gegen sie war das letzte wirklich starke Spiel der Saison. Noch besser: Niemand erwartet viel von uns. Wir sind seit vier Spielen sieglos, die Brausejungs haben die letzten vier gewonnen. Das Momentum spricht gegen uns. Aber für uns sind das gute Voraussetzungen, denn mit Favoritenrollen haben wir unsere Schwierigkeiten.

Unsere beiden Rückrundensiege gegen Leverkusen und Freiburg waren eher unerwartet. Vielleicht hat Marie-Louise Eta ein paar gute Ideen, wie man der spielerischen Überlegenheit von Rasenballsport begegnen kann. Hoffentlich wechselt sie diesmal nicht so zaghaft wie bei ihrem Debüt, bei dem Impulse von außen schon zur Halbzeit nötig gewesen wären.

Es könnte ja sein, dass einige Akteure richtig gut aufspielen und das Matchglück uns diesmal mehr hold ist. Viel Hoffnung, viel Konjunktiv, aber Optimismus bleibt die beste Option. Also hoffen wir, etwas aus Leipzig mitzunehmen und entspannt in den Mai zu starten. Am Freitag um halb elf wissen wir mehr.

Diese Woche kam die Nachricht, dass Stanley Nsoki fest von Hoffenheim verpflichtet wird, angeblich für anderthalb Millionen Ablöse mit Dreijahresvertrag – kaum jemand hatte damit gerechnet. Das sorgt für gemischte Gefühle: Einerseits ist die Ablöse für einen Spieler, der einst zwölf Millionen wert war und 27 ist, gering. Andererseits war seine Bilanz bei uns eher mäßig: Zwölf Spiele ohne nachhaltige Überzeugung. Vermutlich soll Nsoki gemeinsam mit van den Bosch die Innenverteidigung bilden, wenn Doekhi und Leite im Sommer gehen. Er wäre nicht der erste, der bei uns verspätet durchstartet. Wir hoffen das Beste – darin sind wir ja geübt.