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Nagelsmann kündigt überraschende Entscheidungen für die WM an, die „nicht überall auf großes Verständnis stoßen“ werden

Frankfurt am Main – Müssen sich die Anhänger des deutschen Fußballs auf unerwartete Wendungen bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft einstellen? Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) hat bereits rund dreieinhalb Monate vor dem Turnier in Kanada, den USA und Mexiko angedeutet, dass manche Auswahl in seinem Team für Aufsehen sorgen könnte.

„Es geht darum, welche Spieler miteinander harmonieren. Dabei werden Entscheidungen getroffen, die, das kann ich jetzt schon sagen, wohl nicht auf allzu große Zustimmung stoßen werden“, so der DFB-Coach im Gespräch mit dem „kicker“. „Weder bei den Spielern selbst noch in der breiten Öffentlichkeit.“

Der 38-Jährige wollte sich noch nicht allzu konkret äußern, doch es könnte passieren, dass Profis, die beim Verein unumstrittene Stammkräfte und Leistungsträger sind, im Nationalteam womöglich einen Platz auf der Bank einnehmen müssen.

Nagelsmann äußerte sogar die Befürchtung, dass einige Stars, denen das bevorsteht, aus eigener Initiative auf eine WM-Teilnahme verzichten könnten. „Das wird der Spieler vielleicht nicht öffentlich kommunizieren, aber im vertraulichen Gespräch“, erklärte der Trainer.

Andererseits gibt es auch Fälle, die genau entgegengesetzt verlaufen – hier nannte der Bundestrainer einen konkreten Namen: Leon Goretzka (31).

Obwohl der Mittelfeldspieler beim FC Bayern um Einsatzzeiten kämpfen muss und oft nur eingewechselt wird, sieht Nagelsmann ihn als den besten Kandidaten für die offensivere Position in der Doppelsechs.

„Weil er einer ist, der auch in den Strafraum eindringt, kopfballstark ist und viel Durchschlagskraft mitbringt. Ich erinnere mich nur an das Spiel gegen Nordirland: Hätte er nicht gespielt, hätten wir sicher nicht gewonnen, weil er 60 Bälle weggeköpft hat“, erläuterte der DFB-Trainer seine Entscheidung.

Zudem fehle es in Deutschland an einer stabilen, zweikampfstarken Sechser-Alternative – auch in der Luft, so Nagelsmann. „Das sind meist sehr ähnliche Typen: Pascal Groß, Angelo Stiller, Pavlovic, Nmecha, selbst Robert Andrich – sie alle wollen den Ball und benötigen stets einen Partner, mit dem sie sich absprechen können.“

Auf weiteren Positionen könnten ebenfalls Überraschungen möglich sein. Besonders im Tor und im Sturmzentrum wollte sich der gebürtige Landsberger noch nicht definitiv auf Oliver Baumann (35) beziehungsweise Nick Woltemade (24) festlegen.

Wahrscheinlich werden die anstehenden Länderspiele Ende März gegen die Schweiz (27. März, 20.45 Uhr) und Ghana (30. März, 20.45 Uhr) weitere Klarheit bringen.