Verspätete Uhrzeit: Klassenerhalt rührt Bundesliga-Trainer tief
Bremen – Vor fast genau zwei Jahren wirkte Daniel Thioune (51) an der Seitenlinie niedergeschlagen wie ein begossener Pudel. Nach einem der verrücktesten Relegationsspiele überhaupt verpassten er und Fortuna Düsseldorf den Aufstieg in die Bundesliga. Mittlerweile ist der ehemalige Profi als Trainer in der höchsten Spielklasse angekommen, darf dort auch in der kommenden Saison bleiben – und hat sich den Erfolg nun verspätet selbst belohnt.
Für Werder Bremen steht am Samstag ab 15:30 Uhr das letzte Saisonspiel gegen Borussia Dortmund an, für das Team geht es dabei um nichts mehr. Der Klassenerhalt ist seit der vergangenen Woche gesichert. Kein glanzvoller Verbleib und nicht aus eigener Kraft erkämpft – doch wie im Fußball häufig gesagt wird, wird sich in einigen Jahren niemand mehr an die Umstände erinnern, solange es Erfolge gibt.
Für Trainer Thioune war der Weg dorthin lang und steinig. Er übernahm die Mannschaft an der Weser Anfang Februar von Horst Steffen (57), gab dem Team neuen Schwung, besonders die Defensive stabilisierte er merklich. Dennoch konnte er nur einen leicht verbesserten Punkteschnitt vorweisen – doch dieser reichte am Ende aus.
Mit dem Erreichen des Minimalziels sicherte sich der 51-Jährige seinen Platz an der Spitze des deutschen Ligasystems und feierte diesen Meilenstein auf ganz besondere Weise: Vor wenigen Tagen ließ sich Thioune die Bundesliga-Anstoßzeit 15:30 Uhr auf seinen linken Unterarm tätowieren.
„Ich habe bereits einige Tattoos. Das neue Motiv steht im Zusammenhang mit unserem knapp verpassten Aufstieg vor zwei Jahren mit Düsseldorf. Aus einer damals noch vagen Idee wurde nun ein konkretes Ergebnis. Es soll mich immer wieder daran erinnern, diesen Job nicht als selbstverständlich zu betrachten“, erklärte der Coach vor dem Spiel gegen den BVB.
Schon im Mai 2024 hatte der Niedersachse öffentlich mit dem Gedanken an das Tattoo gespielt. Nach dem 3:0-Hinspielsieg in der Relegation gegen VfL Bochum hätte die Tätowiernadel fast schon heiß gelaufen.
Doch dann folgte das bittere Heimdebakel mit einem dramatischen Elfmeterschießen, das die Träume von Klub und Trainer abrupt zerstörte.
Erst ein Anruf von Clemens Fritz (45) zwei Jahre später katapultierte Thioune endgültig auf den lang ersehnten Karrierehöhepunkt.
„Weiterhin um 15:30 Uhr anzustoßen, war der klare Auftrag. Die Saison verlief nicht optimal. Doch dank des Klassenerhalts haben wir jetzt die Möglichkeit, zukünftig ein anderes Gesicht zu zeigen und Veränderungen anzustoßen“, blickte der frühere Osnabrück-Stürmer optimistisch nach vorne.
Entschlossen fügte er hinzu: „Wenn ich keine Uhr trage und auf mein Handgelenk schaue, soll mich das Tattoo motivieren und daran erinnern, stets mit vollem Einsatz dabei zu sein.“
1. Bundesliga Tabelle
Die Bundesliga-Tabelle hat folgende Bedeutung: Der Verein, der am Saisonende auf Platz 1 steht, wird Deutscher Meister. Die Mannschaften auf den Plätzen 17 und 18 steigen in die 2. Bundesliga ab. Der Drittletzte auf Platz 16 darf in der Relegation um den Verbleib in der Liga kämpfen. Gegner in dieser Entscheidungsspielen ist der Drittplatzierte der 2. Bundesliga.