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Ist das wirklich Rot? Diskussion um ungewöhnlichen Platzverweis im Drittliga-Spiel

Stuttgart – Für Aufsehen sorgt eine umstrittene Entscheidung im Drittligaspiel zwischen den Zweitvertretungen des VfB Stuttgart und der TSG 1899 Hoffenheim. Hoffenheims Yannis Hör (21) erhielt am Sonntag eine der wohl merkwürdigsten Roten Karten, die man sich vorstellen kann.

In der 90. Minute, kurz nachdem der VfB II das 1:0 erzielt hatte, wollte der Linksverteidiger das Spiel nach einem Ball, der ins Aus gegangen war, schnell wieder aufnehmen.

Hör hatte den Ball bereits für einen Einwurf aufgenommen, als ein weiterer Ball zu ihm ins Spielfeld rollte. Ohne zu zögern spielte der 21-Jährige den zusätzlichen Ball zurück ins Aus, führte anschließend den Einwurf aus – und war genau wie die umstehenden Akteure überrascht, als Schiedsrichter Timo Gansloweit (29) das Spiel sofort unterbrach und Hör die Rote Karte zeigte!

Was war geschehen? Der von Hör zurückgespielte Ball traf unglücklicherweise einen Betreuer der Stuttgarter auf der Bank am Kopf. Der Schiedsrichter wertete dies offenbar als absichtliches Verhalten, sodass Hör nicht nur verwarnt, sondern direkt des Feldes verwiesen wurde – wegen unsportlichen Verhaltens.

Hör ging sofort zu dem Betreuer, um sich zu entschuldigen. Sowohl er als auch seine Mitspieler versuchten dem Schiedsrichter-Team zu erklären, dass es sich um einen unglücklichen Rückpass und keine Provokation gehandelt habe.

Da in der 3. Liga kein Videobeweis zur Verfügung steht, blieb die Entscheidung von Gansloweit endgültig. Wenige Minuten vor Spielende musste Hör somit die Kabine aufsuchen. Nach dem Schlusspfiff entfachten die Diskussionen auf dem Spielfeld erneut.

Auch Hoffenheims Trainer Stefan Kleineheismann (38) bewertete die Rote Karte als überzogen.

„Für mich ist das eher eine Gelbe Karte. Ein Mitarbeiter auf der Bank wirft einen Ball hinein, und er will diesen nur zurückspielen, trifft ihn aber unglücklich. Dafür haben wir uns entschuldigt, falls etwas Schlimmeres passiert wäre“, erklärte der Coach nach dem Spiel. „Aus meiner Sicht wäre eine gelbe Karte angemessen gewesen.“

Für den Spielverlauf hätte dies allerdings keine Rolle mehr gespielt, da Hör bereits in der 76. Minute verwarnt worden war und somit eine Gelb-Rote Karte die Folge gewesen wäre.

Kleineheismann fügte hinzu: „Dann wäre er zwar auch vom Platz gegangen, aber eben nicht mit einer direkten Roten Karte.“

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bislang noch keine Entscheidung über das Strafmaß getroffen, sodass weiterhin unklar ist, wie lange Hör seiner Mannschaft fehlen wird.

Tabellenstand in der 3. Liga

Die Tabelle der 3. Liga ist wie folgt zu verstehen: Wer am Saisonende Platz 1 belegt, wird Meister der Liga und steigt in die 2. Bundesliga auf. Auch der zweite Rang berechtigt zum direkten Aufstieg. Der Drittplatzierte hingegen muss in der Relegation gegen den Drittletzten der 2. Bundesliga antreten, um den Aufstieg oder Verbleib in der jeweiligen Liga zu klären.