Leistners besondere Abschiedsbotschaft an Union: „Berlin trägt Blau-Weiß“
Berlin – Vom ungeliebten Sündenbock zum gefeierten Publikumsliebling – so lässt sich Toni Leistners (35) Abschied bei Hertha BSC beschreiben! Als er in der Schlussphase noch einmal eingewechselt wurde, brandete Jubel im Stadion auf. Die Fans skandierten seinen Namen – ein verdienter Applaus für den Verteidiger.
Er zeigte noch einmal, was ihn in den vergangenen drei Jahren bei Hertha auszeichnete: wortwörtlich Kopf zu bieten. Gleich zweimal verhinderte der kompromisslose Abwehrspieler per Kopf einen Gegentreffer und trug entscheidend zum 2:1-Sieg gegen Greuther Fürth bei.
„Ich mache das, was ich am besten kann: Natürlich bin ich nicht Lionel Messi, aber jeder kann von mir immer vollen Einsatz erwarten“, erklärte Leistner nach dem Heimspiel.
Auch nach dem Schlusspfiff war der Routinier trotz des Rekordtors von Kennet Eichhorn (16) vor der Ostkurve ein gefragter Gesprächspartner. Kurz bevor die Stadionansage endete, hatte er noch eine Botschaft: „Man sieht sich immer zweimal im Leben. Berlin ist blau-weiß!“, rief er lautstark in das Mikrofon.
Zur Erinnerung: Der Start bei Hertha verlief für den ehemaligen Union-Spieler (vier Jahre bei Union Berlin) alles andere als einfach. Er hatte es schwer, wurde sogar mit einem unschönen Plakat („Leistner, verpiss dich aus unserem Verein“) vor der Geschäftsstelle konfrontiert.
„Wenn man so empfangen wird und dann trotzdem so geht, kann man nicht viel falsch gemacht haben“, zog Leistner Bilanz.
Einige aktive Fans hatten ihm vor allem seinen Instagram-Beitrag übelgenommen, in dem er nach einem 5:0-Erfolg mit dem 1. FC Köln im Olympiastadion „Berlin ist rot-weiß“ schrieb – eine Anspielung auf seine Vergangenheit bei Union, die er nun endgültig hinter sich lässt.
Er steht zu dieser Aussage: „Viele haben das gefilmt, deshalb ist es jetzt in Stein gemeißelt. Dazu stehe ich.“
Obwohl Leistner mit 35 Jahren sportlich noch voll auf der Höhe ist, endet seine Zeit bei der Alten Dame nach drei Jahren überraschend. Hertha stellt den Kader um – ohne den erfahrenen Abwehrchef und Ex-Kapitän. Wie bei Diego Demme (34), John Anthony Brooks (33), Tim Hoffmann (21) und Jeremy Dudziak (30) wird sein Vertrag nach der Saison nicht verlängert.
„Natürlich bin ich enttäuscht, weil ich dem Verein sehr verbunden bin“, sagte Leistner. „Es gab keine Vorzeichen. Letzte Woche wurde ich ins Büro gebeten und alles erklärt. Als Spieler akzeptiert man das dann.“
Wie es für ihn weitergeht, steht noch nicht fest. In den kommenden Wochen wird er entscheiden, ob er seine Karriere beendet oder noch einmal woanders anheuert.
„Solange mein Körper mitmacht und ich nahezu alle Einheiten absolvieren konnte – bis auf eine aus privaten Gründen – denke ich, dass ich noch etwas zu bieten habe“, so der erfahrene Spieler. Für ihn hat aber die Familie Priorität: „Ich versuche gerade, alles neu zu ordnen. Ganz fertig bin ich damit noch nicht, so ehrlich muss ich sein.“