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Männel spricht Klartext, Stefaniak schweigt, Gegner zeigen Unverständnis: Erzgebirge Aue im freien Fall

Aue-Bad Schlema – Wer nicht kämpft, hat bereits verloren – diesen Grundsatz gilt es solange zu beherzigen, bis Erzgebirge Aue mathematisch den Klassenerhalt in der 3. Liga nicht mehr schaffen kann. Betrachtet man allerdings die jüngste fünfte Niederlage im siebten Rückrundenspiel gegen den VfL Osnabrück, ein 1:3 (1:1), kommt man zum Schluss: In diesem Zustand wird Lila-Weiß den Abstieg nicht verhindern.

„Das hat weniger mit Taktik oder Spielstrategie zu tun, sondern vor allem mit mangelnder Konzentration“, analysierte FCE-Trainer Christoph Dabrowski (37) exemplarisch die Entstehung der beiden Osnabrücker Treffer kurz hintereinander (73./76.), die jeweils nach Einwürfen entstanden, bei denen das Team die klare Zuordnung vermissen ließ und so den Ball nicht konsequent verteidigen konnte.

Joe Enochs (54), selbst ein erfahrener Trainer aus der 3. Liga und nun Sportdirektor des Aufstiegsanwärters Osnabrück, schüttelte auf der Presstribüne ungläubig den Kopf, als er das erste Gegentor der Auer (17.) Revue passieren ließ.

VfL-Coach Timo Schultz (48) sprach in der nachfolgenden Pressekonferenz ebenfalls die Szene an, in der Tristan Zobel (22) klären wollte, sich dabei aber fast mit Ryan Malone (33) kollidierte: „Wir sind durch einen Fehler in der Abwehr in Führung gegangen.“

Beide Verantwortliche aus Osnabrück erkannten ein Muster, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison zieht: Entweder Slapstick oder schlichtweg fehlende Qualität. Zobel, der das 0:1 verschuldete und in früheren Spielen schon mehrfach nicht überzeugte, verlor vor dem 0:2 den Gegenspieler aus den Augen und zog dann noch den Kopf ein.

Das dritte Gegentor war das Resultat einer kollektiv schwachen Defensivleistung beim Zurücklaufen.

Was Erzgebirge Aue momentan fehlt? Der Kampfgeist, der im Abstiegskampf essenziell ist – aggressives Einsteigen und unangenehmes Spiel. Ein Sinnbild dafür war Marvin Stefaniaks (31) verhängnisvoller Querpass im eigenen Strafraum in der ersten Halbzeit.

Kapitän Martin Männel (37) brachte es unverblümt auf den Punkt: „In einem Spiel, das von kleinen Details entschied, haben wir total versagt – sowohl in der Defensive bei solchen kleinen, unangenehmen Situationen als auch im Angriff im Strafraum.“

Er kritisierte das fehlende defensive Bewusstsein und die mangelnde Übernahme von Verantwortung sowie die fehlende Entschlossenheit nach vorne. Männel stellte sich den kritischen Fragen, während Vizekapitän Stefaniak sich selbst wortwörtlich einen Maulkorb verpasste und gegenüber dem „MDR“ sagte: „Bevor ich alles kaputt rede...“

Ein Abstieg Aues hätte weitreichende Folgen: Neben den Spielern und deren Verträgen stünden auch Arbeitsplätze im Verein auf dem Spiel, da der Haushalt bei einem Abstieg deutlich schrumpfen würde. Männel ist sich dessen durch seine fast 18-jährige Zugehörigkeit zum Klub bestens bewusst. Doch trifft das Bewusstsein auch auf seine Teamkollegen zu?

„Das haben alle verstanden! Es ist das eine, sich der Lage bewusst zu sein, aber auch den Mut zu besitzen, Verantwortung zu übernehmen und Leistung abzurufen, das andere. Wir haben viele junge Spieler im Kader, für die das vielleicht die erste solche Situation ist“, erklärte Männel.

Er betonte noch einmal, dass jedem die Situation klar sei.

3. Liga Tabelle

Die Bedeutung der Tabelle in der 3. Liga ist folgende: Der Tabellenführer am Ende der Saison wird Meister und steigt in die 2. Bundesliga auf. Auch der Zweitplatzierte sichert sich den direkten Aufstieg. Der Drittplatzierte muss in einer Relegation gegen den Drittletzten der 2. Liga antreten, um den Aufstieg oder Verbleib in der jeweiligen Spielklasse zu klären.