Union Berlin Blog: Ein Kapitel schließt sich – Oliver Ruhnert verlässt den 1. FC Union und wechselt zum BSW
Berlin – Eisern: Der Union Berlin Blog bei TAG24 wird von drei echten Originalen aus der Berliner Fußballszene gestaltet.
Die Autoren:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit den 1970er Jahren eingefleischter Union-Fan und seit über 30 Jahren als Betriebswirt im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet, hat ein erwachsenes Kind und lebt mittlerweile in Grünheide. Dort schreibt er als Initiator dieses Blogs.
Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit mehr als 40 Jahren Unioner. Er arbeitet freiberuflich im Bereich Bühne, Radio und Fernsehen – auch dort verfasst er Texte.
Beecke (Christian Beeck) ist ehemaliger Bundesliga-Profi (Hansa Rostock, Energie Cottbus), ehemaliger Manager von Union Berlin und absolvierte 21 Länderspiele für die DDR-Junioren. Er stammt aus dem Union-Nachwuchs und ist Vater von zwei Kindern. Im Blog ist er als Berater tätig.
Unionfux: Am 13. November überraschte der 1. FC Union mit der Nachricht, dass Oliver Ruhnert, langjähriger Chefscout und ehemaliger Geschäftsführer Profifußball Männer, den Verein nach fast achteinhalb Jahren mit sofortiger Wirkung verlässt. Dass er nicht bis zum Saisonende oder wenigstens zur Winterpause bleibt, lässt auf größere Hintergründe schließen. Entweder gab es einen heftigen Streit hinter den Kulissen, der eine weitere Zusammenarbeit unmöglich macht, oder Ruhnert wurde von einem anderen Klub abgeworben. Die Gerüchte, dass er zum FC Schalke zurückkehren könnte, kursieren schon länger.
Doch diesmal ist die Situation eine andere: Ruhnert kandidiert Anfang Dezember als Generalsekretär für den BSW bei deren Bundesparteitag und wird dort aller Voraussicht nach gewählt werden. Die noch junge Partei, die in den letzten Jahren überraschend schnell aufstieg und knapp den Einzug in den Bundestag verfehlte, sieht den Wechsel als großen Erfolg. Sahra Wagenknecht, Namensgeberin und ehemalige Parteivorsitzende, bezeichnet den Wechsel als „Hauptgewinn“ und vergleicht ihn mit einem Königstransfer.
Ruhnerts politische Aktivitäten sind nicht neu: Er saß bereits für die Linke im Stadtrat von Iserlohn und nahm sich damals schon eine Auszeit, um für den BSW in den Bundestag einzuziehen – was nur knapp nicht gelang. Seine politischen Ambitionen brachte er stets offen ein, jedoch trennte er strikt zwischen Sport und Politik.
Vielmehr geht es darum, dass mit Ruhnerts Abschied eine Ära endet, die fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem überraschenden Aus von Urs Fischer kommt. Fischer, damals frisch zum Trainer des Jahres gewählt, gab nach einer katastrophalen Serie von dreizehn Niederlagen und einem Unentschieden frustriert auf.
Gemeinsam mit dem Schweizer Erfolgstrainer, den Ruhnert maßgeblich verpflichtete, steht Ruhnert für eine fast unglaubliche Erfolgsgeschichte: Aufstieg in die Bundesliga, Qualifikationen für Conference und Europa League bis hin zur sensationellen Teilnahme an der Champions League – nach einer Saison ohne Heimniederlage, als einziges Team der fünf großen Ligen. Eine beeindruckende Entwicklung!
Dies gelang auch dank der klugen Transferpolitik des Managers. Ruhnert begann 2017 als Chefscout und stieg ein Jahr später auf. Zahlreiche Schlüsselspieler, darunter Christian Gentner, Sheraldo Becker, Robert Andrich, Taiwo Awoniyi, Robin Knoche, Max Kruse und Benedict Hollerbach, wurden geholt. Auch aktuelle Akteure wie Rani Khedira, Diogo Leite, Danilho Doekhi und Freddy Rönnow sind Garanten für den Erfolg oder zumindest für den Verbleib in der Bundesliga.
Zwischendurch wirkte es fast, als seien Ruhnert und Fischer unfehlbar; Fans und Experten vertrauen darauf, dass solange sie das sportliche Sagen haben, alles gut geht. Umso überraschender ist, dass zuletzt das „goldene Händchen“ von Ruhnert nicht immer griff. Nicht unbedingt Transfers wie Robin Gosens oder Leonardo Bonucci, bei denen das Umfeld eine Rolle spielte, sondern eher die Vielzahl der (teuren) Fehlgriffe wie Puchacz, Möhwald, Öztunali, Dajaku, Endo, Pantovic, Jordan, Kaufmann, Bedia, Tousart oder Volland. Plus Fehleinschätzungen bei Leweling und Asllani.
Fehler gehören zum Geschäft, doch Glücksfälle wurden immer seltener. Gegen Ende seiner Amtszeit wirkt Ruhnert manchmal schon weniger leidenschaftlich, als sei sein Fokus bereits auf seine politische Karriere ausgerichtet. Interviews lassen durchscheinen, dass er ein baldiges Ende im Profifußball erwägt. Dass er freiwillig wieder in die zweite Reihe als Chefscout zurücktritt, ist sicherlich kein Zufall.
War es klug, nach gescheitertem erstem Versuch zurückzukommen? Schwer zu sagen. Die Trennung fällt mittlerweile leichter – für beide Seiten. Es bleibt eine freundschaftliche, grollfreie Scheidung, was in diesem Geschäft selten ist. Ruhnerts Verdienste um Union sind immens und unbestritten. Seine Nachfolge steht noch aus, bisher konnte niemand nachweisen, dass er besser sein wird.
In Zukunft wird man wohl bescheidener wirtschaften müssen: Die Klasse ohne größere Probleme zu halten ist das Ziel. Ruhnert wird sich derweil im politischen Bereich behaupten müssen – keine leichte Aufgabe. Danke, Oliver, für deine fast neun Jahre bei uns. Und gut, dass du nicht zu einem sportlichen Konkurrenten wechselst – das spricht für deine Qualitäten. Viel Glück bei deiner neuen Herausforderung – auf Wiedersehen!
Icke: Deutschland zeigte beim 6:0 gegen die Slowakei eine konzentrierte Leistung über die gesamte Spielzeit. Bereits nach 30 Minuten stand es 3:0. Auch leicht angeschlagene Spieler wie Schlotterbeck und Kimmich spielten und gaben Stabilität. Torhüter Baumann war kaum gefordert, zeigte aber in der 21. Minute seine Klasse mit einer starken Parade.
In der Abwehr funktionierte die Viererkette mit Kimmich, Tah, Schlotterbeck und Raum problemlos. Im Mittelfeld spielten Goretzka und Pavlovic, vorne waren Sane, Wirtz, Gnabry und Woltemade aufgestellt. Die Slowaken wirkten schwach, was Deutschland ausnutzte. Sane überzeugte mit zwei Toren und zahlreichen Vorlagen. Woltemade erzielte den Führungstreffer per Kopf.
Trainer Nagelsmann brachte einige Wechsel, u.a. für Pavlovic und die angeschlagenen Schlotterbeck und Kimmich. Baku erzielte das 5:0, zwei weitere Einwechselspieler sorgten für den 6:0-Endstand. Die WM-Formation dürfte aus elf Spielern bestehen, die auch gegen starke Gegner bestehen können.
Icke: Neben der sportlichen Arbeit bietet Union zahlreiche soziale und Freizeitaktivitäten an: Das Weihnachtssingen, Drachenbootrennen und die eigene Stiftung, die sich im Kiez und in ganz Berlin engagiert. Es gibt Bildungs- und Lernpatenschaften sowie Feriencamps für Kinder. Fans unterstützen den Verein mit großer Zahl, spenden Blut in Massen und beteiligen sich an verschiedenen Events.
Ein besonderes Highlight ist der Union-Preis-Skat, der letztes Wochenende zum 50. Mal stattfand. Organisiert wird das Turnier von altgedienten Unionern wie Andre Rolle und seinem Team. 120 Spieler nahmen teil, das Event steht für Spaß, Zusammenhalt und tolle Preise für jeden Teilnehmer. Das macht den 1. FC Union besonders aus: volle Stadien, lautstarke Unterstützung, Gemeinschaft und vielfältige Aktivitäten abseits des Fußballs. Der Berliner Senat sollte das für die Stadion-Erweiterung bedenken. Eisern!
Icke: Beim 4:0-Sieg in Luxemburg hatte unser Torwart Baumann mehr Ballkontakte als zwei deutsche Stürmer zusammen. Das Spiel war trotz des Ergebnisses nicht die erwartete spielerische Glanzleistung. Einige Spieler fehlten oder wurden geschont. Woltemade erzielte beide Tore. Das Team ist noch nicht homogen, doch der Weg ist klar: Einen Schritt näher zur WM-Qualifikation schaffen und dann ein Team formen, das bei der WM bestehen kann.
Unionfux: Das Spiel gegen die Bayern zeigte erneut: Mut und Entschlossenheit führen zum Erfolg. Trotz Ballbesitznachteil und fehlender individueller Klasse hielt Union gut dagegen und erarbeitete sich Chancen. Der VAR verweigerte ein frühes Tor, doch Haberer brachte Union nach einer Ecke in Führung. Die Bayern glichen durch ein Traumtor von Diaz aus. In der Nachspielzeit gelang Kane der Ausgleich. Ein starkes Zeichen, dass Union gegen starke Gegner bestehen kann und Mut ein Schlüssel zum Erfolg ist.
Unionfux: Union steht vor wichtigen Spielen gegen Bayern, St. Pauli, Heidenheim und Leipzig. Realistisch sind Siege gegen die zuletzt schwächelnden Gegner und Unentschieden gegen die Bayern. Transfergerüchte drehen sich um Diogo Leite und Doekhi, die bei Vereinen wie Florenz und AC Turin im Blickfeld sind. Der Wunsch nach einem kreativen Spielmacher bleibt aktuell unerfüllt.
Mit der überraschenden Trennung von Oliver Ruhnert endet eine sehr erfolgreiche Union-Ära, die auch sportlich die erfolgreichste Zeit des Vereins prägte. Wir danken Oliver für alles und wünschen ihm für die politische Karriere alles Gute.
Icke: Jochen Lesching, eine Vereinsikone und langjähriger Organisator, verabschiedete sich kürzlich. Er baute eine Druckerei auf, die Union-Programmhefte und vieles mehr druckte und soziale Projekte unterstützte. Lesching war eine wichtige Figur im Verein, dessen Wirken in vielen Bereichen geschätzt wurde. Sein Engagement steht für ein erfülltes Leben im Sinne von Union. Eisern.