Union-Berlin-Blog: Wer bei uns Fußball weiterentwickeln will, fliegt raus
Berlin - Eisern: TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, betreut von drei echten Berliner Fußball-Fan-Urgesteinen.
Die Verfasser:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 1970er Jahre Unioner, zudem als Betriebswirt seit über drei Jahrzehnten im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet, Vater eines erwachsenen Kindes und lebt heute in Grünheide. Icke ist der Gründer dieses Blogs.
Unionfux (Tobias Saalfeld) trägt seit mehr als 40 Jahren das Union-Herz, arbeitet als Freiberufler für Bühne, Rundfunk und Fernsehen, wo er ebenfalls schreibt.
Beecke (Christian Beeck) ist ehemaliger Bundesliga-Profi (Hansa Rostock, Cottbus) und Ex-Manager bei Union. Er absolvierte 21 Länderspiele für DDR-Junioren und stammt aus der eigenen Nachwuchsschmiede. Beecke ist Vater von zwei Kindern und berät in unserem Blog.
Unionfux: Gestern erschien in der BZ ein Interview mit unserem Präsidenten Dirk Zingler (61), geführt vom bekannten Matthias Koch anlässlich des bevorstehenden 60-jährigen Vereinsjubiläums. Besonders eine Aussage will ich hervorheben: Zingler stellte klar, wie er Kritik an der mangelnden fußballerischen Entwicklung bewertet: „Wer bei uns Fußball weiterentwickeln will, fliegt raus.“ Er fügte hinzu: „Wir versuchen, mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen und Rahmenbedingungen erfolgreichen Fußball zu spielen. Das ist die Anforderung im Klub: pragmatischen, erfolgreichen Fußball, keinen riskanten, mit Spielertypen, die wir uns nicht leisten können. Eine spielerische Weiterentwicklung kann man zwar verlangen, aber sie wird es so nicht geben.“
Eine ungewöhnliche und sehr kategorische Aussage. Natürlich weiß man, dass Zingler manchmal provoziert, um Aufmerksamkeit zu generieren. Dennoch sollte ihm bewusst sein, dass Erfolg wichtig ist, aber nicht zulasten spielerischer Qualität mit der schlechtesten Passquote und dem geringsten Ballbesitz der Liga erreicht werden sollte. Dass wir uns bestimmte Spielertypen nicht leisten können, ist klar. Allerdings gelang es uns zum Beispiel mit Max Kruse eine Ausnahme zu machen, dessen Unterschied sichtbar war. Selbst nach seinem Abgang, obwohl er sportlich im Niedergang war, spielten wir weiterhin erfolgreich, attraktiv und erreichten sogar die Champions League. Die Hälfte der damaligen Mannschaft spielt noch bei uns, und die übrigen waren nicht gerade Stars. Das beweist, dass guter Fußball auch ohne teure Transfers möglich ist. Denn mit solchen Verpflichtungen begann im Folgejahr das Fiasko – hauptsächlich, weil die funktionierende Mannschaft durcheinandergeraten ist und besserer Fußball ausblieb.
Jede Mannschaft braucht Fortschritt - Stillstand ist keine Zukunft. Bessere Spielweise bedeutet nicht automatisch Zauberfußball à la Barcelona oder Bayern und heißt auch nicht, dass man spielerisch mithalten muss oder will. Für mich heißt besserer Fußball: konstantere Leistungen, individuelle Verbesserung der Spieler, Strategien gegen tief stehende Gegner (sonst bangt man gegen Tabellenletzte mehr als gegen Spitzenreiter), präziseres Passspiel und Ballannahme (trainierbar), bessere Antizipation und eingespielte Laufwege. So lässt sich Risiko reduzieren, nicht erhöhen – und das schließt Kampfgeist, Laufbereitschaft und defensive Pflichterfüllung keineswegs aus.
Spieler wie Benes oder Leweling würden uns langfristig weiterbringen, auch wenn nicht sofort. Null Risiko funktioniert weder im Fußball noch im Leben, es erzeugt eine trügerische Sicherheit. Wenn Zingler glaubt, dass trotz „Schweinefußball“ 70.000 Zuschauer ins Olympiastadion strömen und 4.000 teure Business-Seats besetzt werden – wovon er im Interview auf Grund unserer finanziellen Lage („Schlaraffenland“) spricht – könnte er sich irren. Der harte Kern der Fans ist nicht groß, und Eventbesucher mögen weder das Oly noch minimalistischen Fußball. Ein solcher Fußball führt höchstwahrscheinlich in den Abstieg, dessen Folgen schwer zu korrigieren sind, wie Beispiele zeigen.
Daher brauchen wir unbedingt Fortschritt und Spieler, die Fußball spielen wollen und können – natürlich unter Berücksichtigung unserer Mittel und mit Vernunft. Trainer und Sportdirektor in einem Verein wie unserem sind besonders gefordert, das vorhandene Potenzial bestmöglich zu nutzen. Fehleinschätzungen kann man sich kaum leisten, was die Aufgabe erschwert. Sportliche Entwicklung gleich von Vornherein auszuschließen, ist schwer verständlich und zeugt von Schwarz-Weiß-Denken. Zudem ist das für ambitionierte Spieler, insbesondere Offensivkräfte, unattraktiv. Darum halte ich markige Statements wie dieses nicht nur für schwierig, sondern für falsch – auch wenn das bekannte Motto zutrifft: „Ick jeh nich zum Fußball, ick jeh zu Union!“ Trotzdem sollte so ein Spruch nicht die Philosophie bestimmen. Schön war guter Fußball in 47 Jahren Union eher selten.
Ich gehöre zu denen, die weiterhin spielerische Weiterentwicklung fordern (verlangen kann ich sie nicht). Dass Pragmatismus und Erfolg an erster Stelle stehen, versteht sich von selbst - das eine schließt das andere nicht aus. Da Trainer Baumgart heute verlängert wurde, scheint er dem Auftrag des Präsidenten zu folgen. Ich hoffe jedoch, nicht zu strikt. Manchmal blitzen ja schon Spielzüge auf…
Icke: Die überdimensionierte und künstlich aufgeblasene WM 2026 wirkt negativ auf den Spielplan von Union Berlin. Die „Spielplan-Experten“ des DFB hätten klüger agieren müssen – nun haben wir das Problem.
Am Samstag bestritten wir unser reguläres Ligaspiel gegen Mainz. Bereits am Donnerstag (20:30 Uhr) geht es nach Augsburg, bevor wir am Sonntag (15:30 Uhr) zum VfB Stuttgart reisen.
Drei Partien in nur acht Tagen - zwischen Augsburg und Stuttgart bleiben uns nur 48 Stunden zur Erholung. Warum kein Protest eingelegt wurde, erstaunt mich. Wahrscheinlich schätzen Zingler und Kosche unsere Chancen gering ein. Ich auch, dennoch hätte ich protestiert. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung, die nicht alle Teams gleichermaßen belastet. Doch jetzt ist die Entscheidung gefallen.
Aufgrund der vielen Auswärtsspiele und der kurzen Pause erwarten viele nichts von uns. Zwei Niederlagen wären „normal“. Doch gerade hier hoffen wir auf eine Überraschung. Augsburg wurde zuletzt mit 0:4 in Gladbach abgewatscht – bitter. Doch sie sind kein Lieblingsgegner. Von 16 Duellen gewannen wir nur zwei. Diese Statistik gilt es zu verbessern. Wenn es eng wird, sind wir meist voll da.
Augsburg steht auf Platz 15, nur zwei Punkte hinter der Relegation. Trainer Manuel Baum ist Interimstrainer bis 30. Juni 2026. Es rumort noch etwas, und Baum probiert viel: So setzte er etwa den Berliner Außenbahnspieler Anton Kade als Mittelstürmer ein (Bruder von Ex-Unioner Julius Kade). Er testete Kevin Schlotterbeck zentral in der Abwehr und zuletzt den 19-jährigen Banks ebenfalls in der Mitte. Das zeigt: Augsburg sucht noch nach der besten Lösung. Nutzen wir das aus! Unsere Abwehr steht. Rechts muss Trimmel wieder ran, vorn sollte Baumgart auf Kontinuität setzen. Ansah draußen zu lassen, war fast ein Fehler – auch Schäfer ist derzeit stärker als Kemlein. Eine mögliche Aufstellung: Rönnow – Doekhi, Querfeld, Leite – Trimmel, Khedira, Schäfer, Köhn – Burke, Ilic, Ansah.
In Stuttgart wird es wohl viel Rotation geben. Die Partie in Augsburg wird nicht spurlos bleiben, sodass nach 48 Stunden alle wieder fit sein müssen. Für das Spiel in Stuttgart mache ich mir wenig Sorgen. Gegen Spitzenmannschaften passen wir uns meist an deren Niveau an. Wenn unsere Abwehr steht, müssen nur noch Ansah oder Burke, vielleicht sogar Ilic, einen Top-Tag erwischen, dann holen wir auch dort etwas.
Apropos Ilic: Zwischen Unionfux und mir gab es eine intensive Diskussion, ob Ilic die Chance vor dem leeren Mainzer Tor nutzen sollte. Ich bleibe bei Ja. Unionfux meint, es sei komplizierter als gedacht. Einigkeit herrscht dennoch darüber, dass kaum jemand so engagiert spielt wie er. Er arbeitet auch defensiv stark mit und zeigt mit acht Torvorlagen in Pflichtspielen (sechs Bundesliga, zwei Pokal) eindrucksvolle Kreativität. Nun sollte er auch selbst treffen.
Lieber Baume, falls Ljubicic nicht verliehen werden kann – Du hast keinen effizienteren Stürmer im Kader. Zweimal eingewechselt, zweimal mit Torerfolg. Nur ein kleiner Hinweis, falls wieder ein Tor benötigt wird! Eisern.
Unionfux: Union gegen Tabellenletzte ist ein eigenes Thema, besonders zu Hause – leider kein gutes. Die Beispiele sind bekannt.
Nachdem der prognostizierte Schneesturm ausblieb (Alarmismus ist in Deutschland oft übertrieben), sind die Bedingungen erträglich – immerhin Januar. Das Spiel ist speziell, weil der Tabellenletzte Mainz 05 mit neuem Trainer Urs Fischer anreist – von den Fans mit „Fußballgott“ begrüßt.
Die Anfangsphase war noch ordentlich: Khedira erkämpfte sich auf rechts den Ball, passte auf den Debütanten Burcu, doch der vergab aus fünf Metern. Wir versuchten weiter, Dominanz aufzubauen, doch bis zur 15. Minute hatte Mainz die Oberhand und kam zu Chancen, die Rönnow sicher entschärfte.
In der 30. Minute spielte Lee einen guten Pass in die Spitze, eine Abwehrlücke klaffte, Amiri nutzte das technisch geschickt zum 1:0. Fast antwortete Burcu, schoss aber knapp vorbei. Bis zur Halbzeit passierte wenig, wir taten uns im Spielaufbau schwer, versuchten zu oft lange Bälle. Nur nach einer Ecke kam Burke noch zu einer Chance, die er nicht nutzte.
Nach der Pause blieb es zäh. Erst nach einer Stunde hatte Burke eine Möglichkeit, kurz darauf scheiterte Khedira knapp an einer Hereingabe. Mainz erhöhte auf 2:0 mit einem schnellen Spiel über Lee und Veratschnig, Hollerbach stand frei am langen Pfosten und traf sicher. Hollerbach zeigte im Spiel seine Stärken und Schwächen, verfehlte kurz darauf das Lattenkreuz. Die Hoffnung auf mindestens zwei Tore auf Seiten Unioner schwand.
Doch dann bediente der eingewechselte Ansah Köhn, der präzise auf Jeong flankte, der per Kopf traf. Nur zwei Minuten später nahm Schäfer (ebenfalls eingewechselt) einen Fehlpass auf, hob den Ball aus 25 Metern aufs Tor, traf aber nur die Latte – den Abpraller konnte Ilic nicht verwerten. Es ist erstaunlich, wie sehr er vom Pech verfolgt wird und noch ohne Torerfolg ist.
Wir machten Druck, Köhn brachte einen Freistoß aus dem linken Halbfeld, Doekhi köpfte an die Unterkante der Latte, schließlich köpfte Ljubicic den Ball ins Tor – die Szene war knapp, aber verdient. Wir versuchten noch auf das dritte Tor zu gehen, doch Ansahs Schuss wurde geblockt. Kurz vor Schluss wurde das Spiel wild und hektisch, es blieb beim Unentschieden.
Ein Punkt ist eigentlich zu wenig, doch angesichts des Spielverlaufs ist die Schadensbegrenzung zufriedenstellend. Die letzten 15 Minuten zeigten den nötigen Druck, um eine Bundesliga-Partie gegen einen besseren Gegner zu gewinnen, auch wenn Mainz besser spielt, als ihr Tabellenplatz vermuten lässt. Die spielerische Qualität der Mannschaft bleibt fraglich, doch für den Klassenerhalt reicht der Punkt vorerst.
Am Donnerstag geht es weiter nach Augsburg, am Sonntag startet die Rückrunde in Stuttgart, wo Leweling weiter aufdreht – den wir ja für schlanke fünf Millionen verschenkt haben. Das ärgert mich noch immer, vor allem da Stuttgart gerade ein 40-Millionen-Angebot aus der Premier League ablehnte. Und wir hoffen noch auf einige Millionen für Leite und Doekhi. Da läuft einiges nicht optimal.
Icke: Das Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz 05 am 10. Januar 2026 um 15:30 Uhr wird voraussichtlich stattfinden. Christian Arbeit sieht das auf Nachfrage ebenso.
Der Deutsche Wetterdienst hat seine Schneewarnung zurückgezogen, bei prognostizierten -4 Grad gibt es keinen Grund zur Spielverlegung. Die Schneeräumung übernehmen Union und einige Fans.
Mainz 05 wird ein interessanter Gegner sein. Zum einen trifft man auf Urs Fischer, den neuen Trainer, zum anderen kommen sie als Tabellenletzter. Ein reines Verteidigungsspiel ist von Mainz nicht zu erwarten, denn sie brauchen dringend Punkte. Der Abstand zu den rettenden Plätzen beträgt sechs beziehungsweise vier Punkte.
Fischer hat bislang keine großen Veränderungen vorgenommen. Das Aufbauspiel um Nebel, Amiri und Lee ist weiterhin stark – wahrscheinlich besser als bei uns. Vorn steht Tietz aus Augsburg oder U21-Nationalspieler Weiper zur Verfügung, auf beide müssen wir achten.
Vor dem Spiel wird der tragische Tod von Andre Rolle präsent sein. Viele werden ihm gedenken, eine Choreographie und Gedenkminute sind vorgesehen. Rolle hat sich große Verdienste um Union erworben und wird sicher mit uns zusammen das Spiel verfolgen.
Der 1. FC Union könnte mit einem Heimsieg seinen überraschend guten achten Tabellenplatz festigen. Frankfurt muss gegen Dortmund punkten, damit der Abstand nicht größer wird. Doch wir wollen nicht zu hoch fliegen, ganz besonders im Andenken an Andre Rolle, der den Erfolg immer ablehnte. Wir freuen uns auf ein schönes Spiel gegen unseren Ex-Trainer. Eisern!
Icke: Mich hat die Nachricht gestern Abend umgehauen. Andre Rolle, mein Freund, ist am 5. Januar 2026 friedlich im Krankenhaus Köpenick eingeschlafen, nachdem er sich von seinen Liebsten verabschieden konnte.
Andre Rolle war ein großartiger Mensch – Vater, Sohn, Unioner, Freund. Christian Beeck brachte es auf den Punkt: „So ein feiner Mensch“. Mit 68 Jahren ist er viel zu früh gegangen. Noch im vergangenen Sommer hatte er versprochen, mich in meinem neuen Zuhause zu besuchen. Oft kam etwas dazwischen.
Obwohl Rolle krank war, schien sich sein Zustand zuletzt zu bessern. Seine Besuche im Virchow-Krankenhaus wurden seltener. Dann kam dieser schwere Schlag. Unser ehemaliger Stadionsprecher war ein Vorbild-Unioner, immer klar in seiner Meinung, auch wenn nicht jeder sie mochte. Besonders viel Spaß hatten wir bei der Gründung des FC User 04 – ein Fan-Fußballspiel An der Alten Försterei mit allem Drum und Dran. Lieber Andre, wir werden Dich sehr vermissen. Solche Menschen wie Dich gibt es kaum noch. Eisern.
Unionfux: André Rolle kannte ich lange, bevor ich ihn persönlich traf – zumindest durch seine markante Stimme als langjähriger Stadionsprecher in schwierigen Zeiten der 1990er Jahre. Später schätzte ich seine intelligenten und wichtigen Beiträge im Union-Forum. Umso mehr freute ich mich, als er Kontakt suchte. Wir verstanden uns auf Anhieb, trafen uns oft – jedes Treffen ein Highlight. Wir teilten häufig dieselbe Sicht auf Spiele und Vereinsgeschehen. Wenn nicht, diskutierten wir leidenschaftlich und ich lernte viel von ihm. André war klug, aufgeschlossen, hatte ein großes Herz und war legendär stur.
Er verweigerte etwa strikt einen Ausweichbesuch im Jahn-Tierpark in der Aufstiegssaison in die Zweite Liga, weil dort lange ein ehemaliger Serienmeister spielte und das für ihn dem Verein unwürdig war. Das mag man verstehen oder nicht, aber es zeigte seine festen Prinzipien und starken Charakter.
In den letzten Jahren ging es ihm gesundheitlich zunehmend schlechter, er nahm es tapfer hin. Die Zeiten, in denen man sich im Stadion traf und kurz austauschte, sind vorbei. Zuletzt telefonierten wir an meinem Geburtstag vor zwei Monaten. Er klang wie immer, wusste aber um seine kritische Lage. Er wünschte sich, seine Enkel noch aufwachsen zu sehen, was leider nicht mehr möglich ist. André Rolle ist viel zu früh von uns gegangen. Er hinterlässt eine große Lücke, die nicht zu schließen ist. Doch er lebt weiter in unseren Erinnerungen und Herzen. Gute Reise, André. Ich bin traurig und dankbar, Dein Freund gewesen zu sein.
Unionfux: Die Winterpause ist vorbei – oder besser gesagt: die kurze Weihnachtspause. Gestern startete das Training, in einer Woche geht es schon wieder um Punkte, wenn Mainz 05, aktuell Tabellenletzter, bei uns An der Alten Försterei gastiert. Hoffentlich machen die Wetterbedingungen mit.
Wie das neue Jahr für Union wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer sagen. Klar ist: Die Herausforderungen bleiben groß. Der Januar bringt fünf Punktspiele in drei Wochen – zwei noch zur Hinrunde gegen Mainz und in Augsburg, dann Rückspiel gegen Stuttgart, Borussia Dortmund und Hoffenheim. Das offene Transferfenster sorgt zusätzlich für Unruhe. Besonders unsere Defensive steht im Fokus. Der mögliche Abgang von Leite ist womöglich leichter zu kompensieren als der von Doekhi. Auch die Personalie Ilic und mögliche weitere Abgänge sorgen für Unsicherheit.
Die Frage ist, ob wir uns verstärken oder Abgänge adäquat ersetzen können – und wie schnell die Neuzugänge sich integrieren. Der Wintertransfermarkt ist schwieriger als der Sommer. Die aktuelle Öffnungszeit erschwert das zusätzlich. Ein längeres Fenster von Mitte Dezember bis Mitte Januar könnte sinnvoller sein, trotz der Feiertage. Transfers, die erst am 22. Spieltag Wirkung zeigen, sind nicht ideal. Zudem erzeugt die Unruhe Wettbewerbsverzerrungen. Hoffen wir, dass die Geschäfte diesmal glatt laufen. Wir vertrauen auf Horst Heldt und eine Portion Glück.
Zum Auftakt testen wir zweimal 60 Minuten gegen Wismut Aue, trainiert von Jens „Nischel“ Härtel, ehemaliger Union-Spieler in den turbulenten 1990ern. Hoffentlich sind die Platzverhältnisse spielbar. Die Vorfreude ist groß. Die Aussicht, den Klassenerhalt früh zu sichern, macht Mut. Der Jahresausklang 2025 machte Lust auf mehr – Ende Januar wissen wir mehr.
Ich möchte nicht versäumen, allen Lesern ein gutes Jahr 2026 zu wünschen. Bleibt Union gewogen, wir hoffen auf das Beste für unseren Verein – mehr Kontinuität auf dem Platz und dass die Alte Försterei wieder zur uneinnehmbaren Festung wird. Also tief durchatmen, wie eine alte Ölwerbung sagt: Es gibt viel zu tun. Packen wir es an!
Icke: Wenn Leeds wirklich Interesse an Doekhi zeigt, haben wir wohl keine Chance. Der deutsche Leeds-Trainer Farke plant im Winter eine Umstellung auf Dreierkette. Nach dem 19. Spieltag belegt Leeds Platz 16 und ist abstiegsgefährdet. Eine Umstellung macht Sinn, um die Defensive zu stärken. Und was eignet sich besser als der torgefährlichste Innenverteidiger Europas? Unser Vorteil: Wir wissen, dass sie ihn unbedingt wollen und brauchen, sodass wir wohl einen höheren Preis erzielen können. Wenn wir noch sechs Millionen erlösen, wäre das ein großer Erfolg – etwa eine Million pro verbleibenden Vertragsmonat.
Ähnlich sieht es bei Leite aus, für den die Interessentenliste immer länger wird. Angeblich gibt es bereits Angebote in Höhe von sechs Millionen Euro. Sein Nachfolger stünde mit Uduokhai bereits fest. Möglicherweise erzielen wir sogar noch ein kleines Transferplus.
Das Winter-Transferfenster endet am 3. Februar. Eigentlich absurd, da die Saison dann schon läuft. So sieht es für unsere Abwehr derzeit nicht gut aus – ein gewisses Chaos droht. Das wirkt sich auch auf unser zentrales Mittelfeld aus. Dort wird es keinen weiteren Abgang geben, weil wir Kral eventuell als Innenverteidiger brauchen, wenn Leite und Doekhi gehen. Wobei ich mir das kaum vorstellen kann.
Im Sturm hält sich hartnäckig das Gerücht um Maina. Ich halte diesen Transfer für unsinnig. Wir brauchen nicht drei Sprinter, die fußballerisch limitiert sind. Ilic nach Glasgow oder Burnley abzugeben, erscheint ebenso verrückt – es sei denn, wir haben eine neue Stürmeridee. Ein weiteres Gerücht betrifft Dennis aus der Türkei für das defensive Mittelfeld, was wenig Sinn macht – es sei denn, Baumgart plant, Doekhi durch Khedira zu ersetzen. Früher spielte Khedira auch oft Innenverteidiger. Das würde die Sechs frei machen und die Verpflichtung attraktiver machen. Zugegeben, eine wilde These.
Warum immer wieder Traore und Lazaro als rechte Verteidiger oder Außenbahnspieler gehandelt werden, bleibt mir ein Rätsel. Mit Trimmel, Juranovic und Skov haben wir bereits drei Nationalspieler für diese Position im Kader. Jeremiah St. Juste ist bei Sporting Lissabon kaum präsent – höchstens eine günstige Ergänzung für die Innenverteidigung. Er ist längere Zeit nicht höherklassig zum Einsatz gekommen. Sportings Plan, für ihn erneut eine hohe Ablöse zu erzielen, scheiterte. Mal sehen, was passiert. Die guten Leistungen von Leite und Doekhi sind uns jetzt eher hinderlich. Allen Unionern und Sympathisanten wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr! Eisern!
Icke: Heinz Werner – die erste Trainerlegende bei Union – wird am 27. Dezember 90 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Eine seiner Weisheiten aus dem Jahr 1977 ist bis heute legendär: Im Trainingslager im Frauenwald am Rennsteig in Thüringen ließ er die Spieler wissen: „Wenn ihr nicht so gut Fußball spielen könnt wie die anderen, müsst ihr wenigstens besser laufen.“ Diesen Leitsatz verfolgte er hartnäckig. Hat es geholfen? Ja, zumindest in der Saison.
Damals gewann Union beide Derbys gegen den mächtigen Stasi-Verein jeweils mit 1:0 und hielt die Klasse. Eine Anekdote erzählt, dass der Stürmer Riediger des Gegners nach dem Spiel noch stundenlang seinen Schuh suchte, den Potti Matthies per Volley weggeschossen hatte. Werner nahm das mit einem süffisanten Lächeln zur Kenntnis. Wer diese beiden Derbys erlebte, wird kaum kein Fan von Union ohne Stolz sein.
Die Worte von Heinz Werner könnten auch aus dieser Saison 2025 stammen. Die Klasse hat sich zwar geändert – jetzt Bundesliga statt DDR-Oberliga –, aber der Kampfgeist blieb. Zum Glück gibt es den mächtigen Stasi-Verein nur noch in Miniaturformat. Die damaligen Helden hießen Matthies, Sigusch und Bohla. Im Trainingslager ließ Werner die Spieler rotieren – im Stil von Magath –, was die Empathie der Spieler bis ins Minus sinken ließ.
Doch Werner wusste Rat: Er lud die Spielerfrauen zum Trainingslager ein – und schon war wieder Harmonie hergestellt. Der alte Fuchs war nicht nur streng, sondern auch einfühlsam. Er ist heute noch regelmäßig bei Mitgliederversammlungen (als Ehrenmitglied) und Veranstaltungen dabei. Zudem stellte er sich auch schon mal den Genossen entgegen. Werner und Union – das passt einfach zusammen.
Heinz Werner war ein Tausendsassa: Spieler bei Lok Stendal, Traktor Schwerin und Motor Schwerin. Seine Trainerstationen: Schwerin, KKW Greifswald, DFV, Hansa Rostock, 1. FC Union, Stahl Brandenburg, FC Karl-Marx-Stadt, MSV Duisburg, FC Matsunichi (China), Electronic Guangzhou (China), FSV Zwickau, nebenbei auch für den DFB tätig.
Geboren 1935, überlebte er den Zweiten Weltkrieg, die Nazis und den Kommunismus, erlebte Hunger und bescheidene fußballerische Bedingungen. Er ist im dritten politischen System angekommen – ein cooler Typ, kerzengerade, erfolgreich und eisern!
Unionfux: Das traumhafte Goldtor von Schäfer in Köln, das uns drei wichtige Punkte bescherte, war mehr als nur eine Entscheidung im Spiel – es war ein Versöhnungstalent, das einige ungeliebte Auftritte vergessen ließ und einen perfekten Saisonabschluss markierte. Warum nicht öfter, lieber Andras?
Dein Treffer wirkt wie pure Könnerschaft und sollte öfter gelingen. Zudem zeigt sich erfreulich, dass wir Punkte in der Nachspielzeit nicht nur verlieren, sondern auch holen können. Die 20-Punkte-Marke ist geknackt – das stärkt die Psyche enorm.
So können wir entspannt auf die Tabelle schauen: Wir führen mit 21 Punkten das Mittelfeld an, und das mit selten überzeugendem Fußball. Was ist also unser aktueller Stand? Die Sorgenfalten, die nach dem Wolfsburg-Spiel entstanden, sind verflogen, die Kritik verstummt vorerst. Abstiegskampf war gestern, jetzt stehen wir auf Rang acht – wer will sich da beschweren?
Dennoch bleibt die Frage: Haben wir nur Glück oder ist das ein Plan, der aufgeht? Reicht der Erfolg, um Kritik zu entkräften? Fußball ist nun mal ein Ergebnissport. War der Sieg in Köln unverdient? Nein, im Gegenteil – wir hatten die besseren Chancen und waren in der entscheidenden Szene das glücklichere Team. Wenn auch knapp und selten schön, aber das reicht für uns.
Allerdings haben wir in dieser Saison oftmals mehr Punkte durch Glück verloren als verdient. Einige Spieler enttäuschen weiter (Jeong, Köhn, Rothe – teure Millioneninkäufe ohne Konstanz). Wie gut sind wir also wirklich?
Es fällt schwer, das zu beurteilen oder vorherzusagen, wie viele Punkte wir aus den verbleibenden 19 Spielen holen können. Der Klassenerhalt ist wahrscheinlich, doch wie souverän, hängt wesentlich vom Wintertransferfenster ab: Gehen Leite und/oder Doekhi, können wir sie adäquat ersetzen? Die Gerüchte um Ilic nehmen zu: Celtic Glasgow und FC Burnley sollen interessiert sein.
Können wir Spieler wie Ljubicic verleihen oder verkaufen? Kommt noch ein technisch und taktisch starker Achter oder Zehner? Schaffen wir es, die Baustellen zu beheben, ohne neue zu eröffnen, könnten positive Überraschungen folgen.
Die letzten beiden Siege bescherten uns eine unerwartete Lockerheit, die nach zweieinhalb Jahren Mangelware war (im Vorjahr hatten wir 16 Punkte nach 15 Spielen, davor nur 10). Genießen wir den Moment – schöne eiserne Weihnachten!
Icke: Was für ein Treffer! Schäfers direkt verwandelter Schuss aus etwa 16 Metern bescherte Union in Köln in der 91. Minute den 1:0-Sieg. Die Sportsbar „Paris Rom Erkner“, wo wir das Spiel verfolgten, explodierte vor Freude. Ein unglaublicher Moment, der auch nötig war, nachdem Schiedsrichter Dingert und der VAR haarsträubende Fehler machten.
Jetzt können wir nicht nur beim Weihnachtssingen am 23. Dezember 2025 feiern, sondern die ganze Weihnachtszeit und den Jahreswechsel.
Die erste Halbzeit war sehr enttäuschend – defensive Sicherheit ja, aber kein schöner Fußball. Wie so oft wurde das in der zweiten Halbzeit etwas besser, wenn auch nicht wirklich überzeugend. Neben Schäfers Tor hatten wir nur eine echte Chance: Querfelds Kopfball an die Latte (66.). Die Kölner kamen kaum zu Chancen.
Union gewann verdient, weil wir in den letzten 20 Minuten alles gaben. Die Kölner brachten zwar El Mala, konnten den Star aber nicht in Szene setzen, weil wir aufmerksam spielten.
In der 82. Minute sah Van den Berg bei einem Konter das Handspiel, das klar rotwürdig war. Der eingewechselte Burcu wäre durch gewesen. Burcu spielte besser als Jeong.
In der 85. Minute hätten wir in Führung gehen müssen, doch Dingert und VAR werteten ein klares Handspiel von Kaminski nicht als Foul – ein schwerer Anfängerfehler. Drei Minuten später wurde ein weiteres klares Handspiel von Martel fälschlicherweise zur Schulter umgedeutet. Ein Witz! Warum machen Schiedsrichter solche Fehler – steckt etwa Betrug dahinter?
Deshalb war Schäfers Tor so wichtig. Wir haben jetzt 21 Punkte bei noch zwei offenen Spielen der Hinrunde, stehen auf Rang acht und führen das Bundesliga-Mittelfeld an. Das hätten wir uns nicht zugetraut. Nein, wir träumen nicht von Europa, sondern wollen entspannt Weihnachten feiern und den Klassenerhalt sichern – bereits in der siebten Saison in der Bundesliga. Frohe Weihnachten und eisern Union!