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Hertha setzt auf Leitl – ein guter oder schlechter Schritt?

Berlin – Die Rufe nach einem Abgang von Leitl waren auch für den Cheftrainer deutlich hörbar. Nach dem enttäuschenden Saisonausklang in Bielefeld ließ der mitgereiste Anhang seinem Ärger lautstark freien Lauf.

„Ich kann den Frust verstehen und sehe, dass die Emotionen hochkochen. Wir leben ja nicht abgeschieden von der Realität“, erklärte Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich (59). Trotzdem bleibt er bei seiner Entscheidung: Stefan Leitl (48) wird auch in der kommenden Spielzeit an der Seitenlinie stehen.

Bereits Mitte April hatte er dem Trainer und Sportdirektor Benjamin Weber (46) eine Zusage für den Verbleib gegeben. Die anschließende Bilanz fiel jedoch mager aus: Nur vier Punkte aus fünf Partien – allesamt gegen Teams aus dem Tabellenkeller.

Besonders kritisiert wird vor allem das Spiel mit Ball. Solange Hertha BSC die gefährlichen Gegenangriffe nicht effektiv nutzt, entstehen immer wieder Schwierigkeiten.

Dies spiegelt sich auch in der Heimbilanz wider, da die Gegner der Alten Dame häufig das Spiel überlassen. Während die Berliner vor einem Jahr in der Heimtabelle noch abgeschlagen waren, konnte man diesmal immerhin Rang 13 erreichen.

Leitl hatte das Team im Februar 2025 übernommen, stabilisiert, ihm eine klare Spielphilosophie verpasst und frühzeitig den Klassenerhalt gesichert. In der aktuellen Saison wurde das ausgegebene Ziel jedoch deutlich verfehlt – trotz eines der individuell stärksten Kader der 2. Liga. Der selbst gesteckte Aufstiegsanspruch wurde schon kurz nach der Rückrunde aufgegeben.

So bleibt auch im dritten Jahr in der 2. Liga die ernüchternde Erkenntnis: Hertha gehört nicht zur Spitzenklasse. Denn auch unter Leitl fiel es den Berlinern schwer, die Schwächephasen abzulegen, in denen sie, trotz Chancen, nicht überzeugten und den Angriff verpassten.

Auch die bevorstehende Sommerpause, die normalerweise dazu dienen soll, die Enttäuschung zu verarbeiten und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, wird wohl von Unsicherheiten überschattet sein. Der Alten Dame steht ein langer und schwieriger Sommer bevor – mit einem Trainer, der bereits jetzt stark in der Kritik steht.

Die Berliner sind gezwungen, Spieler abzugeben und einen erheblichen Transferüberschuss zu erzielen. Erst dann wird Hertha auf dem Transfermarkt aktiv werden können. Die Gefahr besteht, dass Leitl mit einem stark veränderten und möglicherweise unvollständigen Kader in die Vorbereitung oder gar in den Saisonstart geht. Wer den Verein noch verlässt oder neu dazukommt, ist bislang völlig offen.

Diese Situation stellt auch für einen neuen Trainer eine enorme Herausforderung dar. Wer möchte sich unter diesen Umständen schon auf das Abenteuer einlassen? Zumal Hertha kaum finanzielle Mittel besitzt. Dennoch scheint es keine bessere Alternative zu Leitl zu geben. „Wenn man sich anschaut, in welchen Bereichen wir uns verbessern wollen, erkennt man, dass das Anforderungsprofil des Trainers und das des Teams relativ gut übereinstimmen“, so Görlich.