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Reform-AG trifft sich am Mittwoch in Frankfurt: Fortschritt oder nur heiße Luft?

Chemnitz – Es ist soweit! Am kommenden Mittwoch versammelt sich die Arbeitsgruppe zur Regionalliga-Reform in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Wird dort endlich eine Lösung für die Regionalliga-Frage gefunden, oder endet die Sitzung erneut im berühmten Hornberger Schießen? Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“, die im Februar 2025 von 17 Vereinen der Regionalliga Nordost gegründet wurde, hat inzwischen auf 70 Klubs aus der Bundesliga bis zur Oberliga (5. Liga) anwachsen können.

„Wir sind dankbar für jeden Club, der sich einer der größten Bewegungen in der Geschichte des deutschen Fußballs anschließt und damit den umfassenden ligenübergreifenden Reformwillen weiter stärkt“, erklärt Mitbegründer Tommy Haeder (34), Geschäftsführer des Chemnitzer FC und Sprecher der Reform-Initiative „Aufstiegsreform 2025“.

In seinem „Wohnzimmer“, dem Gellertstadion, zeigten die Fans am Sonntag beim Ost-Duell gegen Carl Zeiss Jena Plakate mit der Aufschrift: „Aufstiegsreform jetzt“. Ob Chemnitz, Union Berlin, Schalke 04, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, FSV Zwickau, Hallescher FC, Bonner SC oder Wacker Burghausen – sie alle eint ein gemeinsames Ziel: Die Meister müssen aufsteigen dürfen.

„Es ist auch eine Frage der Fairness“, betont André Beuchold, Geschäftsführer des FSV, und spricht damit ein zentrales Problem an: Die Regionalliga Nordost stellt für viele Traditionsvereine einen Engpass dar.

Derzeit steigen nur die Meister aus den Regionalligen Südwest und West direkt auf. In den Staffeln Nord, Nordost und Bayern wechseln sich die Aufstiegsrechte im Dreijahresrhythmus ab und ermitteln den letzten freien Platz über Relegationsspiele.

„Diese Ungerechtigkeiten müssen beseitigt werden, damit der jeweilige Meister aufsteigen kann und die Regionalligen insgesamt professionalisiert werden. Die Nordost-Staffel ist mit Abstand die attraktivste Regionalliga, was sich besonders am Zuschauerzuspruch zeigt. Eine systematische Benachteiligung gegenüber anderen Staffeln darf deshalb nicht länger bestehen“, so Beuchold.

Als vielversprechendste Lösung gilt das sogenannte Kompassmodell, das die Anzahl der Regionalliga-Staffeln von derzeit fünf auf vier reduzieren möchte und als einzige Option mit Aussicht auf breite Zustimmung gilt. Die Einteilung der Ligen erfolgt dabei mithilfe von Künstlicher Intelligenz.

Dabei wird auf kurze Fahrstrecken geachtet, wobei wichtige Derbys erhalten bleiben sollen.

FSV-Trainer Rico Schmitt (57) plädiert indes für eine noch grundlegendere Reform: „Was spricht dagegen, die 1. Bundesliga auf 20 Teams zu belassen und die 2. und 3. Liga jeweils auf 22 Mannschaften zu erweitern? Da muss sich etwas öffnen. Mehr Spiele lassen sich, vor allem im Hinblick auf TV-Gelder, besser vermarkten.“

Der erfahrene Coach kann sich auch eine zweigleisige 4. Liga mit jeweils 24 Teams vorstellen, inklusive zwei Aufsteigern und vier Absteigern pro Staffel.

Schmitt erklärt weiter: „Spieler, die für höhere Aufgaben entwickelt werden sollen, brauchen Spielpraxis und Einsatzzeit! Deshalb sollte man darüber nachdenken, die zweiten Mannschaften von den Profiligen zu trennen. Nehmen wir nur das Beispiel Hertha II bei uns – gegen die wirtschaftlichen Mittel können wir einfach nicht konkurrieren.“

Er ergänzt: „Es geht außerdem darum, den Nachwuchsspielern aus den NLZs den Übergang zum Profifußball zu erleichtern. Sonst kommen sie etwa von Hertha oder Dortmund und stehen dann plötzlich mit ihren teuren Markentaschen in Rathenow am Bahnsteig, wo sie einen Kulturschock erleben, weil sie zum ersten Mal aus ihrer gewohnten Umgebung herauskommen.“

Regionalliga Nordost Tabelle

Der Meister der Saison 2026 tritt am Saisonende in zwei Aufstiegsspielen gegen den Meister der Regionalliga Bayern an. Der Gewinner dieser Begegnungen steigt in die 3. Liga auf. Insgesamt können maximal vier Mannschaften aufsteigen, abhängig von der Anzahl der Absteiger aus der 3. Liga.