Rufe nach Leitl-Raus bei Hertha BSC: Könnte Klub-Chef Görlich seine Haltung ändern?
Von Thomas Flehmer, Arne Richter
Berlin – Trotz lauter Forderungen von Fans nach einem Trainerwechsel hält Hertha-Manager Peter Görlich (59) an der vorzeitigen Jobgarantie für Stefan Leitl (48) fest.
„Ich würde dieselbe Entscheidung noch einmal treffen“, erklärte der 59-Jährige bei einer Pressekonferenz. Nach der blamablen 1:6-Niederlage zum Saisonabschluss gegen Arminia Bielefeld hatten Anhänger die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Trainer kritisch hinterfragt.
Görlich betont hingegen die Bedeutung von Kontinuität: „Wir brauchen eine verlässliche Planungsperspektive. Das Verhalten in Bielefeld ab der 46. Minute ist natürlich nicht akzeptabel.“
Sowohl Görlich als auch zahlreiche Mitarbeiter und Trainer aus der Hertha-Akademie hatten sich bereits nach dem 25. Spieltag zurückgezogen, um eine ausführliche Saisonanalyse durchzuführen.
Im Fokus standen dabei vor allem die Verfügbarkeit einzelner Spieler über mehrere Partien hinweg sowie das Verhalten bei Standardsituationen – zwei Bereiche, die in der abgelaufenen Spielzeit nicht optimal besetzt waren.
„Wir sind von Beginn an hinterhergelaufen. Gegen Spitzenmannschaften können wir mithalten, aber nicht konstant überzeugen“, äußerte Sportdirektor Benjamin Weber (46). Er kritisierte zudem die Heimschwäche, verwies aber auch auf die Entwicklung: „Man darf nicht vergessen, in welcher Situation wir vor drei Jahren nach dem Abstieg waren.“
Damals erhielt Hertha BSC gerade so die Lizenz und hatte nur eingeschränkte Möglichkeiten bei der Spielersuche – eine Lage, die sich bis heute kaum verbessert hat. „Wir werden an Qualität einbüßen“, so Görlich. Talente wie Kennet Eichhorn (16), Tjark Ernst (23) oder Fabian Reese (28) wecken Begehrlichkeiten, und Hertha muss zunächst Spieler verkaufen, bevor neue verpflichtet werden können.
Aufgrund der angespannten Finanzlage sind treffsichere Transfers unverzichtbar, um den Anforderungen gerecht zu werden – ein Punkt, der in den vergangenen Jahren oft nicht erfüllt wurde. Diese Defizite sollen durch ein verbessertes Scouting reduziert werden. Mit Basti Huber (46) sei bereits eine wichtige Schlüsselperson verpflichtet worden, so Görlich: „Wir suchen nach Spielerprofilen, nicht nur nach Positionen.“
Die Erkenntnisse aus der Analyse sowie das neue Scouting-System sollen dazu beitragen, die kommende Saison erfolgreicher zu gestalten. Görlich spricht dabei nicht von einem „Neustart“, sondern von einer „Feinjustierung“.
Das Ziel bleibt unverändert. „Unser Wunsch ist es immer, in der Liga zu spielen, in der auch Union Berlin antreten“, erklärte Görlich. „Aber wir müssen realistisch bleiben. Einen Aufstieg ruft man nicht aus, man erarbeitet ihn sich.“