zurück

Trainer kritisiert Schiedsrichter scharf: „Nicht zu sehr aufregen, sonst sitzen wir morgen noch hier“

Hamburg – Eigentlich wollte St. Paulis Trainer Alexander Blessin (52) nach dem torlosen Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt bestimmten Themen aus dem Weg gehen, doch am Ende verlor er doch etwas die Fassung.

Das Spiel selbst bot am Sonntag abgesehen von zwei Pfostenschüssen der Kiezkicker und dem verletzungsbedingten Wechsel eines Schiedsrichterassistenten kaum nennenswerte Höhepunkte. Stattdessen rückte Schiedsrichter Felix Zwayer (44) nach dem Spiel in den Fokus und sorgte bei Blessin für steigenden Puls und eine lauter werdende Stimme. „Ich will mich nicht zu sehr reinsteigern, sonst sitzen wir morgen noch hier“, erklärte der 52-Jährige – und tat genau das am Ende doch.

Schon während der Begegnung hatte es zahlreiche hitzige Wortwechsel zwischen beiden gegeben. In der Nachspielzeit sah Blessin seine zweite gelbe Karte der Saison, weil er sich lautstark beschwerte und die Coaching-Zone deutlich verlassen hatte.

„Albert Riera (44) stand fast ständig neben mir, deshalb war es nicht so entscheidend, ob ich mal 20 Zentimeter über der Linie war“, erklärte Blessin auf Nachfrage mit einem Augenzwinkern. „Es gab ja auch keinen vierten Offiziellen mehr.“ Denn Eric Weisbach (29) musste kurz vor der Pause den verletzten Assistenten Christian Dietz (41) ersetzen.

Grundsätzlich gab es aus Blessins Sicht viele Situationen, die ihn aufgeregt hätten. „Gefühlt wurde jede 50:50-Situation gegen uns entschieden“, ärgerte er sich.

Seiner Ansicht nach ließ Zwayer bei den Frankfurtern vieles durchgehen, egal ob sie an Trikots zogen, rempelten oder schubsten – meist blieb die Pfeife stumm. „Frankfurt war regelrecht darauf aus, ein Trikot von uns zu ergattern“, meinte Blessin fast schon sarkastisch. „Das hätten sie gerne mitgenommen.“

Während bei den Kiezkickern viele Zweikämpfe abgepfiffen wurden, ließ Zwayer bei Eintracht fast alles laufen. „Da wurde viel mit beiden Händen geschubst und gezogen“, kritisierte Blessin. „Das kann ein Spiel bei solcher Intensität komplett durcheinanderbringen.“

Besonders die Duelle zwischen Mathias Pereira Lage (29) und dem Frankfurter Abwehrspieler Aurèle Amenda (22) waren äußerst ruppig. Die Zweikämpfe erinnerten zeitweise fast an griechisch-römisches Ringen.

„Mathias ist nicht dafür bekannt, leicht zu Boden zu gehen. Wenn aber beide Hände im Spiel sind, ist das immer ein Foul“, erläuterte Blessin. „Das war bei uns in den letzten Spielen oft so.“

Weiteren Gesprächsstoff lieferte Tomoya Ando (27), der innerhalb weniger Minuten zweimal heftig eingriff und Glück hatte, nicht vom Platz gestellt zu werden.

Der Japaner hatte in der 62. Minute nach einem Foul an Jonathan Burkardt (25) eine Gelbe Karte erhalten, wenig später ging er gegen Farès Chaïbi (23) erneut hart zu Werke. Schiedsrichter Felix Zwayer (44) beschränkte sich darauf, ihn ein letztes Mal zu ermahnen. Kurz darauf nahm Blessin Ando zum Schutz vor weiteren Strafmaßnahmen vom Feld.

„Das erste Foul war keine Gelbe Karte wert, deshalb müssen wir über die zweite auch nicht diskutieren“, stellte Blessin klar. Nachdem er seinen Frust etwas losgeworden war, beruhigte sich der Trainer schnell wieder.