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Hertha zeigt neue Stärke: Schlechte Leistung - aber trotzdem siegreich

Berlin – Hertha BSC befindet sich derzeit auf einer beeindruckenden Siegesserie. Der 1:0-Erfolg gegen Eintracht Braunschweig markiert bereits den fünften Pflichtspielsieg in Folge. Vier davon gelangen in der Liga, einer im Pokal. Diese Serie ist für den Hauptstadtklub eine Premiere seit 24 Jahren. Besonders auffallend ist zudem, dass die Mannschaft in keinem dieser Spiele einen Gegentreffer hinnehmen musste.

Die Abwehr steht stabil. Sollte dennoch ein Angreifer durchkommen, ist mit Tjark Ernst (22) stets verlässlich jemand zur Stelle. Wenn es brenzlig wird, bewahrt der junge Torwart Ruhe und Sicherheit.

„Im Moment funktioniert es einfach als Gesamtteam extrem gut: unsere Arbeit gegen den Ball und das Spiel nach vorne. Selbst von hinten sieht das schon ordentlich aus“, lobt der Keeper die Mannschaft.

Nach dem fünften Sieg waren sich die Berliner einig: Das war nicht ihr bestes Spiel. Braunschweig agierte mindestens auf Augenhöhe und hätte zur Halbzeit sogar führen müssen.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Hertha solche Partien nicht nur nicht verliert, sondern am Ende sogar gewinnt. Im Gegensatz zu früheren Zeiten bricht die Mannschaft nicht ein, sondern bleibt fokussiert und stabil.

Das knappe Weiterkommen in der ersten Pokalrunde in Münster war zum Teil glücklichen Umständen geschuldet, gegen Braunschweig hingegen bewahrten die Hausherren Geduld. „Wir haben einfach die Einstellung, dass wir wissen, solange es 0:0 steht, genügend Qualität vorhanden ist, um ein Tor zu erzielen“, erklärt Ernst.

Bis zum Schluss musste Hertha gegen den Tabellensechzehnten zittern, doch von einem Glückserfolg kann keine Rede sein. Der ambitionierte Zweitligist hat sich diesen Lauf hart erarbeitet und gewinnt nun auch Spiele, in denen es mal nicht rund läuft.

„Das ist, glaube ich, die neue Qualität“, meint Sportdirektor Benjamin Weber (45). „Wenn du Spiele gewinnst, wächst dein Selbstvertrauen, und dann hast du vielleicht auch mal das nötige Quäntchen Glück. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Mannschaft aus.“

Wie schon in den Partien eine Woche zuvor in Kaiserslautern oder beim Last-Minute-Erfolg gegen Düsseldorf genügte den Berlinern auch diesmal ein einziges Tor. Vor allem in der ersten Halbzeit waren sie jedoch nicht die überlegene Mannschaft. Doch es muss nicht immer eine Glanzleistung sein.

„Der Teamgeist war da. Eine tolle Laufbereitschaft“, lobte Stefan Leitl (48). „Momentan verdient man sich die Siege vor allem durch Einsatz und diesen Spirit.“ Holstein Kiel, Herthas nächster Gegner, sollte gewarnt sein: Die Alte Dame braucht für Erfolge nicht unbedingt eine starke Leistung.