FC St. Pauli: Jackson Irvine absolvierte „eines meiner härtesten Spiele“
Hamburg – Er biss auf die Zähne! St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (32) hielt beim 2:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart deutlich länger durch als geplant und erhielt dafür viel Anerkennung von seinem Trainer. Ob dieser ihm jedoch seinen Wunsch erfüllt, bleibt fraglich.
Strahlend vor Freude, aber sichtlich erschöpft betrat Irvine nach dem Spiel die Mixed-Zone am Millerntor. „Oh mein Gott“, entfuhr es ihm. „Bis Donnerstag will ich keine Trainingseinheit mehr sehen.“ Ob ihm sein Coach diesen Wunsch erfüllt, ist jedoch noch offen. Laut Trainingsplan muss Irvine bereits am Dienstag wieder an der Kollaustraße zum Training erscheinen.
Bis dahin hat der Australier die Möglichkeit, seine herausragende Leistung noch einmal Revue passieren zu lassen. „Jackson ist unser Kapitän und hat heute eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig er für unser Team ist. Er hat großen Charakter bewiesen“, lobte ihn auch Adam Dzwigala (30). Trainer Alexander Blessin, der sonst selten einzelne Spieler besonders hervorhebt, äußerte sich diesmal anders: „Ein großes Kompliment, wie Jacko durchgehalten hat. Niemand hatte erwartet, dass er 90 Minuten durchspielt. Heute nehme ich mir heraus, den Kapitän vom Platz zu nehmen.“
Seine Bedeutung war bereits in den vergangenen Partien deutlich geworden. Immer wenn Irvine auf dem Feld stand, wirkte St. Pauli strukturierter im Spiel – so auch am Samstag. Deshalb wollte Blessin ihn so lange wie möglich im Einsatz sehen.
Allerdings war früh erkennbar, dass Irvine mehr hinkte, als dass er lief. „Ab der Halbzeit hat man das deutlich bemerkt, bis dahin ging es noch“, erklärte Blessin. „Er war zunächst gar nicht in der Kabine und ließ sich erst später behandeln. Danach kam er zurück, und ich fragte ihn, wie es ihm geht.“
Der Australier gab zunächst grünes Licht für weitere zehn bis 15 Minuten. „Um der Mannschaft noch einmal ein gutes Gefühl zu geben und nicht sofort die Struktur zu verlieren“, so der Trainer.
Doch auch danach kam eine Auswechslung nicht in Frage. „Wir haben uns immer wieder abgestimmt, doch er humpelte zunehmend mehr. Ich weiß nicht einmal, ob er noch gesprintet ist, trotzdem hat er seine Position hervorragend ausgefüllt.“
So biss sich Irvine bis zum Abpfiff durch und stand inklusive Nachspielzeit rund 97 Minuten auf dem Feld – und das ohne den Einsatz von Schmerzmitteln, wie er verriet. „Ich war einfach nur heiß auf das Spiel“, erklärte er lachend. „Im Ernst, das war eines meiner härtesten Spiele. Ich muss mal ein ernstes Gespräch mit Alex führen, 90 Minuten hatten wir nicht geplant. Aber ich würde mich niemals selbst vom Platz nehmen, wenn ich gebraucht werde.“
Wie groß das Risiko letztlich war, wird sich noch zeigen. Mehr Schaden anrichten als ohnehin schon vorhanden, könne man nicht, betonte Blessin. Das größere Problem sieht er jedoch woanders: „Ich hoffe, dass die Schmerzen nicht dazu führen, dass er eine längere Ausfallzeit braucht.“ Mindestens zwei Tage hat Irvine nun Zeit, um sich zu erholen.