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Union-Berlin-Blog: Mit diesem Wirtz kann man Weltmeister werden, aber…

Berlin – Eisern: In einer Dreierbesetzung echter Berliner Fußball-Fans betreibt TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Die Autoren:

Jürgen Heinemann, genannt Icke, ist seit Mitte der 70er Jahre Union-Fan. Als Betriebswirt ist er seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig, lebt in Grünheide, ist verheiratet und hat ein erwachsenes Kind. Er hat den Blog gegründet und schreibt hier.

Tobias Saalfeld, alias Unionfux, ist seit über 40 Jahren Union-Anhänger. Er arbeitet freiberuflich für Bühne, Funk und Fernsehen und verfasst auch dort Texte.

Christian Beeck, ehemaliger Bundesliga-Profi (unter anderem bei Hansa Rostock und Cottbus), früher Manager bei Union, mit 21 Länderspielen für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs. Er hat zwei Kinder und unterstützt unseren Blog als Berater.

Icke: Ein herausragender Wirtz führte die Schweiz mit seinen vier Torbeteiligungen zum 4:3. Zwei Treffer erzielte er selbst, zwei weitere bereitete er vor – eine Weltklasse-Leistung. Sollte Musiala seine frühere Stärke zurückerlangen und der 18-jährige Karl sich weiter eingliedern, müssen wir uns um unsere Offensive keine Sorgen machen. Die stärkste Phase des Spiels in der Schweiz lag zwischen der 70. und 85. Minute. Unser Ball lief so schnell und sicher durch die Reihen, dass es schwer fiel, mitzuhalten. Wenn wir das öfter schaffen, werden viele Verteidiger aufgeben, weil sie mit solchem Tempo kaum Erfahrung haben.

Doch die Überschrift enthält auch ein „aber“. Denn zu einem guten Auftritt gehört auch eine stabile Abwehr – die fehlte gestern. Fehlpässe von Schlotterbeck in gefährlicher Zone und zu zaghaftes Nachsetzen von Tah blieben zurück. Kimmich rückte trotz häufiger Teilnahme am Angriff mehrfach hinten abwesend. Es war kein Zufall, dass viele Angriffe der Schweizer über seine Seite liefen. Auch das defensive Mittelfeld muss man betrachten: Schon in der Vorschau auf die Testspiele berichteten wir, dass Stiller, Groß und Stach nicht das Niveau von Nmecha oder Andrich erreichen. Leider bestätigte sich das. Nmecha war angeschlagen, Andrich gar nicht eingeladen. Da Goretzka eher offensiv eingesetzt wird, braucht es zumindest einen defensiven Abräumer. Die beiden besten deutschen defensiven Mittelfeldspieler sind Nmecha und Andrich – nicht die von Nagelsmann nominierten Spieler.

Im Sturm begann Havertz, technisch versiert, aber glücklos. Als er ausgewechselt wurde, kam Woltemade, was die Gefahr etwas erhöhte. Die Wahl von Nagelsmann für diese Spieler ist nachvollziehbar. Undav scheint alternativlos, trifft regelmäßig und ist schwer kalkulierbar. Wenn Undav mit Karl, Wirtz und Musiala zusammen agiert – drei wahre Zauberer hinter sich hat – möchte ich das unbedingt einmal erleben. Unvorstellbar, wohin das führen könnte.

Sane nutzte seine Chance nicht, blieb blass. Dagegen zeigten Raum und Baumann ordentliche Leistungen. Goretzka machte seinen Job ebenfalls ordentlich, hat seine Rolle aber noch nicht gefunden. Nagelsmann muss hoffen, seine Defensive in den Griff zu bekommen. Andrich nicht zu nominieren, wird er sicher bereuen. Er muss darauf vertrauen, dass Nmecha rechtzeitig fit wird. Falls nicht, wäre das ein schwerer Fehler.

Am Montag gegen Ghana wird sich zeigen, ob unsere Abwehr ohne gravierende Fehler agieren kann. Falls nicht, wird Rüdiger früher zurückkehren als erwartet. Anton und Thiaw gelten eher als Ergänzungsspieler, obwohl Thiaw schon starke Auftritte gezeigt hat. Es muss hinten definitiv etwas besser werden. Die Österreicher besiegten Ghana mit 5:1 – ein überzeugender und defensiv starker Auftritt, der auch für die Psyche des Teams hilfreich wäre.

Beim Zuschauen des Spiels Österreich gegen Ghana fiel besonders die Innenverteidigung der Österreicher auf: Danso, Friedl, Svoboda und Lienhart zeigten keine Unsicherheiten oder Fehlstellungen und spielten sehr sicher. Alaba saß auf der Bank und wurde nicht eingewechselt. Nun wird klar, warum Querfeld nicht nominiert wurde – Österreich verfügt einfach über zu viele gute Verteidiger. Wir sind gespannt, was am Montag passiert. Eisern!

Icke: Und was machen wir? Ein Besuch bei Lichtenberg 47 ist auch keine Option, da auch sie Pause haben. Am Freitag spielt Deutschland um 20.45 Uhr in Basel gegen die Schweiz. Am kommenden Montag ist dann das Spiel in Stuttgart gegen Ghana.

Große Überraschungen bei Nagelsmanns Berufungen blieben aus. Die größte Diskussion löste die Nominierung von Rüdiger aus. Viele Experten äußerten ihre Meinung, was sie ihnen Aufmerksamkeit verschaffte – wider dem Vergessen und zugunsten des eigenen Portemonnaies! Natürlich kann man Rüdigers Verhalten geteilter Meinung sein.

Wer aber einmal hinter die Kulissen erfolgreicher Teams geschaut hat, weiß: Für ein erfolgreiches Team braucht man nicht nur brave, nette Spieler, sondern auch einige „böse Buben“ – jene, die man lieber in der eigenen Mannschaft hat als als Gegner. Rüdiger ist genau so einer. Viele Spieler weichen ihm aus, weil er kompromisslos durchzieht. Nagelsmann hat sich für den sportlichen Erfolg entschieden – wer kann ihm das verdenken? Nicht vergessen: Fußball ist vor allem Kampf- und Laufsport.

Der hochbegabte Tempodribbler El Mala fehlt. Er ist zunächst für die U21 vorgesehen, aber die finale Entscheidung für die WM steht noch aus. Ansonsten gibt es im Kader keine Überraschungen. Kleindienst ist verletzt, Füllkrug noch nicht in Form, ter Stegen erneut verletzt. Der Rest mit Bundesliga-Potenzial ist dabei. Pavlovic und Nmechas Verletzungen sind nur vorübergehend, wobei man bei Nmecha skeptisch ist, ob er rechtzeitig fit wird.

Nagelsmann plant zu 99 Prozent ein 4-2-3-1-System. Im Tor setzt er auf Baumann, die Nummer zwei ist Nübel, als dritte Alternative wurde Urbig überraschend nominiert – angesichts der Zukunft nachvollziehbar. Tah und Schlotterbeck bildeten zuletzt eine erfolgreiche Innenverteidiger-Partnerschaft. Rüdiger ist als Joker parat. Thiaw und Anton ergänzen die Gruppe, aus der aber nur zwei spielen.

Auf der rechten Abwehrseite ist Kimmich Kapitän und gesetzt. Er bleibt dort und rückt nicht ins Mittelfeld. Vagnoman ist als defensiver Ersatz geplant und wurde Baku vorgezogen, weil er defensiv stärker ist. Das macht das Team flexibler. Links ist Raum gesetzt, der Frankfurter Brown steht als Ersatz bereit. Brown wirkte aber gelegentlich wackelig, weshalb Mittelstädt noch Chancen hat.

Im defensiven Mittelfeld ist Ex-Unioner Andrich leider nicht nominiert. Mit Ausfall von Pavlovic hat Nagelsmann ein Problem, da auch Nmecha verletzt ist. Niemand weiß, ob er noch zur WM fahren kann. Ein defensiver Sechser muss her. Die nominierten Groß, Stiller und Stach haben meiner Meinung nach nicht die Qualität von Andrich (in Normalform) oder Nmecha. Meiner Ansicht nach mangelt es an einem erfahrenen Kämpfer vom Typ Andrich oder Khedira, allerdings hat letzterer Tunesien zugesagt. Wahrscheinlich wird Nagelsmann die sicherere Variante mit Groß neben Goretzka wählen.

Im offensiven Mittelfeld setzt Deutschland auf Wirtz und Karl. Zudem wurden Gnabry, Sane, Leweling (leicht verletzt), Führich und Schade als Außen- und Halbstürmer nominiert. Musiala gehört auch zum Team, wurde aber wegen kleiner Blessur nicht berufen. Musiala, Wirtz und Karl werden wohl immer spielen, mindestens als Einwechselspieler. Diese Drei sind schlicht zu gut!

Da Kleindienst und Füllkrug verletzt sind bzw. noch nicht in Form, wurden nur die Mittelstürmer Undav, Havertz und Woltemade nominiert. Sie gelten derzeit als die besten deutschen Stürmer. Woltemade und Havertz agieren bevorzugt hinter einem echten Neuner. Wie dieses Duo zusammenspielt, wird man in den nächsten zwei Spielen sehen. Möglicherweise bringt das frischen Schwung, da beide spielerisch agieren statt mit roher Gewalt. Undav, der Straßenfußballer, könnte die Überraschung für die Gegner sein – ein Typ, bei dem niemand weiß, was er als Nächstes macht.

Union-Fans bekommen bei der WM auch etwas geboten. Neben Ex-Spieler Leweling hat Andrich noch eine kleine Chance. Rönnow hat aufgrund von Torwartmangel erneut Dänemark zugesagt, und Tunesien wird mit Khedira spielen. Somit werde ich neben den deutschen Spielen auch die Partien von Tunesien und Dänemark (Qualifikationsspiele gegen Nordmazedonien) verfolgen, sofern alles gut läuft. Eisern!

Unionfux: Man war doch etwas erstaunt über die offensichtliche Verärgerung des Sportgeschäftsführers direkt nach der Niederlage in München. Sicher, der Auftritt war schwach – sehr schwach, auch wenn man das 0:0 fast in die Pause retten konnte. Die klare Unterlegenheit war jedoch unübersehbar.

Die Spielerbewertungen, die grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind, waren jedenfalls so schlecht wie nie zuvor. Nur der eingewechselte Jeong erhielt eine 4, wohl aufgrund seines einzigen ernsthaften Abschlusses, bei dem Urbig alles aufbieten musste, um ein Gegentor zu verhindern. Der Rest bekam Noten zwischen 5 und 6. Das Debakel hielt sich zwar in Grenzen, zumal gegen einen sehr gut aufgelegten Gegner. Zudem taten uns die Kellerkinder den Gefallen, nicht näher heranzurücken. Der Abstand auf die Relegation beträgt immer noch sieben Punkte und auf einen direkten Abstiegsplatz zehn.

Bemerkenswerter als die Niederlage bei Bayern ist: Das letzte wirklich gute Spiel war der Heimsieg gegen RB Leipzig am 14. Spieltag. Dort besiegten wir einen nominell starken Gegner verdient und erzielten sagenhafte drei Tore – mittlerweile eine Seltenheit bei uns.

Seitdem gab es drei eher glückliche 1:0-Siege und vier Unentschieden, von denen nur der Punkt in Stuttgart bemerkenswert war. Kurz gesagt: Wir taumeln seit 13 Spieltagen durch die Saison, offensiv höchst überschaubar, hinten oft wackelig, und ein wirkliches Mittelfeld haben wir nicht ernsthaft.

Sportgeschäftsführer Heldt ist verärgert, weil wir auswärts beim designierten Meister chancenlos verloren haben. Fast jeder Spieler unseres Kaders tritt dauerhaft unter seinen Möglichkeiten auf, aber gegen Bayern erwartet Heldt Wunder? Was verstehe ich da nicht? Warum lässt man die Unzufriedenheit nicht früher raus, spätestens nach dem Heimdebakel gegen Werder? Aber stattdessen bleibt es ruhig – was auch immer das heißt. Kaum Unruhe ist ja gut, doch ein wenig mehr hätte man sich fast gewünscht.

Zugegeben: Tabellenmäßig und punktemäßig stehen wir für unseren Spielstil, der uns in fast allen wichtigen Statistiken der Liga auf den hinteren Plätzen sieht, überraschend gut da. Viele Experten wundern sich, wie das möglich ist – ich auch. Aber ich bin, wie alle anderen, zumindest froh darüber, denn das ist das Wichtigste. Schön spielen und den Relegationsplatz erreichen, macht ja auch nicht unbedingt glücklich.

Man kann also vorsichtig optimistisch sein, dass wir die Klasse halten, auch wenn unser Restprogramm äußerst schwer ist. Wir spielen – abgesehen vom Auswärtsspiel in Leipzig – nur gegen Mannschaften, die hinter uns stehen. Dass wir damit Schwierigkeiten haben, ist nahezu legendär. Dennoch ist das unser Maßstab. Die sechs bis neun fehlenden Punkte sollten drin sein. Zwar glaubt kaum jemand, dass Mannschaft und Trainer plötzlich alles zeigen, was sie so lange verborgen haben, aber ein wenig Hoffnung bleibt. Es sind nur noch knapp zwei Monate und sieben Spiele bis zum Ende. Dann können wir zufrieden auf unser achtes Jahr in der Bundesliga blicken.

Doch nun ist der verärgerte Heldt gefragt, damit dringend mehr Qualität und vor allem mehr Geschlossenheit in den Kader kommen. Auch die Leistungen der Spieler, die noch Vertrag haben und nicht überraschend abgeworben werden, gehören auf den Prüfstand – einschließlich des Trainers.

Ich würde nicht darauf wetten, dass dieser Stil, den manche als „Union-Stil“ bezeichnen (inklusive des Trainers), weiterhin größere Erfolge bringt. Wir hatten einmal einen Union-Stil, der in der Liga echten Respekt einflößte – nicht immer schön anzusehen, aber erfolgreich. Aktuell haben wir keinen Stil, so ehrlich muss man sein.

Sollte es uns gelingen, in den nächsten Wochen wenigstens die Geschlossenheit früherer Tage zurückzugewinnen, dazu etwas saubereres Spiel im Sinne von Passquote und Ballkontrolle, plus einige fußballerische Höhepunkte, könnte das Saisonfinale weniger nervenaufreibend werden als viele Teile der bisherigen Spielzeit.

Spannung hin oder her – ich würde mich darüber sehr freuen. Ich träume schon lange davon, mal entspannt in der 75. Minute in der Alten Försterei zu stehen und dem Abpfiff entspannt und freudig entgegenzusehen, weil wir klar führen und das Spiel kontrollieren. Vielleicht beim einen der vier noch ausstehenden Heimspiele? Wir werden sehen. Träumen darf man ja noch, oder?

Und dann bleibt zu hoffen, dass trotz aller Freude über den sicheren Klassenerhalt in einer der stärksten Ligen der Welt, die Wut bei den Verantwortlichen, vor allem bei Horst Heldt, so groß bleibt, dass konsequent die längst überfälligen Stellschrauben gedreht werden. Bis dahin: Endspurt olé!

Unionfux: Positiv zuerst: Wir hielten lange die Null, Jeong zeigte einen schönen Schuss, wir kassierten kein Gegentor nach Standards – und am Ende hielten wir die Niederlage in Grenzen. Doch insgesamt waren wir gegen die sehr engagierten und fokussierten Bayern nahezu chancenlos. Die Münchner hätten bei konsequenter Chancenverwertung locker doppelt so viele Tore erzielen können, wenn man bedenkt, dass Karl, Olise und selbst Kane hundertprozentige Chancen vergaben.

Beeindruckend waren die langen Pässe, die ankamen und verarbeitet wurden, die konzentrierte Leistung aller Bayernspieler, vorne wie hinten, gepaart mit Laufbereitschaft, großer Passsicherheit, tadelloser Ballbehandlung, Besetzung freier Räume und guter Raumaufteilung. So kann fast keine Mannschaft etwas holen, man muss akzeptieren, dass die Qualität des Gegners weit über der eigenen liegt.

Zur Erinnerung: Michael Olise hat einen höheren Marktwert als unser gesamter Kader und zeigte diesmal auch warum. Allerdings machten wir es ihnen zu einfach, begingen nur acht Fouls, liefen wieder wenig und standen nicht eng genug. Die wenigen Chancen wurden ungenau vergeben, bis auf Jeongs Schuss eine Viertelstunde vor Schluss, den Urbig aus dem Winkel kratzte. Doch da war das Spiel längst entschieden.

Die Gegentore waren sauber herausgespielt, besonders das dritte Tor durch Kane: Wie er sich auf engstem Raum gegen zwei Verteidiger durchsetzt und unhaltbar abschließt, war Weltklasse. Das muss man neidlos anerkennen. Ärgerlich war das zweite Gegentor – kurz vor der Pause, eine Minute Nachspielzeit, und Rönnow hat den Ball. Warum dann lang abschlagen, wo man doch weiß, dass der Ball zurückkommt? Statt den Ball hinten rum zu spielen, kassierten wir noch das zweite Tor, eine Vorentscheidung. Das war unnötig und maximal ungeschickt. Ob die Spieler das wissen oder der Trainer es ihnen nicht sagt, bleibt offen.

Wobei: Wir hätten auch so verloren, denn wir waren an diesem Samstag nur Statisten, die nicht komplett abgeschossen wurden. Trotz Unterlegenheit und Mutlosigkeit – was angesichts der Überlegenheit des Gegners verständlich ist – sind solche Niederlagen leichter zu verkraften als gegen Gegner auf Augenhöhe. Die Bayern sind uns überlegen, spielen in ihrer Form nur theoretisch in unserer Liga – die Null Punkte sind daher einkalkuliert.

Umso wichtiger ist der Sieg in der Vorwoche und die verbleibenden sieben Spiele, davon sechs gegen Teams, die eigentlich auf unserem Niveau sein sollten. Gegen diese zu punkten ist die verdammte Aufgabe – das muss ohne Wenn und Aber möglich sein. Trainer und Mannschaft müssen sich etwas einfallen lassen, das funktioniert und endlich umsetzen, damit die sechs bis acht Punkte geholt werden.

Ein Spiel bei den gut aufgelegten Bayern in der Allianz Arena kann man abhaken und sich auf das Machbare konzentrieren – nicht mehr und nicht weniger.

Icke: Am Samstag um 15.30 Uhr spielen wir bei den Bayern. Das ist unser schwerstes Spiel des Jahres. Warum? Weil die Erwartungshaltung gering ist. Selbst wenn wir hoch verlieren, gilt das als normal.

Umgekehrt können wir nur gewinnen. Eine knappe Niederlage oder, besser noch, ein Punktgewinn wäre ein Erfolg.

Ja, die Bayern – aktuell in Person von Altmeister Uli Hoeneß – beklagen sich mal wieder über angebliche Benachteiligungen durch Schiedsrichter. Ich lache darüber. Die sollten mal unsere Schiris beobachten, die bei gefühlten 87,56 Prozent aller strittigen Situationen gegen uns entscheiden, als gäbe es eine Instanz im DFB, die uns loswerden will.

Uns kratzt das nicht, wir sind es gewohnt. Und wir haben richtig Lust, den Bayern im eigenen Stadion weh zu tun. Die haben zudem Sorgen: Jackson und Diaz sind gesperrt, die ersten vier Torhüter angeschlagen, Ito, Davies, Ndiaye und Musiala verletzt. Trotzdem steht eine überragende Mannschaft auf dem Platz. Olise, Kane, Karl, Goretzka, Upamecano, Tah, Kimmich und Pavlovic werden uns das Leben schwer machen – und das versuchen sie auch.

Wir müssen unser Spiel durchziehen. Ballbesitz wird kaum über 25 Prozent steigen, deshalb müssen unsere Konter sitzen. Auch wir müssen Ausfälle kompensieren. Freiburg-Spieler Raab, Leite, Skov und Schäfer fallen sicher aus. Von Rönnow hoffen wir noch auf eine schnelle Genesung.

Baumgart wird wegen der schweren Aufgabe wohl wieder zur Dreierkette zurückkehren, mit Rönnow, Doekhi, Querfeld und Nsoki in der Abwehr. Davor Khedira als Abräumer. Links wird Köhn wohl starten, rechts Trimmel, nach seinem tollen Tor könnte Jeong den Vorzug vor Ansah erhalten. Neben Ilic, Jeong und Burke erwarte ich einen zusätzlichen zentralen Mittelfeldspieler zur Absicherung – wahrscheinlich Kral. Wir hoffen, die Bayern mit drei offensiven Spielern zu überraschen. Das sollte sie verunsichern.

Ein weiterer Grund, warum wir so entspannt nach München fahren: Unsere Tabellensituation. Durch den überraschenden Sieg in Freiburg haben wir jetzt 31 Punkte. Neun Teams stehen noch hinter uns. Heidenheim ist mit 17 Punkten Rückstand praktisch weg. Obwohl noch acht Spieltage verbleiben, mit maximal 24 Punkten möglich, wird das niemand schaffen.

Einige Teams hinter uns werden nicht alle Spiele gewinnen und nehmen sich gegenseitig Punkte weg. 34 bis 35 Punkte reichen in dieser Saison sicher zum Klassenerhalt. Das wären noch ein Sieg und ein Remis aus acht Spielen. Ich sage: „Ja, das schaffen wir sicher!“ Und gehen gelassen ins achte Bundesliga-Jahr in Folge. Eisern.

Unionfux: Halleluja: Union holt einen überraschenden Sieg beim SC Freiburg, der seit August 2025 zu Hause ungeschlagen war. Drei extrem wertvolle Punkte, die uns vorerst aus dem Abstiegskampf herausbringen und auf Platz neun setzen.

Wir mussten einige Stammkräfte ersetzen: Rönnow ist verletzt, Querfeld gelbgesperrt, Schäfer rotgesperrt.

Unser Spiel war erneut nicht überzeugend, besonders offensiv taten wir uns schwer, trotz offensiver Aufstellung mit Burcu, Ilic und Ansah. Erwähnenswert waren nur ein guter Schuss von Ilic und eine vielversprechende Chance von Kral. Oft scheiterten wir an ungenauen Pässen, falschen Entscheidungen und technischen Fehlern. Freiburg war zwar besser, doch auch dort fehlte oft die letzte Konsequenz.

Das Spiel schien lange auf ein torloses Remis hinauszulaufen. Doch in der Nachspielzeit, die am Ende 15 Minuten dauerte, bereitete Nsoki mit seinem besten Pass des Spiels den eingewechselten Jeong vor. Der ließ seinen Verteidiger aussteigen und erzielte das Siegtor. Warum nicht öfter, Woo?

Wenig später gab es eine strittige Szene im Strafraum, die vom Schiedsrichter als Ecke entschieden wurde. Der VAR bestätigte das. Welch ein Glück für uns – so etwas fehlte uns zuletzt. Der eingewechselte Torwart Raab verletzte sich bei dieser Aktion an der Hand, konnte aber weiterspielen. Kurz vor Schluss parierte er noch einen großartigen Schuss. Das Spiel endete mit einem glücklichen, aber verdienten Auswärtssieg, auf den wir so lange gewartet haben.

Icke: Am Sonntag um 17.30 Uhr geht es weiter. Union tritt in Freiburg an. Nach zwei schwachen Spielen droht einem Angst und Bange. Doch so ist der Berliner Fußball oft: Auf und Ab. Hoffen wir, dass es diesmal besser läuft.

Gerade vor dem schweren Spiel gegen Bayern sind Punkte gegen Freiburg wichtig. Querfeld und Schäfer fehlen gesperrt, Leite ist verletzt. Rothe und Skov sind noch im Aufbau. Ob Rönnow spielt, ist fraglich. Er hat eine leichte Fußverletzung. Im Notfall würde Raab ins Tor rücken und Klaus auf die Bank. Das sind keine guten Voraussetzungen im Abstiegskampf, in dem wir uns leider wieder befinden. Baumgart muss in der Defensive improvisieren. Weil zwei wichtige Innenverteidiger fehlen, könnte Kral in die Abwehr zurückgezogen werden. Khedira ist zu wichtig fürs Mittelfeld. Unklar ist, ob Kral rechts oder zentral spielen wird. Baumgart wird wohl keine Viererkette aufstellen, obwohl das eine Option wäre.

Freiburg steht auf Platz 8 und ist in guter Form. Sie kämpfen mit Frankfurt um Platz 7, der wahrscheinlich für internationale Spiele reicht. Freiburg wird alles geben und uns das Leben schwer machen. Wir liegen sechs Punkte hinter Freiburg, aber nur vier vor dem Relegationsplatz. Nach Freiburg und Bayern wartet St. Pauli auf uns, die derzeit auf dem 16. Platz stehen. Da kann viel passieren – nicht immer zu unseren Gunsten.

Eine mögliche Aufstellung in Freiburg mit Dreierkette könnte so aussehen: Rönnow – Kral, Doekhi, Nsoki – Trimmel, Khedira, Kemlein, Köhn – Burke, Ilic, Burcu. Mit Viererkette: Rönnow – Trimmel, Doekhi, Nsoki, Köhn – Kral, Khedira, Kemlein – Burke, Ilic, Burcu. Diverses ist möglich.

Unser Kader ist stark genug, auch bei wichtigen Ausfällen eine schlagkräftige Elf zu stellen. Das Märchen, unser Kader sei zu schwach für die Bundesliga, stimmt nicht. Er ist auf manchen Positionen nur falsch zusammengesetzt. Dennoch reicht die Qualität aus, um auch in Freiburg zu bestehen. Alles andere wäre eine Ausrede.

Freiburg setzt auf zwei Spielmacher auf den Halbpositionen, Beste und Grifo, die wir genau im Auge behalten müssen. Sollten beide in Manndeckung genommen werden, könnte Freiburg Schwierigkeiten bekommen. Wir drücken alle Daumen! Eisern.

Unionfux: Es war kaum zu glauben: Auf die schwächste Saisonleistung in Gladbach folgte prompt die schlechteste Heimleistung gegen Werder Bremen. Wir hatten nur einen Torschuss, ein Elfmeter von Derrick Köhn. Danach kassierten wir eine zu harte Rote Karte gegen Schäfer und gaben das Spiel komplett aus der Hand – wie verängstigte Kaninchen.

Bremen nutzte die Überzahl und machte zwei Tore gegen eine wacklige Abwehr, die kaum noch den Hauch einer Chance zuließ. Unsere Passquote lag unter 60 Prozent, die von Bremen bei fast 90 Prozent. So kann kein Spiel entstehen, geschweige denn offensiv gefährlich sein.

Nach der Pause ließ Baumgart kaum Veränderungen erkennen, keine Auswechslungen, keine Anpassungen. Unsere Offensive bestand aus langen, ungefährlichen Bällen. Bremen spielte locker weiter und dominierte. Unsere Mannschaft wirkte völlig ratlos, ohne Plan B, ohne Kampfgeist, mit katastrophaler Körpersprache.

Das war ein debakelartiger Auftritt gegen einen Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt. So kann man niemanden besiegen, auch nicht in tieferen Ligen. Wir waren weder mutig noch clever, sondern völlig harmlos und ineffizient.

Das ist eine Bankrotterklärung. Die Mannschaft wirkt erschöpft, ohne Selbstvertrauen und ohne klare Führung. Der Trainer muss dringend liefern, sonst wird es noch schlimmer. Die Fans sind enttäuscht, das Präsidium muss handeln.

Wir sind weit entfernt von einem guten Weg. Noch lange nicht gerettet. Eisern.

Icke: Wer die Lage genau betrachtet, wird schnell nervös. Bremen steht auf Platz 16 und kämpft um den Klassenerhalt. Ein Sieg bei uns könnte ihnen den Weg aus der Krise ebnen. Danach haben sie Spiele gegen Mainz und Wolfsburg – beides Konkurrenten im Abstiegskampf.

Wir glaubten schon, mit dem guten Spiel gegen Frankfurt die Abstiegsgefahr überwunden zu haben, doch leider folgen auf gute Spiele oft miserable. Gegen Hoffenheim verloren wir 1:3, gegen Hamburg 2:3, gegen Leverkusen knapp 0:1, und das alles bei mäßigen Leistungen.

Nach diesem Muster sind wir wieder in der Gefahr. Wir müssen am Sonntag Bremen schlagen, um nicht weiter abzurutschen, und danach warten schwere Auswärtsspiele in Freiburg und München.

Der Kader lichtet sich zusehends. Leite, Rothe, Juranovic, Skov und Ersatzkeeper Raab fallen aus. Zumindest Ilic ist wieder fit. Burke, Skarke und Jeong sind als Offensivkräfte weiter an Bord, allerdings fehlt die Konstanz und Durchschlagskraft.

Wir brauchen dringend bessere Leistungen und neue Impulse, vor allem im Sturm und kreativen Mittelfeld. Vielleicht bringt eine Umstellung endlich den erhofften Schub. Hoffen wir es. Eisern.

Unionfux: Noch zehn Spieltage bis Saisonende. Wir werden den Klassenerhalt schaffen, auch wenn viel nicht mehr zu erwarten ist – das zeigen die letzten Spiele klar. Zwei Unentschieden und zwei Siege sollten reichen, und das schaffen wir bestimmt. Dann geht’s locker ins achte Bundesliga-Jahr in Folge – ein großer Erfolg.

Aber wie? Seit zweieinhalb Jahren macht uns unser Spielstil kaum Freude. Selbst das Passspiel ist mittlerweile ein Glücksspiel. Natürlich kann es nicht immer gut laufen, aber begeisternde Spiele sind selten.

Viele Spieler sind längst Schatten ihrer selbst, auch wenn hin und wieder etwas aufblitzt. Wir haben zu viele Spieler, die Dienst nach Vorschrift leisten: nicht schlecht, aber kaum herausragend.

Kein Wunder, dass kaum einer zu einem anderen Verein wechselt. Viele sind zu unauffällig und fehlerhaft. Wann ist zuletzt ein Spieler durchgestartet? Nur Hollerbach, ansonsten waren die meisten Abgänge finanziell ein Minusgeschäft.

Viele unserer jüngsten Transfers glänzten nur kurz, passten sich dann dem niedrigen Niveau an. Insgesamt haben wir viele Mitläufer, aber kaum Führungsspieler. Der Trainer hat es bisher nicht geschafft, der Mannschaft eine eigene Handschrift und passende Taktik zu geben. Die Stabilität allein reicht nicht.

Klare Ansagen vom Präsidenten wie „Wer Fußball entwickeln will, fliegt raus!“ helfen nicht. Manager Heldt hat zwar gute Laune, aber wenig Erfolge vorzuweisen und einige Fehlgriffe. Das kann ein Topklub kompensieren, für uns ist es eine Gefahr.

Fakt ist: Alle müssen sich deutlich steigern, wenn das überhaupt möglich ist. Mehr vom Gleichen bedeutet nur, dass wir die Augen vor der Realität verschließen. Die Fehler müssen reduziert, die Reibungsverluste minimiert werden.

Die ungeliebte Rückkehr ins Olympiastadion wird weitere Prozentpunkte kosten, die Alte Försterei ist kein Ersatz. Daraus folgt: Wir müssen aus der Komfortzone raus und dringend Lösungen finden, auch bei der Kaderzusammenstellung und dem Trainer. Sonst wird der Klassenerhalt gefährdet.

Eisern.