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Krisengespräch nach Hertha-Krawallen: „Gewalt gegen die Polizei werde ich nicht dulden“

Von Arne Richter, Johannes Kohlstedt

Berlin – Eigentlich sollte es ein großes Fußballereignis werden, doch die Ereignisse vor Spielbeginn beherrschten die Berichterstattung. Die Bilanz: Mehr als 50 Verletzte. Es folgten gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Fans, Polizei und Politik.

Inzwischen fand ein Krisengespräch zwischen Hertha BSC, Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) und der Berliner Polizei statt – jedoch offenbar ohne greifbares Ergebnis.

Alle Beteiligten gaben an, weiterhin gemeinsam nach Lösungen für den Konflikt zwischen Anhängern und Einsatzkräften zu suchen.

„Wir hatten heute ein sehr gutes und konstruktives Gespräch mit der Polizeiführung Berlins sowie der Geschäftsleitung von Hertha BSC. Ich habe dabei unmissverständlich klargemacht, dass in Berlin keine rechtsfreien Räume existieren. Gewalt gegen Einsatzkräfte werde ich nicht tolerieren“, erklärte Spranger.

Hertha zeigte sich nach den Vorfällen deutlich und übte Kritik am jüngsten Vorgehen der Polizei. Der Verein bewertete das Treffen positiv: „Nach dem heutigen Austausch zwischen Innensenatorin Iris Spranger, Vertretern der Berliner Polizei und unserem Geschäftsführer Dr. Peter Görlich ziehen alle Beteiligten eine positive Bilanz. Im Zentrum des offenen und konstruktiven Gesprächs stand das gemeinsame Ziel, die Grundlagen für ein gewaltfreies und sicheres Stadionerlebnis zu verbessern.“

Zu möglichen Deeskalationsmaßnahmen für das nächste Heimspiel von Hertha am 1. Februar (13.30 Uhr/Sky) gegen Darmstadt 98 im Olympiastadion wurden keine Details bekanntgegeben. Neben Spranger und Görlich nahm auch Berlins Polizeivizepräsident Marco Langner an der hochrangigen Runde teil, Vertreter der organisierten Fanszene waren jedoch offenbar nicht eingeladen.

Die Ausschreitungen ereigneten sich am vergangenen Samstag vor dem Zweitliga-Topspiel gegen Schalke 04 (0:0) am Osttor des Olympiastadions beim Einlass der Heimfans.

Im Anschluss beschuldigten sich Fans und Polizei gegenseitig, durch Provokationen die Gewalt provoziert zu haben. Außerdem wurde beiden Seiten übermäßige Gewaltanwendung vorgeworfen. Nach Angaben der Polizei wurden 21 Beamte und 31 Anhänger verletzt.

Der Hauptstadtklub forderte die Innensenatorin zu einem schnellen Dialog auf, dem Spranger nachkam. „Über viele Jahre hinweg gab es eine sehr gute Abstimmung zwischen Polizei Berlin und Hertha BSC, auch im Rahmen regelmäßiger Sicherheitsgespräche. Beide Seiten haben sich darauf verständigt, diese Zusammenarbeit fortzuführen und zu intensivieren – das betrifft auch die Nachbereitung der Vorfälle beim Spiel Hertha BSC gegen den FC Schalke 04“, teilte Spranger nach dem Treffen mit.

Die Alte Dame kündigte an, die Gespräche fortzusetzen. „Sowohl die Polizei Berlin als auch Hertha BSC haben deutlich gemacht, dass sie die Inhalte auch intern weiter aufarbeiten werden. Zugleich herrscht Einigkeit, den Dialog aufrechtzuerhalten und in weiteren Gesprächen alle relevanten Beteiligten zusammenzubringen, um nachhaltige und tragfähige Lösungen zu entwickeln“, hieß es.

Über den weiteren Verlauf der Gespräche werde man zu gegebener Zeit informieren.