Die Partie in Köln zeigt: Bei Aue hapert es nicht nur im Angriff – „Gegentore fallen viel zu leicht!“
Köln/Aue – Warum Erzgebirge Aue derzeit auf einem Abstiegsplatz rangiert, wurde im Auswärtsspiel bei Viktoria Köln in etwas mehr als einer Halbzeit deutlich sichtbar. Die gezeigte Kampfbereitschaft und die daraus resultierende Aufholjagd, bei der ein 0:2-Rückstand noch in ein 2:2 (0:1) verwandelt wurde, schüren hingegen weiterhin die Hoffnung, dass unter dem neuen Trainer Christoph Dabrowski (47) der Klassenerhalt möglich ist.
„Ich denke, wir haben uns für die zweite Halbzeit mit einem wichtigen Punkt belohnt, wissen aber, dass das insgesamt nicht ausreicht“, erklärte Torjäger Marcel Bär gegenüber „MagentaSport“. Der 33-Jährige hatte mit seinem Kopfballtreffer zum 1:2 den Veilchen neuen Schwung verliehen.
Dem war eine hervorragende Kombination von Marvin Stefaniak (31) und Jamilu Collins (31) auf der linken Außenbahn vorausgegangen, die Außenverteidiger Collins mit einer präzisen Flanke auf Bär abschloss. Dieser Angriff unterstrich die vorhandene Offensivqualität eindrucksvoll.
Auch Julian Guttaus (26) Freistoß an den Pfosten, der Jannic Ehlers (23) in Szene setzte (82.), bewies, dass Aue Standardsituationen beherrscht – und zwar nicht nur harmlose Hereingaben wie zu Beginn der Partie. Doch dies war das geringste Problem in der ersten Halbzeit. Vielmehr fehlte es an vielen Dingen: zu wenig Druck auf den Gegner, mangelndes Zweikampfverhalten und zu viele Fehler im eigenen Ballbesitz.
Trainer Dabrowski analysierte exemplarisch das 0:1 durch Benjamin Zank (21.): „Wir wirkten nicht griffig genug, die Abstände waren zu groß. So ließ man den Gegner durch die Mitte kombinieren, verpasste es den Laufweg auf dem Flügel zuzustellen und verteidigte in der Box nicht konsequent am Mann.“
Die eigentliche Krönung ereignete sich jedoch nach dem Seitenwechsel. Köln baute den Spielaufbau von hinten flach bis zur Mittellinie auf – wieder ohne Gegenpressing. Stefaniak auf dem Flügel konnte den langen Ball nicht verhindern, sodass Tristan Zobel (56.) in ein Laufduell mit Leonhard Luis Münst gezwungen wurde.
Aues Verteidiger hatte große Mühe, hinterherzukommen, und als beide stürzten, sprang der Ball unglücklich vom Knie Zobels ins eigene Tor. Anthony Barylla (28) versuchte noch nachzusetzen, allerdings nicht mit vollem Körpereinsatz. „Ich weiß nicht, ob ‚Brylle‘ den Ball noch hätte klären können. So ein Eigentor tut natürlich weh“, kommentierte Ehlers.
In Aue wird häufig über eine ineffiziente Offensive gesprochen, doch was letztlich das Team umbringt, sind die Gegentore – vor allem die Art und Weise, wie sie zustande kommen.
Bär kritisierte offen: „Die Gegentore fallen viel zu leicht! Besonders das zweite darf einfach nicht passieren, denn genau aus solchen Situationen resultiert unsere Tabellenposition und das zieht sich durch die ganze Saison. Wir sind eine der Mannschaften mit den meisten Chancen, erzielen aber die zweitwenigsten Tore. Das hat seinen Grund, warum wir dort unten stehen.“