Hertha blamiert sich bis zum Schluss: Endlich ist diese Saison vorbei
Berlin – Endlich ist diese Spielzeit vorüber! Hertha zeigt jedoch erneut die gewohnten Schwächen. Eine ohnehin schon enttäuschende Saison – die dennoch die beste seit dem Abstieg war – endet auf tragische Weise.
Beim Abstiegskandidaten Bielefeld bricht die Alte Dame vollkommen ein und kassiert in einer Halbzeit gleich sechs Gegentore. Ein weiterer Tiefpunkt in einer ohnehin von Rückschlägen geprägten Saison, und das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Wie soll nach einer derartigen Blamage überhaupt eine positive Grundstimmung für die kommende Spielzeit entstehen? Die ohnehin schon düstere Aussicht im Hinblick auf den anstehenden Umbruch wird dadurch nur noch trostloser.
Erfahrene Spieler wie Toni Leistner (35), der zu den wenigen verlässlichen Kräften zählte, sowie Diego Demme (34), der wiederholt mit einer Kopfverletzung zu kämpfen hatte, werden den Hauptstadtverein verlassen müssen.
Weitere Abgänge werden folgen. Da Hertha erneut ein großes Transferplus erzielen muss, sind Talente wie das Nachwuchstalent Kennet Eichhorn (16) oder Tjark Ernst (23) kaum zu halten.
Zur neuen Saison wird der Klub aus der Hauptstadt ein völlig verändertes Gesicht zeigen und eine Menge an Qualität einbüßen. Ob die Berliner dann endlich wieder oben angreifen und konstant punkten können? Wie schon in den beiden vorangegangenen Zweitligajahren reichte es nie über Platz sechs hinaus. Aussagekräftig ist auch: Zur Halbzeit fand sich die Mannschaft in der Zwischenwertung noch auf Rang fünf, um nur 45 Minuten später auf Platz sieben durchgereicht zu werden.
Obwohl die Blau-Weißen einen der teuersten Kader der Liga stellten, konnten sie auch in dieser Spielzeit nicht die Erwartungen an ein Spitzenteam erfüllen. Wann immer sich die Gelegenheit bot, im Rennen um den Aufstieg ernsthaft mitzumischen, folgte die nächste Enttäuschung.
Dieses Muster zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison – beginnend mit dem Auftakt. Die Mannschaft, die von Experten und sich selbst als Aufstiegskandidat gehandelt wurde, wurde vom FC Schalke regelrecht überrollt. Auch in den folgenden Wochen verbesserte sich die Lage nicht. Der Start in die Saison misslang mit nur zwei Punkten aus vier Partien.
Erst mit der frühen Umstellung des Systems begann Hertha, in Fahrt zu kommen, und legte eine beeindruckende Serie von sieben Siegen in Folge ohne Gegentor hin. Danach folgte jedoch aus den nächsten neun Begegnungen nur ein einziger Erfolg. Auch die angekündigte Aufholjagd in der Rückrunde verpuffte. Am Ende sammelte Hertha fünf Punkte weniger als in der Hinrunde und kassierte zwölf Gegentore mehr.
Nachdem man den verpassten Aufstieg zu Beginn noch mit dem schwierigen Auftaktprogramm gegen alle Konkurrenten zu rechtfertigen versuchte, ist die Entwicklung gegen Ende der Saison ebenso besorgniserregend: Aus den letzten sechs Spielen, davon fünf gegen direkte Abstiegskandidaten, holte die Alte Dame mickrige vier Punkte.
Das schlägt natürlich auch auf den Trainer zurück, der sich lautstarke „Leitl-Raus“-Rufe gefallen lassen musste: „Das war nicht zu überhören und auch verständlich, wenn man sich so präsentiert. Ich sehe aber keinen Grund, das jetzt zu kommentieren. Das Ergebnis spricht für sich. Dass alle enttäuscht sind, ist doch nur normal“, erklärte Stefan Leitl (48).
Wird Hertha-Boss Peter Görlich (59) nun das Festhalten an Trainer und Sportdirektor Benjamin Weber (46) zum Verhängnis? Die Kritik an Leitl wird jedenfalls immer lauter.