Union-Berlin-Blog: Von Union-Fußball zum WM-Fokus
Berlin – TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, gestaltet von drei echten Berliner Fußball-Enthusiasten, die alle mit Leidenschaft Unioner sind.
Die Autoren im Überblick:
Jürgen Heinemann, besser bekannt als „Icke“, ist seit den 1970er-Jahren Union-Fan. Er ist Betriebswirt und seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Verheiratet und Vater eines erwachsenen Kindes, lebt er heute in Grünheide und ist Initiator dieses Blogs.
Tobias Saalfeld, genannt „Unionfux“, verfolgt Union bereits seit mehr als vier Jahrzehnten. Er arbeitet freiberuflich für Theater, Rundfunk und Fernsehen, wo er ebenfalls schreibt.
Christian Beeck, ehemaliger Bundesliga-Profi bei Hansa Rostock und Energie Cottbus, war Manager bei Union und absolvierte 21 Länderspiele für DDR-Junioren. Aus dem Union-Nachwuchs stammend, ist er Vater von zwei Kindern und unterstützt unseren Blog als Berater.
Icke: Am Samstag um 20:30 Uhr bestreitet die deutsche Nationalmannschaft ihr letztes Testspiel vor der WM gegen die USA – ein wichtiger Test für die Startelf, die wir aktuell am besten beurteilen können. Internationale Fachleute und Wettanbieter setzen unsere Titelchancen mit gerade einmal sieben Prozent auf Rang sieben, hinter Spanien und Frankreich als Topfavoriten, aber auch hinter England, Brasilien, Argentinien und Portugal. Dabei muss man anerkennen: Frankreich und Spanien haben eine starke, breit aufgestellte Mannschaft. Argentinien ist schwer einzuschätzen, doch England, Brasilien und Portugal sehe ich nicht weit voraus.
Die Wettquoten zeigen zudem, dass die meisten Buchmacher Deutschland mindestens das Erreichen des Achtelfinales zutrauen. Das Testspiel gegen die USA am Samstag ist daher eine entscheidende Gelegenheit, zu beweisen, dass die guten Leistungen nicht nur gegen schwache Gegner wie Finnland erzielt wurden. Gelingt das, ist volle Konzentration in der Gruppenphase angesagt – mit Elfenbeinküste und Ecuador warten zwei starke Teams, die es zu schlagen gilt, wenn man Weltmeister werden will.
Es wird erwartet, dass Torwart Neuer zurückkehrt, was unserem Team mehr Stabilität und Selbstvertrauen geben dürfte. Ausschlaggebend wird jedoch unser offensives Dreiermittelfeld sein. Karl, Wirtz und Musiala bringen herausragende Qualitäten mit, und wenn sich diese drei noch besser ergänzen, sind sie unser größtes Kapital. Insbesondere Karl überzeugte zuletzt gegen Finnland, Musiala zeigte vor seiner Verletzung sein Können, und Wirtz verbessert sich kontinuierlich.
Ursprünglich plante Nagelsmann mit Havertz als Mittelstürmer, doch Undav ist derzeit in Topform und hat gegen Finnland zwei Tore erzielt und ein weiteres vorbereitet. Dieses Trio aus Undav, Havertz und Woltemade ermöglicht eine große Flexibilität und macht es für jeden Gegner schwer, sich einzustellen. Das entspricht aus meiner Sicht bereits höheren Ambitionen auf den Titel.
Außerdem ist erfreulich zu beobachten, dass sich Felix Nmecha und Pavlovic auf der defensiven Sechs gefunden haben. Nmecha entwickelt sich sogar zum heimlichen Spielmacher, auch wenn seine Belastbarkeit unter Druck noch zu beobachten sein wird. Als offensivere Alternative steht Goretzka bereit. Schade, dass Ex-Unioner Andrich fehlt, er wäre eine wichtige Absicherung in der Defensive gewesen. Groß und Stiller verfügen leider nicht über die nötige Präsenz und Härte.
Das Sorgenkind ist unsere Abwehr. Kimmich, Tah, Schlotterbeck (ehemals Unioner) und Brown werden wohl starten. Kimmich ist an guten Tagen der beste offensiv agierende Rechtsverteidiger der Welt – was aber auch bedeutet, dass er hinten fehlte und die Innenverteidigung bei schnellen Gegenangriffen Schwächen zeigt. Links setzt Nagelsmann auf Brown statt Raum, um mehr Qualität und Tempo zu bringen, doch Browns fehlende internationale Erfahrung birgt Risiken bei der Spielbeurteilung.
Die Innenverteidigung insgesamt genügt noch nicht den höchsten internationalen Ansprüchen. Man sehnt sich nach Spielern wie Kohler oder Karl-Heinz Förster zurück. Tah war zuletzt stabil, aber ohne Weltklassestürmer vor sich. Schlotterbecks Leistungen schwanken, doch wegen seines Alters besteht noch Hoffnun g, dass er zum Leistungsträger wird. Rüdiger ist aus Erfahrung der beste Innenverteidiger im Kader, hat sich aber durch Verletzungen und private Eskapaden selbst ins Abseits gestellt. Er erhält seine Chance, falls Tah ausfällt und könnte dann die defensive Führung übernehmen, die uns derzeit fehlt.
Alles hängt von der Defensive ab. Wenn wir dort Stabilität erreichen, sehe ich uns nicht chancenlos im WM-Titelrennen, wobei auch etwas Glück und wenige Ausfälle entscheidend sein werden. Wir verfügen nicht über einen so breit aufgestellten Kader wie Frankreich oder Spanien. Die sind in der Lage, mehrere Spieler leicht zu ersetzen und trotzdem stark zu bleiben – das können wir nicht, vor allem nicht ohne Andrich. Eisern!
Unionfux: Trotz einiger positiver Auftritte in der vergangenen Saison, liegt nun die dritte anstrengende Spielzeit hinter uns. Auch wenn der Klassenerhalt ein Erfolg ist, fühlte sich dieser zeitweise keineswegs sicher an. Die Leistung der Mannschaft nach der Winterpause war teilweise katastrophal und kaum erklärbar. Ein Teil der Probleme ist sicherlich auf den ehemaligen Cheftrainer Steffen Baumgart zurückzuführen, unter dessen Nachfolgerin Marie-Louise Eta sich die Situation verbesserte, doch allein dafür kann man die Probleme nicht verantwortlich machen.
Abgesehen vom Modus der Meisterermittlung stellt sich auch die Frage: Wer ist der Unioner des Jahres 2026? Die spontane Reaktion vieler auf diese Frage ist ein tiefes Durchatmen, gefolgt von einem resignierten „Schwierig“. Über die ganze Saison zeigte kaum jemand konstant herausragende Leistungen. Selbst Rönnow, der das letzte Mal dreimal hintereinander diesen Titel gewinnen konnte, blieb hinter seinen Erwartungen zurück.
Wen könnte man ernsthaft in Betracht ziehen? Danilho Doekhi fiel nie aus, erzielte fünf Tore, wirkte aber gegen Saisonende etwas abwesend, auch wenn sein künftiger Verein noch nicht feststeht. Rani Khedira erzielte ebenfalls fünf Tore, darunter zwei wichtige Siegtore, wirkte jedoch zunehmend unstabil. Einige seiner Aussagen lassen vermuten, dass er lieber wechseln würde. Ob er bei Borussia Mönchengladbach landet, bleibt abzuwarten.
Aus dem Sturmbereich gab es kaum Anwärter, einzelne herausragende Spiele waren die Ausnahme, wie Ansah beim Debüt gegen Stuttgart oder das Duo Ilic/Burke in Frankfurt. Leo Querfeld konnte seinen Aufwärtstrend nicht fortsetzen und auch Eigengewächs Kemlein blieb oft unauffällig.
Am Ende steht für mich fest, dass nur einer den Titel „Unioner des Jahres“ verdienen kann: Christopher Trimmel. Er marschiert mit 39 Jahren unermüdlich voran, ist die Seele der Mannschaft und ein wichtiger Faktor, auch wenn er nur sechs Spiele über die volle Distanz absolvierte. Er hält die Mannschaft zusammen und ist stets bereit für harte Einsätze. Zum Glück wird er auch in der kommenden Saison das Team noch verstärken. Glückwunsch, „Trimmi“ – wir freuen uns auf weitere Jahre mit dir!
Icke: Im Gegensatz zu anderen Bundesligisten ist die Transferaktivität beim 1. FC Union bislang überschaubar. Folgende Fakten sind bekannt: Stein, Doekhi, Leite und Kral verlassen uns. Die Nachwuchsspieler Prosche, Gray und Blaszczak wurden mit Profiverträgen ausgestattet. Die Leihspieler Ljubicic, Ogbemudia, Bedia und Benes kehren zurück, wobei für Ljubicic, Bedia und Benes wahrscheinlich neue Vereine gesucht werden, während Ogbemudia wohl bleibt und voraussichtlich Führungsspieler der neuen U21 wird.
Gerüchte um Zugänge wie Friedrich, Nsoki und van den Bosch verdichten sich, sind jedoch noch nicht offiziell bestätigt. Möglicherweise hängt das von der Zustimmung des neuen Trainers Mauro Lustrinelli ab. Das Experiment, Rothe als linken Innenverteidiger zu bringen, scheint beendet – zuletzt spielte er wieder auf der linken Außenbahn mit guten Leistungen. Es wird erwartet, dass Nsoki als Backup geholt wird, wobei man die Ablöse noch drücken will.
Mit Blick auf die Stamm-Innenverteidigung steht Kevin Schlotterbeck als möglicher Zugang im Raum. Er kennt den Verein bereits und war dort erfolgreich. Wenn man hier nicht aktiv wird, braucht man überzeugende Argumente, denn Querfeld, K. Schlotterbeck, Friedrich, van den Bosch und Nsoki würden dann um zwei Plätze konkurrieren. Ogbemudia würde in die U21 wechseln. Mit fünf Innenverteidigern bestünde zudem die Option, bei Bedarf auf eine Dreierkette umzusteigen.
Im Angriff dürfte Bedia nach seiner erfolgreichen Leihe leicht einen neuen Klub finden, da die Young Boys ihre Kaufoption noch nicht gezogen haben. Auch bei Ljubicic und Benes ist eine weitere Einbindung in den Kader unwahrscheinlich, es sei denn, Trainer Lustrinelli entdeckt noch Potenzial. Zudem ist Ducksch nach seinem Aufenthalt auf den Inseln wieder auf dem Markt. Der 32-Jährige Mittelstürmer soll nur eine Ablöse von rund einer Million Euro kosten. Seine technischen Qualitäten und Vielseitigkeit bleiben erhalten, Fitness und Kondition sind noch entscheidend.
Auch Magdeburgs Zukowski wird als möglicher Neuzugang diskutiert, nachdem er in 21 Spielen 20 Torbeteiligungen hatte, davon 17 Tore. Er könnte als rechter Verteidiger, seine Stammposition, eingesetzt werden. Magdeburg fordert acht Millionen Ablöse wie einst Frankfurt für Ebnoutalib, was für Union zu teuer wäre. Bei der Hälfte wäre eine ernsthafte Überlegung angebracht.
Parallel laufen die Planungen für die neue U21-Mannschaft. Bogdanov, Markgraf und Preu bilden das Gerüst aus dem Profi-Kader, ergänzt um die Neulinge aus der A-Jugend sowie Rückkehrer Ogbemudia. Ein sinnvoller Wechsel zwischen der Nummer 3 der Profis (Klaus) und A-Jugend Torwart Welsand ist vorgesehen. Der U17-Nationalkeeper Gagzow wird wohl die Nummer 1 bei der A-Jugend sein.
Insgesamt entsteht ein vielversprechendes, talentiertes Gerüst für die U21. Bis zu vier Profis dürfen auch dort Spielpraxis sammeln, der Rest wird mit Jugendspielern ergänzt. Mir bereitet die kommende Bundesligasaison keine Sorgen. Eisern!
Unionfux: Die Bundesliga-Saison 2025/26, die 63. Spielzeit insgesamt, ist nun Geschichte – auch die abschließende Relegation ist vorbei. Überraschend musste der VfL Wolfsburg, zu 100 Prozent im Besitz von Volkswagen, nach 29 Jahren aus der Bundesliga absteigen, gemeinsam mit Heidenheim und St. Pauli.
Der SC Paderborn ist erst der vierte Zweitligist in 18 Jahren, der die Bundesliga über die Relegation besiegen konnte – und der erste seit dem Sieg von Union 2019 über Stuttgart. Wolfsburgs Kader mit Namen wie Grabara, Amoura, Majer, Koulierakis, Wimmer, Arnold und Christian Eriksen wirkt trotz Investitionen von über 60 Millionen nicht stark genug. Auch die sechs Punkte, die sie gegen Union holten, halfen nicht, den Abstieg zu vermeiden.
Paderborn kommt nach Elversberg als zweiter „kleiner“ Aufsteiger in die Bundesliga, profitiert von der Schwäche von Hannover 96, so wie Union einst von der des HSV. Die Frage ist, wie sich diese Underdogs schlagen werden – in der Vergangenheit überraschten solche Teams oft mit ansehnlichem Erstliga-Fußball, bleiben aber zunächst Außenseiter.
Das Rückspiel der Relegation startete denkbar schlecht: Schon nach zwei Minuten gingen die Wolfsburger durch Pejcinovic in Führung, doch der Däne Maehle wurde nach zwei Gelben Karten vom Feld geschickt, sodass Wolfsburg die restlichen 75 Minuten in Unterzahl agieren musste. Danach spielte Wolfsburg kaum noch mit, konzentrierte sich nur auf die Verteidigung und hatte mehrfach Glück, dass der Ausgleich nicht fiel – bis kurz vor der Pause der Ausgleich fiel.
In der zweiten Halbzeit drückte Paderborn weiter, mit einer Großchance kurz vor Schluss, doch Wolfsburg rettete sich in die Verlängerung. In der Verlängerung erzielte Paderborn dann nach 100 Minuten den Siegtreffer durch eine Vorlage von Michel. Am Ende standen 19:2 Eckbälle und 39:8 Torschüsse zugunsten von Paderborn. Trotz verzweifelter Schlussangriffe und Kopfballchancen der Wolfsburger war der Abstieg verdient.
Wolfsburg hat es nicht geschafft, nach einer mäßigen Saison den Schalter umzulegen. Trotz individueller Klasse fehlte der nötige Mut und die Durchsetzungskraft in den entscheidenden Momenten. Es ist erstaunlich, wie einige erfahrene Profis das Fußballspielen so verlernen können.
In Liga Zwei werden Teams wie Hertha wohl mit Zähnen knirschen, dass ein etablierter Bundesligist um die Spitzenplätze kämpft. Die großen Zeiten Wolfsburgs scheinen vorbei, auch weil VW wohl nicht mehr so großzügig unterstützt wie früher. Umso höher ist unser erneuter Klassenerhalt einzuschätzen: trotz einer eher mäßigen Saison waren wir nie ernsthaft gefährdet und haben einen Vorsprung von zehn Punkten auf den Relegationsplatz. Zudem macht es Spaß, ein Spiel zu verfolgen, das für uns noch Relevanz besitzt, während andere Teams sich keine Sorgen machen müssen.
Nun ist Zeit, sich auf die kommende Saison zu freuen und die Ideen von Mauro Lustrinelli zu erwarten – verbunden mit der Hoffnung, dass er auch einen Plan B hat, falls seine Vorhaben nicht wie gewünscht funktionieren. Dass es bisher keine bestätigten Neuzugänge gibt, sollte niemanden beunruhigen – die „Saure-Gurken-Zeit“ läuft noch, zumal viele Fragen bezüglich unserer Leihspieler offen sind. Die Antworten werden noch eine Weile auf sich warten lassen. Spannende Zeiten – auch für die Ungeduldigen unter uns, so wie mich – stehen bevor.
Icke: Wer ist eigentlich dieser Cömert, von dem viele sprechen, dass er ablösefrei zu Union wechselt? Er ist in Basel aufgewachsen und wurde dort ausgebildet, spielte hauptsächlich beim FC Basel und FC Valencia, mit einigen Leihen dazwischen. Mit 28 Jahren und 1,83 m ist er für einen Innenverteidiger eher klein. Er absolvierte 20 Länderspiele für die Schweiz und wird aktuell noch in der Nationalmannschaft berücksichtigt. Über seine Schnelligkeit liegen keine genauen Daten vor, doch man sagt, er sei ziemlich flink.
Van den Bosch, Friedrich und Nsoki würden mit Cömert ein neues Quartett in der Innenverteidigung bilden. Die drei zuerst genannten Spieler sollen schon fix verpflichtet sein, es gibt aber noch keine offiziellen Bestätigungen. Das könnte mit der Zustimmung von Trainer Lustrinelli zusammenhängen, der noch sein „Ok“ geben muss. Dazu kommt, dass Querfeld weiterhin im Kader ist und Ogbemudia sich kürzlich öffentlich verabschiedet hat. Somit hätten wir sechs Innenverteidiger für zwei Positionen – etwas zu viele. Das spricht dafür, dass Ogbemudia nochmals verliehen wird, aber er könnte auch ein wichtiger Spieler der neuen U21 werden.
Leider gibt es im Offensivbereich bisher deutlich weniger weit fortgeschrittene Verhandlungen. Jonas Wind von Wolfsburg könnte passen, da er zu unserer dänischen Fraktion gehört. Auch der Norweger Lauritsen, der in den Niederlanden regelmäßig zehn bis zwölf Tore pro Saison erzielt, würde gut in unser Team passen. Beide wären ablösefrei erhältlich. Möglicherweise darf Lustrinelli auch seinen Toptorjäger Rastoder mitbringen, um den sich die halbe Bundesliga bemüht. Rastoder erzielte 15 Tore und lieferte sechs Assists.
Ein Rückblick zur Nationalmannschaft: Nagelsmann setzt auf Sicherheit, was man an der umstrittenen Nominierung von Neuer und Rüdiger sieht. Ich bin dafür, dass die besten Spieler spielen – dazu gehören sie weiterhin.
Allerdings sehe ich den Verzicht auf Andrich kritisch. Für mich ist er ein wichtiger Mentalitätsspieler, den ich trotz Formschwäche mitgenommen hätte. Einen weiteren Tausch hätte ich vorgenommen: Elmala statt Sane. Sane ist zwar an guten Tagen Weltklasse, doch wann zeigte er das zuletzt? Elmala bringt mehr Tempo und Dribbelstärke. Unser Spiel hängt von Wirtz und Musiala ab – wenn die beiden in Form sind und unser Spiel prägen, ist alles möglich.
Und wie sieht es finanziell aus? Die Mitgliederversammlung brachte keine klare Entspannung. Derzeit haben wir circa 62 Millionen Euro Schulden, die durch den Bau des neuen Trainingszentrums weiter steigen. Das Nachwuchszentrum ist bereits fertiggestellt, der Stadionumbau wird mit etwa 160 Millionen veranschlagt. Insgesamt werden wir nach Fertigstellung ca. 240 Millionen Schulden haben – eine enorme Summe! Zwar sind diese durch Immobilien und Einnahmen abgesichert, dennoch ist ein mulmiges Gefühl vorhanden. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich, dass Investoren bei uns einsteigen müssen. Entscheidend ist, wer das sein wird und welche Ziele verfolgt werden. Läuft es wie bei Bayern (Audi, Allianz) oder Stuttgart (Mercedes), wäre das eine solide Basis. Ein Hertha-Szenario wird bei uns dank Kosche und Zingler ausgeschlossen.
Wir haben oft betont, dass wir bei der neuen U21-Liga mitmachen wollen, aber eine offizielle Verkündung fehlt noch. Für viele auslaufende A-Jugendspieler ist das existenziell wichtig. Ein klares Statement des Vereins hierzu wäre wünschenswert. Eisern!
Icke: Mitgliederversammlung, neuer Trainer und zahlreiche Spielergerüchte – das sind die Schlagworte der jüngsten Zeit. Bei der Verpflichtung von Trainer Lustrinelli wurde viel beschleunigt, denn er muss die neuen Spieler absegnen, die in sein offensives System passen sollen. Fast gleichzeitig fand die Mitgliederversammlung statt, wo die Zahlen des Vereins vorgestellt wurden: Trotz Mindereinnahmen aus Europa erzielte Union einen Umsatzrekord von 191,66 Millionen Euro. Der Gewinn des Gesamtkonzerns Union wird mit 450.000 Euro angegeben. Das Eigenkapital stieg auf über 8 Millionen Euro, muss aber weiter verbessert werden, da die Eigenkapitalquote im Bundesliga-Vergleich noch niedrig ist.
Der Umbau des Stadions soll 2027 beginnen. In der Saison 2027/28 wird die erste Männermannschaft ins Olympiastadion umziehen müssen. Auch die Frauenmannschaft wird weiter gestärkt – mit der Verpflichtung der ersten deutschen Nationalspielerin aus Frankfurt. Das Ziel ist, mehr Zuschauer zu gewinnen. Die Auslastung der Alten Försterei spielt eine bedeutende Rolle für den Gesamtverein.
Der Stadion-Ausbau wurde erneut thematisiert. Mit einer neuen Kapazität von 40.000 Zuschauern ist die Obergrenze erreicht, da die Infrastruktur in Köpenick keine größeren Zuschauermengen zulässt. Baugenehmigungen für 60.000 oder 70.000 Zuschauer wären nicht zu erhalten. Ende 2026 wird das neue Trainingszentrum fertiggestellt, wodurch beide Profi-Mannschaften moderne Trainingsbedingungen erhalten, die zu den besten in Deutschland gehören. Schritt für Schritt entwickeln wir uns in die Richtung, die auch besseren Fußball ermöglichen könnte.
Dirk Zingler betonte die Wichtigkeit der finanziellen Stabilität und der strategischen Weiterentwicklung beider Profimannschaften als wichtige Säulen des Vereins. Die begrenzten Einnahmemöglichkeiten durch die Stadionkapazität werden durch andere Maßnahmen, etwa den Aufbau einer starken Frauenmannschaft, ausgeglichen.
Unionfux hat bereits ausführlich über Trainer Lustrinelli berichtet. Die Vorfreude ist groß, dass er unsere Erwartungen erfüllen wird.
Was die Spielertransfers betrifft, so sind wir bisher weder bei Abgängen noch Zugängen zufrieden. Wahrscheinlich möchte man dem neuen Trainer Zeit geben, seine Wunschspieler zu verpflichten. Die Gerüchteküche ist riesig, viele Meldungen sind wohl nur zu zehn Prozent korrekt. Nun kommt hinzu, dass die Zustimmung des neuen Trainers alles verändern kann. Geduld ist also gefragt. Eisern!
Unionfux: Der bisherige Trainer des Überraschungsaufsteigers FC Thun in der Schweiz und frühere Co-Trainer von Urs Fischer, Mauro Lustrinelli, wird neuer Chefcoach des 1. FC Union Berlin – unsere Wunschlösung.
Da mehrere Bundesligisten und sogar Serie-A-Klubs Interesse hatten, ist die Verpflichtung eine Sensation. Schon im Winter erhielt Lustrinelli mehrere Anfragen aus Deutschland, die er aber abgelehnt hatte, um das Meisterschaftsmärchen mit Thun abzuschließen – was sich als richtig erwies. Er ist der erste Schweizer Trainer bei Union.
Wer einen Aufsteiger mit kleinem Budget zur souveränen Meisterschaft führt, kann aus wenig viel machen und Spieler verbessern – eine gefragte Fähigkeit. Zudem hat er Erfahrung mit der U21-Nationalmannschaft der Schweiz. Der Zeitpunkt der Verpflichtung kurz nach Saisonende deutet auf lange Vorbereitungen hin, vermutlich seit der Entlassung von Steffen Baumgart.
Zingler und Heldt überzeugten den polyglotten Lustrinelli (fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch) von der Arbeit bei Union und gaben ihm freie Hand. Die Aussicht, dass ihm nicht zu sehr in die Arbeit reinregiert wird und dass er ein loyales, geduldiges Umfeld und eine treue Anhängerschaft vorfindet, dürfte für ihn attraktiv sein. Dazu darf er drei Mitarbeiter mitbringen, die frischen Wind in das Trainerteam bringen.
Wir haben auch Urs Fischer befragt, der Lustrinelli empfohlen hat. Dennoch wurde bei der Auswahl auch datenbasiert vorgegangen, um nichts dem Zufall zu überlassen. Lustrinelli gilt als großer Motivator und Verfechter von Teamgeist, Humor und unkonventionellem Stil. Er bevorzugt ein offensives 4-4-2 mit viel Ballbesitz.
Zingler kündigte an, dass die bisherigen Phasen bei Union vorbei sind und zukünftig mehr auf junge Spieler und attraktiven, aktiven Fußball gesetzt wird. Seine frühere Aussage, dass jeder Trainer bei Union rausfliegt, der Fußball entwickeln will, wurde relativiert – Lustrinelli ist sicher der richtige Mann für diesen Weg.
Weitere Kandidaten auf der Shortlist waren Christian Eichner (KSC) und Horst Steffen (Ex-Trainer SV Elversberg), doch Lustrinelli ist die interessantere Wahl, auch wenn noch keine Garantie für Erfolg besteht. Während Eichner und Steffen ohne Vertrag sind, kostet Lustrinelli wohl eine Ablösesumme von etwa einer Million Euro – er verzichtet zudem auf eine mögliche Champions-League-Teilnahme mit Thun.
Er hat schnell entschieden und zeigt damit, dass er weiß, was er will. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Mauro Lustrinelli! Eisern!
Unionfux: Das Wichtigste kommt zum Schluss: Auch wenn der Abend noch so mäßig verlaufen ist, der letzte Eindruck entscheidet. Die Arbeit von Marie-Louise Eta, die als Interimstrainerin die Mannschaft in den letzten Spielen betreute, war beeindruckend. Sie hat das Team mutiger, spielerisch anspruchsvoller und erfolgreicher gemacht.
Auch wenn jetzt Forderungen nach einer dauerhaften Übernahme bei den Männern laut werden sowie der großartige Auftritt von Torwart Carl Klaus viele überrascht hat, sollte man nicht vergessen, dass diese Erfolge ohne Druck möglich waren. Gerade Teams ruinieren sich oft gegen Ende einer Saison, wenn es nur noch um wenig geht. Eta hat frischen Wind gebracht, aber die Bundesliga ist ein hartes Geschäft, besonders für Neulinge. Ihre Zeit wird kommen, vielleicht noch nicht jetzt.
Klaus zeigte sichere Leistungen als Ersatzkeeper, aber er ist noch keine Nummer eins. Die beiden etablierten Torhüter Rönnow und Raab sind weiterhin gesetzt. Die Leistungen der letzten Spiele sind kein Garant für die kommende Saison, aber wir sind froh, Eta und Klaus als Optionen zu haben.
Insgesamt bleibt die Hoffnung, dass der neue Trainer für die Männer ausreichend Erfahrung mitbringt, denn in der Bundesliga zählen Erfahrung und Geschlecht nach wie vor. Dennoch ist es beruhigend, mit Eta und Klaus zwei vielversprechende Optionen in der Hinterhand zu haben. Das ist für den 1. FC Union Berlin ein großer Vorteil. Eisern!
Icke: Nach der WM-Testspielpause zeigte Union in seinem letzten Bundesliga-Spiel eine beeindruckende Leistung mit vier Toren gegen Augsburg. Die Mannschaft dominierte spielerisch und kämpferisch, alle Spieler zeigten Engagement, und Augsburg war mit den vier Gegentoren noch gut bedient. Besonders auffällig war die Ballzirkulation und die Passquote von 84 %, ein Rekord für Union in der Bundesliga. Torwart Carl Klaus, der die verletzten Rönnow und Raab vertrat, spielte souverän und leitete viele Angriffe mit seinen präzisen langen Bällen ein.
Unsere Abwehrreihe mit Trimmel, Doekhi, Leite und Rothe stand sicher. Für die kommende Saison benötigen wir mindestens zwei neue Innenverteidiger. Friedrich und Nsoki gelten als Zugänge, während es noch Unsicherheiten bei weiteren Transfers gibt. Das defensive Mittelfeld bildet Schäfer und Kemlein, Khedira fehlte verletzt. Die Offensivreihe mit Burke, Ansah, Ilic, Jeong und Burcu zeigte gute Ansätze, auch wenn nicht alle konstant überzeugen konnten.
Der Sieg war eindrucksvoll und verdient, nicht zuletzt dank der Tore von Ilic (Doppelpack) sowie Jeong und Schäfer. Besonders das junge Talent Bogdanov konnte einen Assist zum ersten Mal beisteuern, was ihm Selbstvertrauen geben wird. Personalentscheidungen für die kommende Saison werden in Kürze erwartet, darunter bestimmt die Frage des neuen Trainers.
Frau Eta hat sich als Interimstrainerin große Anerkennung erworben und könnte gern in der kommenden Saison weitermachen. Auch wenn das nicht zu erwarten ist, würde sie sich einen großen Respekt verdienen. Eisern!
Unionfux: Toni Leistner erhält bei Hertha BSC nach drei Jahren keinen neuen Vertrag. Mit 36 Jahren sucht man jüngere Alternativen. Die Verabschiedung des langjährigen Unioners war freundlich, insbesondere nachdem er 2023 zu seinem Wechsel nach Berlin mit Unmut empfangen worden war. Inzwischen schätzen ihn die Fans für seinen Einsatz. Leistner behauptete zum Abschied, Berlin sei blau-weiß – eine populistische Aussage, die in der Ostkurve gut ankommt, aber die Realität der Stadt nicht widerspiegelt.
Berlin ist weder blau-weiß noch rot-weiß, sondern vielfältig und heterogen. Die Stadt ist im Vergleich zu anderen nicht besonders stimmungsvoll oder festlich, und ihre Einwohner zeigen oft Gleichgültigkeit gegenüber großen Ereignissen. Sportlich haben wir derzeit die Nase vorn, aber das kann sich ändern. Der Pokal bleibt für immer in Charlottenburg.
Leistner möchte seinen Vertrag noch fortsetzen, doch wir wissen nicht bei welchem Verein. Er ist Sachse und kennt die Besonderheiten der Stadt nicht so gut. Doch eins ist sicher: Berlin ist weder blau-weiß noch rot-weiß – und das ist gut so.
Icke: Bei Union herrscht aktuell Ruhe in Sachen Transfers. Die Mannschaft ist stabil, und das jüngste Heimspiel mit dem Sieg gegen Augsburg brachte wieder Sicherheit. Trainerin Eta erzielte ihren ersten Sieg im Männer-Profi-Fußball und führte die Mannschaft auf Rang zwölf. Das letzte Heimspiel gegen Augsburg wurde spielerisch dominiert, auch wenn der Gegner nicht einfach zu bespielen war.
Die Abwehr mit Doekhi, Querfeld, Leite und Rothe steht sicher, das Mittelfeld bildet Khedira mit Kemlein oder Schäfer. Im Angriff sind Burke, Ilic, Jeong und Ansah die Hauptakteure. Jeong spielte beim letzten Spiel etwas angeschlagen. Der Kapitän Trimmel ist weiterhin eine wichtige Säule und wird gegen Mainz wahrscheinlich wieder in der Startelf stehen.
Das nächste Spiel gegen Mainz ist ein Schlüsselspiel. Mainz hat mit Urs Fischer einen neuen Trainer, der auch bei Union sehr erfolgreich war. Die Mannschaft muss ihre schwache Heimbilanz gegen kleinere Gegner verbessern, und Trainer Baumgart muss vielleicht früher Impulse setzen, um die Mannschaft zu motivieren. Die Defensive muss stabil bleiben, und das Spiel muss entschlossener geführt werden, um die Klasse sicher zu halten.
Die Gerüchte um mögliche Trainerwechsel und Personalentscheidungen nehmen zu. Christian Eichner aus Karlsruhe gilt als Favorit, ebenso wie Mauro Lustrinelli aus der Schweiz. Die Entscheidung steht bald an. Die Transfergerüchte sind vielfältig, aber bisher ohne endgültige Vollzugsmeldungen. Geduld ist gefragt. Eisern!