Hertha-Anhänger geraten mit Polizei aneinander: Klub kündigt gründliche Aufarbeitung an
Von Arne Richter
Berlin – Nach den Auseinandersetzungen zwischen Hertha-Anhängern und Polizeikräften beim Zweitliga-Topspiel gegen Schalke 04, bei denen über 50 Personen verletzt wurden und mehrere Festnahmen erfolgten, hat der Berliner Geschäftsführer Peter Görlich (58) eine umfassende Untersuchung der Vorfälle zugesagt.
„Dieses Spiel hätte wirklichen Zuspruch verdient gehabt. Die Arena hätte an diesem Tag besser gefüllt sein sollen. Das ist sehr bedauerlich, doch nun gilt es, die Geschehnisse sorgfältig zu analysieren. Wir werden alle Fakten zusammentragen, klare Antworten geben und unsere Haltung dazu deutlich machen“, erklärte Görlich nach dem Vorfall vor dem Osttor des Olympiastadions.
Bereits vor dem torlosen Remis der Berliner gegen den Spitzenreiter aus dem Ruhrgebiet kam es beim Einlass der Heimfans zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Laut Angaben der Behörden wurden dabei 31 Anhänger sowie 21 Beamte verletzt.
Hinsichtlich der Ursachen der Eskalation liefern sich Polizei und die Hertha-Fanhilfe als Vertretung der Fans widersprüchliche Darstellungen. Während die Polizei von erheblicher aggressiver Gewalt der Anhänger berichtete, kritisierte die Fanhilfe den Einsatz der Polizeikräfte als überzogen.
Görlich plant nun, sich mit dem Präsidium des Berliner Fußball-Zweitligisten um Präsident Fabian Drescher abzustimmen. Zudem sollen Gespräche mit Vertretern der Fans, der Polizei und politischen Verantwortlichen folgen. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) war während des Spiels im Stadion anwesend, und es besteht laut Görlich ein fortlaufender Austausch.
Zunächst hatten sowohl die Berliner als auch die Schalker Fangruppen als Reaktion auf die Vorfälle ihre verbale Unterstützung für die Mannschaften eingestellt, viele Hertha-Fans verließen in der ersten Halbzeit die Ostkurve.
Der Berliner Trainer Stefan Leitl (48) verfügte unmittelbar nach der Partie noch nicht über detaillierte Informationen, bedauerte jedoch, dass sein Team nicht wie gewohnt angefeuert wurde.
„Das ist wirklich schade, denn die Jungs haben eine sehr starke Leistung gezeigt. Der Support hätte heute womöglich noch das gewisse Etwas herausgekitzelt, sodass wir uns gemeinsam hätten belohnen können“, sagte Leitl.
Görlich betonte, bei Hertha sei man überzeugt, „dass wir an verschiedenen Stellen sinnvoll Einfluss nehmen können und als Verein in der Lage sind, ein positives Stadionerlebnis zu gewährleisten – nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf den Rängen. Unsere Betreuung der Fans und Mitglieder leistet dabei gute Arbeit. Deshalb wollen wir auch stärker wahrgenommen werden, denn was passiert ist, wollte niemand“, sagte er im Bezug auf die Geschehnisse.