Union-Berlin-Blog: Geschafft! Union sichert den Verbleib in der Bundesliga
Berlin - Eisern: Drei echte Berliner Fußballenthusiasten betreiben bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.
Unsere Autoren:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 70er Jahre eingefleischter Union-Anhänger. Beruflich ist er seit mehr als 30 Jahren als Betriebswirt im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet, hat ein erwachsenes Kind und lebt heute in Grünheide. Als Gründer des Blogs berichtet er hier.
Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit über vier Jahrzehnten Unioner und arbeitet freiberuflich für Theater, Rundfunk und TV, wo er ebenfalls Texte verfasst.
Beecke (Christian Beeck) ist ehemaliger Bundesliga-Profi (u.a. Hansa Rostock, Cottbus) und früherer Union-Manager. Er bestritt 21 Länderspiele für DDR-Junioren und stammt aus der eigenen Union-Jugend. Beecke hat zwei Kinder und unterstützt unseren Blog als Berater.
Unionfux: Halleluja und Gott sei Dank – diese Saison ist endlich vorbei! Spätestens am ersten Sonntagabend im Mai, zumindest fast, zumindest für uns. Die Rückrunde war die schlechteste seit unserer Rückkehr in den Profifußball 2009/10. So schwer sie auch zu ertragen war, hat sie zumindest keine unmittelbaren Konsequenzen – wir starten in unser achtes Jahr in der Bundesliga! Möglich macht das das Unentschieden gegen Köln, während Urs Fischer mit Mainz 05 in St. Pauli gewinnt und Wolfsburg in Freiburg nur einen Punkt holt. Mathematisch haben wir mit sieben Zählern Vorsprung das rettende Ufer erreicht.
Natürlich hätte es ein Wunder gebraucht, wenn wir noch abgestiegen wären – doch wer sich lang genug mit Fußball beschäftigt, kennt solche Horrorszenarien nur zu gut.
Unbestreitbar ist, dass wir die gesamte Rückrunde wie ein Abstiegskandidat auftraten, mit teilweise desaströsen Vorstellungen. Nur ein Auswärtssieg und ein einziger Heimsieg gelangen uns, beide zudem eher glücklich. Auch das gewagte Experiment mit Marie-Louise Eta hat sich letztlich bewährt – wenn auch ohne großen Jubel. Es sei denn, die letzten beiden Spiele bringen nochmal Schwung. Immerhin sind noch sechs Punkte zu vergeben. Jetzt ist der Druck weg, Experimente wie mit Güther oder Bogdanov sind denkbar.
Eine ausführliche Analyse der Saison folgt noch, aber eines ist klar: Das war der dritte deutliche Warnschuss. Eine weitere ähnlich schwache Saison, wie die der letzten drei, wird kaum ohne Folgen bleiben. Die Abstiegsszenarien der letzten Jahre sind uns allen bekannt, solche Fehler dürfen wir nicht wiederholen – das wäre unnötig und äußerst schade.
Diese katastrophale Rückrunde hat jedoch auch den Vorteil, dass sie unsere Schwächen offenbart und Schönfärberei unmöglich macht. Es darf keine sorglosen, selbstzufriedenen oder falschen Verpflichtungen und Vertragsverlängerungen mehr geben. Der 1. FC Union darf nicht länger eine Komfortzone für Spieler sein, die nicht einmal ihre Normalform abrufen können oder wollen. Wer ist denn eigentlich unser "Unioner der Saison"? Kaum jemand wird das spontan beantworten können – warum wohl?
Wo liegen unsere Stärken? In der Defensive? Schon lange nicht mehr. Im Mittelfeld und Angriff erst recht nicht. Unsere Laufleistung hat sich drastisch verschlechtert, bei gewonnenen Zweikämpfen rangieren wir auf Platz 16. Unsere Pass- und Ballbesitzwerte sind die schlechtesten in der Liga. Einzig bei den gewonnenen Kopfballduellen führen wir noch – immerhin. Doch das wird langfristig nicht reichen.
Darüber hinaus brauchen wir dringend einen Trainer – gern erfahren –, der mit einer funktionierenden Idee zu uns passt, der Spieler verbessert und einen positiven Teamgeist mitbringt. Kein Miesepeter, der die Stimmung drückt. So jemand ist schwer zu finden, aber noch einen Bjelica, Svensson oder Baumgart können wir uns nicht leisten. Die nächsten personellen Entscheidungen – und davon wird es viele geben – müssen größtenteils passen.
Dafür ist es vielleicht nötig, nochmal finanziell zu investieren. Die Verantwortlichen dürfen aber nicht vergessen, dass die erste Mannschaft das Herzstück des Vereins ist und nur deswegen größere Summen fließen. Wie schwer der Wiederaufstieg aus der zweiten Liga sein kann, erleben wir jährlich. Der Stadtnachbar steht bereits vor seiner vierten Saison in der Zweiten Liga. Wir bauen das neue Stadion ja nicht, um lediglich im Mittelfeld der zweiten Liga zu versinken. Die Lage ist ernst, das sollte endlich jeder verstanden haben. Aus den Fehlern der Vergangenheit müssen schnellstmöglich die richtigen Schlüsse gezogen werden – auch wenn diese schmerzhaft sein mögen.
Für den Moment freuen wir uns unter großer Demut – oder vielleicht eher Erleichterung – über ein weiteres Jahr in einer der besten Ligen der Welt. Die letzten beiden Spiele können wir diesmal ausnahmsweise relativ entspannt angehen. Natürlich wäre es toll, noch das Maximum herauszuholen, nicht zuletzt wegen der Fernsehgelder. Aber es ist nicht zwingend notwendig. Und wir freuen uns, weiterhin einen Erstliga-Blog bei TAG24 zu haben. Glückwunsch an "Loui", die Mannschaft und alle Unioner!
Unionfux: Heimspiel an der Alten Försterei gegen einen direkten Konkurrenten. Über siebzig Minuten sehen wir das gewohnte Bild: Wir liegen hinten, sind offensiv schwach, uninspiriert und unkonzentriert. Bülter und El Mala schlagen zweimal zu. Ein Tor des Ex-Unioners nach etwa 30 Minuten ist ein toller Schuss aus 17 Metern in den linken Winkel. El Mala wird nach einer Stunde von Nsoki nicht eng genug verteidigt und schiebt ein. Das erste Tor ist unglücklich, da der Linienrichter ein Abseits anzeigt, das aber keines war, da El Mala zwar im Abseits stand, aber für den dahinterstehenden Kaminski abdeckte. Abseits gilt erst, wenn der Schiedsrichter pfeift. Klaus rettet kurz vor der Pause stark gegen Kaminski und verhindert so einen höheren Rückstand.
Unsere Offensive ist harmlos, der Kölner Torwart muss kaum eingreifen. Die beste Chance hat Kemlein nach 23 Minuten, doch sein Schuss trifft nur den rechten Außenpfosten. Ansah wirkt weitgehend von der Rolle, Burke ist zwar fleißig, aber ohne große Gefahr. Nach 70 Minuten fehlt uns die Idee, wie wir einen erneuten Rückstand abwenden könnten. Bis dahin hatten wir nicht einmal eine Ecke oder einen Freistoß in Strafraumnähe. Wir sind weiterhin ohne Druck und teilweise regelrecht träge.
Endlich gibt es eine Ecke, die zweite und letzte, die Trimmel auf Rothe bringt, der abstaubt – Tor! Plötzlich beleben sich unsere müden Beine, insbesondere die eingewechselten Spieler bringen mehr Schwung. Klaus verhindert stark das dritte Kölner Tor, Burke vergibt nach schönem Doppelpass mit Khedira die einzige richtig gute Chance. Wenig später trifft Burcu frei vor dem Tor sehenswert zum Ausgleich. In der neunminütigen Nachspielzeit haben wir sogar noch eine Chance auf den Sieg, doch ein möglicher Treffer wird von Martel mit der Hand geblockt.
Am Ende können wir mit dem Punkt zufrieden sein, da wir einen zwei Tore Rückstand aufholen und den Gegner zumindest vorerst hinter uns lassen – Schadensbegrenzung eben.
Trotzdem muss man sich fragen, warum wir wieder einmal so schwach in ein Heimspiel starten, ohne Mut, Durchschlagskraft und Biss, und warum die Startelf, die offensichtlich unglücklich gewählt war, nicht zur Pause verändert wurde. Wenn Marie-Louise Eta nach dem Spiel sagt, die Mannschaft habe ihr Herz auf dem Platz gelassen, dann trifft das nur auf die letzten 20 bis 25 Minuten zu. Das gesamte Stadion fordert "Aufwachen!" – die Genervtheit und Verzweiflung sind spürbar.
Die taktischen und technischen Defizite sind nicht der neuen Interimstrainerin anzulasten, sondern gehen auf die Kappe von Baumgart und Heldt. Baumgart hat eine Mannschaft übernommen, die taktisch schwach ist, es fehlt die Basis und die Truppe wirkt zusammengewürfelt. Leider gelingt es auch der neuen Trainerin nicht, das Team ausreichend zu motivieren und mental aufzubauen. Einige Entscheidungen sind schwer nachvollziehbar: So kann man momentan nicht auf Ilic und Trimmel verzichten. Burcu hingegen muss mutiger agieren. Nur sieben Fouls im Spiel zeugen auch nicht von echter Härte. Die zwei gelben Karten resultieren aus Meckerei und Unsportlichkeit, aber selbst konsequentes Eingreifen fehlt. Ich fordere keinen Kampf um jeden Preis – aber wie soll man Respekt erzwingen, wenn man kaum körperlich präsent ist? Das muss der Mannschaft und der Trainerin längst bewusst sein.
Genug gemeckert – hoffentlich bringt dieser Punkt unserer Moral Aufwind, den können wir gut gebrauchen. Schön wäre es, wenn wir von Beginn an, oder zumindest über längere Phasen, die Energie der letzten Minuten abrufen könnten.
Icke: Am Samstag um 15.30 Uhr trifft der 1. FC Union an der Alten Försterei auf den 1. FC Köln. Mit Verlaub – es sind nur drei Punkte für die Heimmannschaft akzeptabel. Alles andere wäre eine Ausrede. Genau diese drei Zähler brauchen wir, um entspannt die letzten beiden Spiele ohne Sorgen absolvieren zu können.
Unsere beiden Torhüter Rönnow und Raab sind verletzungsbedingt nicht dabei, doch mit Klaus haben wir einen sehr starken dritten Torwart, der sein Können bereits in Leipzig bewiesen hat. Die Hoffnung ist groß, endlich einmal die besten verfügbaren Akteure auf den Platz zu bringen. Dazu zählen derzeit Köhn auf der linken Außenbahn und Kral als Achter. Wahrscheinlich wird Schäfer im Zentrum auflaufen. Juranovic hat seine Verletzung inzwischen überwunden und könnte eine Bereicherung auf der rechten Außenbahn sein. Jeong ist angeschlagen und wird vermutlich von Burke vertreten, der aktuell eher hinderlich als hilfreich ist.
Die vermutete Startelf für Samstag lautet: Klaus – Doekhi, Querfeld, Leite – Juranovic, Khedira, Kral (oder Schäfer), Köhn – Jeong, Ilic, Ansah. Schön wäre es, wenn Güther noch eine Viertelstunde Einsatzzeit bekäme.
Köln kommt mit einem in Topform befindlichen El Mala, der unbedingt noch zur WM fahren möchte. Die Kölner wollen wohl auch mit einem Punkt zufrieden sein, stehen sie doch nur einen Zähler hinter uns, haben aber ein deutlich besseres Torverhältnis. Sie haben zudem die Wut im Bauch, nach einer umstrittenen Niederlage gegen Leverkusen zuhause. Neben El Mala spielt der Ex-Unioner Bülter, und der schnelle Berliner Maina läuft auf der rechten Außenbahn, links agiert der formstarke Kapitän Kaminski. Auf diese vier Spieler gilt es besonders aufzupassen.
Wir sollten unsere eigenen Stärken in den Vordergrund stellen: das konsequente Pressing wieder abrufen, defensive Räume früh schließen und mutig in den Strafraum attackieren – egal ob mit Dribblings oder schnellen Sprints. Wir haben genug Qualität, um die Kölner zu schlagen. Eiserne Konzentration!
Unionfux: Was für ein miserabler April: Weder die Ergebnisse noch die Leistungen stimmen, und selbst der viel beachtete Trainerwechsel zeigt (vorerst) keine Wirkung. Glücklicherweise macht die Konkurrenz keine großen Sprünge, aber die Hoffnung, den Klassenerhalt schon im April klarzumachen, war fast naiv. Im Mai bleiben noch drei Spiele, davon zwei Heimspiele – hier sollten die nötigen Punkte geholt werden. Die Mannschaft muss sich deutlich steigern und mehr Engagement zeigen, insbesondere was den Willen zum Sieg betrifft. Ich hatte mir nach der Verpflichtung von Marie-Louise Eta eine deutliche Reaktion erhofft – man will endlich sehen, dass das Team „sein Herz auf dem Platz lässt“. Dieses Gefühl war viel zu lange nicht vorhanden, die vielen Fehlpässe sind vor allem Konzentrationsmängel, die fehlende Laufbereitschaft lässt die Fitnessfrage aufkommen, und die schwache Antizipation resultiert daraus. Ob einige Spieler gedanklich schon woanders sind, bleibt Spekulation.
Zugegeben, die Qualität der Mannschaft ist nicht überragend, aber wenn kaum jemand seine Normalform erreicht, wird es kritisch. Die meisten Spieler kennen sich gut, bringen Bundesliga-Erfahrung mit, darunter mehrere Nationalspieler.
Überraschend ist, dass Köhn und Kral derzeit offensichtlich geschont werden, während Rothe, Haberer und Kemlein kaum überzeugen. Dadurch fehlt es an Dynamik und Ideen. Juranovic und Burcu sollten mehr Einsatzzeit erhalten. Das wird keine Revolution, aber Köhn bringt mehr Tempo, Kral technische Klasse und Initiative, Juranovic gefährliche Standards und Burcu mehr Unberechenbarkeit. Ich könnte mir auch vorstellen, Ilic als hängende Spitze einzusetzen, da er seine Mitspieler gut in Szene setzen kann. Die Trainerin sollte bei Bedarf auch früher und mutiger wechseln, um frische Impulse zu setzen.
Der Mai kann diese verkorkste Saison ein wenig versöhnen. Es müssen nicht alle Punkte geholt werden, aber die schwache Heimbilanz darf verbessert werden. Mannschaft und Trainerin müssen über sich hinauswachsen und zeigen, dass sie unbedingt weiter in der Bundesliga bleiben wollen. Das Niveau der letzten Spiele genügt nicht, und so macht Fußball keinen Spaß.
Leider kann Frederik Rönnow nicht mehr helfen, er hat sich in Leipzig eine Adduktor-Verletzung zugezogen, Saisonaus für ihn.
Damit ist es die erste Saison seit 2011/12 mit drei Torhütern im Kader (damals Glinker, Höttecke, Pruschke). Interessanterweise sind zwei Bundesliga-Debütanten dabei: Matheo Raab (der am Samstag auf der Bank sitzen könnte, andernfalls wird U19-Talent Wisbereit einspringen) und Carl Klaus, der gegen Köln wohl sein zweites Bundesligaspiel machen wird. Egal, wie es kommt – im Endspurt muss es knallen!
Icke: Schon wieder ein schwaches Spiel beim Auswärtsspiel in Leipzig. Es macht kaum Spaß zuzusehen, und viele Fans teilen diese Meinung. Union war erst in den letzten zehn Minuten engagiert und kämpferisch, davor herrschte Schweigen. Leipzig führte durch zwei Tore in der 22. und 25. Minute. Unser Torwart Rönnow verletzte sich in der 31. Minute und wurde durch Klaus ersetzt, der überraschend sicher spielte.
Rothe hatte keinerlei Bindung zum Spiel und zeigte Schnelligkeitsnachteile gegen die schnellen Leipziger. Warum Coach Eta Rothe statt des schnellen Köhn auf die Außenbahn stellte, bleibt ihr Geheimnis. Zur Halbzeit hätte man das korrigieren müssen, aber es geschah nichts.
Burke zeigte einige mutige Sprints, konnte die Bälle aber schlecht verarbeiten – einfache Fehler zerstörten unser Offensivspiel. In der 63. Minute machte Baku das 3:0 für Leipzig, wir verkürzten noch durch Doekhi und Ilic, doch das reichte nicht mehr. Die späten Wechsel von Eta kamen zu spät, und das Spiel machte erst in den letzten 15 Minuten Spaß. Der Klassenerhalt ist zwar nahe, doch spielerisch gibt es viel zu verbessern.
Christian Beeck sieht das ebenso kritisch: Einige Spieler haben schlicht nicht die Qualität für die Bundesliga, die Mannschaft wirkt mental und physisch nicht fit. Ein Sieg ist dringend nötig – wie er zustande kommt, ist zweitrangig.
Außerdem bleibt unverständlich, warum Kemlein nach seiner Pause wieder durch Haberer ersetzt wurde, der seit Monaten in schlechter Form ist. Kral hingegen spielt meist gut, wenn er eingewechselt wird, wird aber kaum in der Startelf berücksichtigt.
Zusammengefasst: Es ändert sich wenig, die Fehlerquote ist hoch. Spieler mit guter Form (Köhn, Kral) werden ignoriert. Unsere Schnelligkeitsnachteile (Rothe, Querfeld) sind offensichtlich. Und wir haben keine echten Stürmer, die regelmäßig treffen.
Im schlimmsten Fall können Köln, Gladbach, Hamburg und Bremen an uns vorbeiziehen, wenn sie ihre Spiele gewinnen. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich. Wir können froh sein, dass Heidenheim, Wolfsburg und St. Pauli noch schlechter dastehen. Allerdings hat der Abstand auf St. Pauli auf fünf Punkte abgenommen. Gewinnt St. Pauli heute, sind sie auf zwei Punkte herangerückt. Deshalb müssen wir nächste Woche Köln schlagen. Eta, bitte justiere die Stellschrauben, die alle sehen! Diese drei Punkte gegen Köln sind entscheidend! Eisern.