„Schein-Sicherheit“: So bewertet der FCM-Präsident personalisierte Eintrittskarten und Maßnahmen
Magdeburg – Im Rahmen der MDR-Debatte „Fans vs. Polizei – Wo liegen die Probleme im Fußball?“ wurde ausführlich über Stadiongewalt und die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des 1. FC Magdeburg und der Polizei diskutiert. Mit auf dem Podium war auch FCM-Präsident Jörg Biastoch (62).
Die Vorfälle zwischen Fans und Polizei beim Spiel des FCM gegen Dynamo Dresden liegen nun fast einen Monat zurück. Dennoch wird weiterhin intensiv darüber debattiert, welche präventiven Schritte unternommen werden sollten und welche Konsequenzen die mutmaßlichen Täter zu erwarten haben.
„Wir wünschen uns Gesichtserkennung, vielleicht auch Drohnen, um die [vermeintlichen] Straftäter zu identifizieren“, schlägt die Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Nancy Emmel, als Lösung vor. Zudem seien personalisierte Tickets, die international bereits weit verbreitet sind, ein weiterer möglicher Ansatz.
FCM-Präsident Jörg Biastoch äußert zu diesen Vorschlägen eine klare Haltung: „Personalisierte Tickets bieten meiner Meinung nach nur eine trügerische Sicherheit. Gerade im Stehplatzbereich ist es kaum möglich, den Aufenthaltsort einzelner Personen nachzuvollziehen.“ Auch den Einsatz von Drohnen lehnt er ab: „Sollten wir KI-gesteuerte Drohnen mit Gesichtserkennung verwenden, würden wir gegen geltendes Recht verstoßen. Solche Maßnahmen sind in Deutschland verboten.“
Gleichzeitig betont der 62-Jährige, dass mit den Ausschreitungen beim Elb-Clásico auch für ihn „eine Grenze überschritten wurde“. Das Verfahren gegen die Verantwortlichen läuft aktuell weiterhin.
Eindeutig ist, dass solche Gewaltausbrüche unbedingt verhindert werden müssen. Tamara Zieschang (55), Innenministerin von Sachsen-Anhalt, geht in der Diskussion gezielt auf die Forderungen der Fans ein, die meinen, Polizisten sollten im Stadion oder besonders vor dem eigenen Fanblock nicht präsent sein.
„Für die Polizei gibt es keine Sperrgebiete. Sie hat das Recht, sich überall im Stadion aufzuhalten“, erklärt Zieschang. Außerdem beschreibt sie die Stimmungslage der eingesetzten Beamten nach dem Vorfall: „Viele junge Polizisten waren im Einsatz, die so eine Gewalteskalation bislang nicht erlebt hatten.“
Für sie steht fest, dass bei gesicherter Identität der mutmaßlichen Täter Stadionverbote ausgesprochen werden müssen. Besonders in einem Fall betont sie: „Bei demjenigen, der derzeit wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft sitzt, sollte man über ein lebenslanges Stadionverbot nachdenken.“
Derzeit liegt die maximale Strafe allerdings bei einem fünfjährigen Stadionverbot. Jörg Biastoch sieht darin den richtigen Weg, da „Stadionverbote präventiv wirken müssen“. Er unterstreicht jedoch, dass er bei schwerwiegenderen Fällen nicht zögern würde, sein Hausrecht durchzusetzen.
Die Meinungen zu möglichen Lösungsansätzen gehen auseinander. Peer Vorderwülbecke (Investigativjournalist, MDR) erklärt: „Die Probleme entstehen vor allem in den aktiven Fangruppen“ und meint dabei insbesondere jene, „die sich von den normalen Fans abkoppeln und vorrangig ihre eigenen Regeln und Codes beachten.“
Michael Gabriel (Koordinator der Fanprojekte) hingegen hält eine direkte Kommunikation für unverzichtbar: „Eine positive Veränderung wird nur möglich sein, wenn man nicht nur über die Fans spricht, sondern sie aktiv einbindet und als Teil der Lösung betrachtet.“
Die Debatte über geeignete Maßnahmen und Strategien wird weitergeführt. Anhand der ZIS-Statistiken lässt sich jedoch bereits ein positiver Trend erkennen: Die Zahl der verletzten Personen im Stadion ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.