„Die größte Demütigung, die ich erlebt habe“: Fans greifen Spieler an und verhindern eigenen Titelgewinn
Prag – Slavia Prag stand nur noch wenige Minuten vor dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft in der tschechischen Chance Liga. Doch die eigenen Anhänger verhinderten dies! Im Derby gegen den Erzrivalen Sparta Prag kam es zu einem handfesten Skandal: Kurz vor dem Schlusspfiff stürmten Slavia-Fans das Spielfeld, führten zum Spielabbruch und attackierten offenbar auch gegnerische Spieler.
In der siebten Minute der Nachspielzeit, in einem intensiven Derby, bei dem Slavia trotz zweier Platzverweise mit 3:2 gegen den direkten Verfolger aus Sparta führte, lief die Zeit gegen die Hausherren.
Noch drei Minuten hätte Slavia überstehen müssen, um sich den achten Meistertitel vorzeitig zu sichern – doch dann mischten sich die eigenen Fans ein.
Mit mehreren Hundert Anhängern stürmten sie den Rasen, bewaffnet mit Pyrotechnik und herausgerissenen Eckfahnen, einige Bengalos wurden sogar zurück ins Publikum geworfen. Videoaufnahmen zeigen, wie unter anderem Gästetorwart Jakub Surovcik (23) attackiert wird, ins Gesicht trifft und zu Boden geht.
Die Spieler beider Mannschaften suchten Zuflucht in den Kabinen, Sicherheitskräfte eilten auf den Platz, während der Stadionsprecher vergeblich versuchte, die Randalierer von der Spielfläche zurück auf die Tribünen zu verweisen.
Infolgedessen wurde die Partie abgebrochen und das Ergebnis annulliert.
Jaroslav Tvrdík (57), Präsident von Slavia, sprach nach den Vorfällen von der „größten Schande, die ich in elf Jahren beim Verein erlebt habe“.
„Wir können uns dafür nicht rechtfertigen. Unsere Fans haben das Spielfeld gestürmt und das Spiel vor dem Abpfiff unterbrochen. Der Gegner meldete Angriffe auf ein oder zwei Spieler. Ich halte den Abbruch daher für gerechtfertigt“, erklärte der ehemalige tschechische Verteidigungsminister.
Er habe mit seinen Spielern gesprochen, die betonten, sie hätten an der Stelle der Gegenspieler ähnlich reagiert: „Wir können uns nur entschuldigen.“
Die Situation sei schwierig, zumal man nur wenige Minuten von der Meisterfeier entfernt gewesen sei. „Ich bin überzeugt, die Mannschaft hätte es geschafft“, so Tvrdík.
Jetzt bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen der Disziplinarausschuss des tschechischen Liga-Verbandes LFA trifft, doch der 57-Jährige rechnet mit Sanktionen gegen Slavia.
„Ich entschuldige mich bei all den Fans, die auf den Rängen geblieben sind, sowie bei den Zuschauern vor den Bildschirmen. Es ist eine Schande, aber damit müssen wir leben“, betonte der Vereinspräsident abschließend.